Was ist dieses prachtvolle Flugobjekt dort oben?
Freunde, das ist der glänzende, brandneue Bowler Defender Challenge-Rallyewagen. Seine Bezeichnung trägt er, weil Bowler – inzwischen bekanntlich vollständig im Besitz von Jaguar Land Rover – ihn in der bald wiederbelebten Defender Challenge-Rallyeserie einsetzen wird.
Für weitere Informationen könnt ihr auf diese blauen Wörter klicken. Die Challenge wurde ursprünglich von 2014 bis 2016 ausgetragen; damals fuhren die Teilnehmer alte Defender mit Dieselmotoren, Handschaltungen und einer Neigung zum Überschlagen, die an unterwürfige Hunde erinnerte. Bei ihrer Rückkehr im Jahr 2022 treten 12 dieser neuen 90er in sieben Läufen im Vereinigten Königreich gegeneinander an.
Ein Rallyewagen also? Wie wurde der Defender rallyetauglich gemacht?
Obwohl Bowler größere Eingriffe bewusst vermieden hat, um die Kosten niedrig zu halten, gibt es hier dennoch einiges zu erklären …
Zunächst wichtig: Da sich die Challenge-Serie gleichermaßen an erfahrene Rallyefahrer und absolute Neulinge richtet, basiert das Auto nicht auf dem feuerspeienden Defender V8 mit 518bhp.
Stattdessen beginnt alles deutlich bodenständiger. Bowler nimmt den günstigsten Defender 90 P300 als Basis: mit Schraubenfederung und einem aufgeladenen 2,0-Liter-Vierzylinder. Im Straßenfahrzeug leistet er 296bhp, darf hier dank einer neuen Abgasanlage jedoch etwas freier atmen. Rechnet mit ungefähr 300bhp. Nach Ansicht von Bowler ist das genau ausreichend – und dem würden wir zustimmen.
Fast sämtliche serienmäßigen Karosserieteile bleiben erhalten. Die Türen wurden allerdings gekürzt, damit der unverwüstliche – nicht buchstäblich, auch wenn er sich zeitweise so anfühlt – 6 mm starke Unterbodenschutz aus Aluminium Platz findet. Außerdem wurde die Frontschürze leicht umgestaltet: für eine aggressivere Optik, zusätzliche Kühlung und weitere verdammt starke Laser-Leuchten.
Bei den Felgen handelt es sich um außergewöhnlich robuste 18-Zoll-Modelle von Borbet, die jeweils einer Last von 1,25 Tonnen standhalten. Darauf sitzen zudem grobstollige Reifen. Beim Gewicht bleibt der Wagen trotz eines vollständigen, FIA-zugelassenen Überrollkäfigs, der sich durch die Aluminium-Monocoque-Karosserie des neuen Defender zieht, nahezu auf dem Niveau des Straßenautos: 2.261kg. Das ist durchaus bemerkenswert. Ein großer Teil der Einsparung entsteht dadurch, dass Bowler vorne zwei Kühler entfernt hat, weil ein einzelner nach seinen Erkenntnissen genügt.
Auch am Heck fehlt das Reserverad an der Tür. Für eine günstigere Gewichtsverteilung ist es nun im ausgeräumten Innenraum untergebracht.
Was wurde im Innenraum des Defender Challenge verändert?
Die Magnesium-Querstrebe von JLR ist ebenso entfallen wie beinahe jeder Komfortausstattungsgegenstand; mit Überrollkäfig wird sie schlicht nicht benötigt. Der zentrale 10-Zoll-Bildschirm mit Pivi Pro bleibt zwar an Bord, doch während einer Rallye wird kaum Zeit sein, darauf herumzutippen.
Immerhin gibt es weiterhin eine Klimaanlage. Das OMP Racing-Lenkrad arbeitet mit einem einzelnen, an der Lenksäule angebrachten Schaltpaddel für das serienmäßige Achtganggetriebe des Straßenwagens zusammen. Wie gut dieses Paddel funktioniert, können wir leider nicht beurteilen: Im von uns gefahrenen Prototyp klemmte es und musste provisorisch mit hochtechnologischem Isolierband repariert werden. Bowler hält diese Lösung dennoch für ideal für Einsteiger. Sie können zunächst das Getriebe im Automatik- oder Sportmodus arbeiten lassen und sich auf andere Dinge konzentrieren, bevor sie mit dem neuen Schalter in technischen Passagen Zeit gewinnen. Clever.
Gibt es unterhalb der Karosserie weitere Änderungen?
Keine Sorge, allzu viele sind es nicht. Zwar wird über einen neuen „Bowler-Modus“ für das Terrain-Response-System gescherzt, doch eine ganze Reihe elektronischer Helfer musste deaktiviert werden, darunter Traktionskontrolle und Stabilitätskontrolle.
Die Lenkübersetzung entspricht der Serienausführung, während die Bremsen die kleinsten sind, die Land Rover für das Straßenfahrzeug anbietet, damit sie unter die neuen Räder passen. Der Challenge liegt allerdings 25mm höher als ein gewöhnlicher 90er und erhält andere Federraten sowie hochwertige Fox Racing-Dämpfer.
Ist die Übernahme von Bowler durch JLR eine gute Sache?
Danach sieht es eindeutig aus. Bowler zufolge hat der Zugriff auf die SVO-Abteilung – also auf deren Mitarbeiter und Teilelager – beim Challenge-Rallyewagen vermutlich sechs bis neun Monate Entwicklungszeit eingespart. Dadurch konnten auch der fantastisch aussehende Schnorchel verwendet werden; die industriell wirkenden Scheibenwaschdüsen in Haiflossenform stammen offenbar von einem Discovery 5.
Und wie fährt sich der Bowler Defender Challenge?
Ich dachte schon, ihr würdet nie fragen. Endlich hatte ich mein Erlebnis als Fahrgott. Genauer gesagt hat mir der Defender Challenge dieses Erlebnis auf dem Silbertablett serviert, denn trotz seiner einschüchternden Erscheinung ist er in Wahrheit ein riesiger Softie.
Mit den serienmäßigen Abstimmungen für Motor, Getriebe und Lenkung wirkt er weder nervös noch schwierig, wenn man flüssig fahren möchte. Über wirklich jedes Terrain ist er dennoch beeindruckend schnell. In schnellen Asphaltkurven bietet er erstaunlich viel Grip und begrenzt zugleich irgendwie die Wankbewegungen. Er verzögert ebenfalls kräftig und lenkt dank des leichteren Benzinmotors an der Vorderachse präzise ein.
Analoger wird der neue Defender nicht mehr, und genau das ist großartig. Während der frühere Bowler Defender Challenge bei einer Bodenwelle mitten in der Kurve hätte umkippen oder aus der Bahn geraten können, steckt dieses neue Modell alles mühelos weg.
Wie kam er nach diesem Sprung wieder auf?
Fast unfassbar gelassen. Irgendwie landet er weich, verringert beim anschließenden Ausfedern aber dennoch den Rückstoß und stabilisiert sich rechtzeitig für die nächste Kurve. Verantwortlich sind die einstellbaren Dämpfer, die laut Bowler noch etwas Abstimmungsarbeit benötigen, um vollkommen perfekt zu sein. Das nennt man Liebe zum Detail.
Erwähnenswert ist auch, dass die neue Abgasanlage die Bodenfreiheit verbessert und zugleich für einen etwas aufregenderen Klang sorgt.
Wie kann ich einen bekommen?
Der Preis liegt bei £99,500. Dafür erhaltet ihr das Fahrzeug, den Rallyeumbau sowie die Teilnahme an der Meisterschaft mit sieben Läufen und Bowler-Unterstützung bei jedem Rennen.
Für die Challenge 2022 stehen lediglich 12 Startplätze und 12 Fahrzeuge zur Verfügung; nach Abschluss der Serie dürft ihr euren Wagen behalten. In diesem Jahr werden alle Exemplare weiß lackiert, doch Käufer können die Grafiken individualisieren und die oben gezeigten Beklebungen um Sponsoren ergänzen.
Hat jemand Lust, bescheidene £100,000 für einen Start von Team TG beim Defender Challenge zu spenden? Bitte?
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