Die Teilnahme von Audi an der nordamerikanischen Trans-Am-Meisterschaft im Jahr 1988 markierte für die Marke mit den vier Ringen einen Wendepunkt auf diesem bedeutenden Markt.
Besonders nachdem Audi in jener Saison den Titel gewann – mit einem 200, angetrieben vom legendären turboaufgeladenen Reihenfünfzylinder, der hier 2,2 l Hubraum hatte, und selbstverständlich mit quattro-Allradantrieb.
Die Amerikaner wollten diese Demütigung nicht hinnehmen und verboten schließlich „ausländische“ Motoren sowie den Allradantrieb. Deshalb richtete Audi seinen Fokus bereits im folgenden Jahr, 1989, auf die IMSA-Meisterschaft in der GTO-Kategorie.
Als Basis diente der Audi 90, der von den großzügigeren Vorschriften dieser Klasse profitierte und eine Spitzenleistung von 720 PS erreichte. Natürlich war auch hier der quattro-Allradantrieb an Bord.
Wegen des Zeitmangels blieben Fahrer, Teams und sogar die Fahrzeugbeklebungen unverändert. Ein Titel sprang diesmal zwar nicht heraus, doch die Wirkung war enorm und für die späteren Erfolge der Marke in Meisterschaften wie der DTM, der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, von großer Bedeutung. Für Audi war dies ein denkwürdiger Moment.
Vier Jahrzehnte nach diesen Ereignissen beschloss ein Team junger Designer im Audi-Designzentrum in Neckarsulm, dem Audi 90 quattro IMSA die gebührende Hommage zu erweisen. Den Anfang machte 2020 der Konzeptwagen RS 6 GTO.
Abschiedsgeschenk
Nun standen sowohl der 90 quattro IMSA als auch der RS 6 GTO Pate für den neuen Audi RS 6 Avant GT – insbesondere für die Ausführung mit Audi-Sport-Beklebung.
Die RS 6 Avant GT ist nicht bloß ein Sondermodell zum Gedenken: Sie versteht sich zugleich als eine Art Abschiedsgeschenk für dieses Modell, das nicht mehr viele Jahre gebaut werden wird.
Gegenüber dem bereits bekannten Modell fallen äußerlich der neu gestaltete Kühlergrill mit glänzend schwarzen Lufteinlässen, die vertikalen Finnen an der Frontschürze sowie die markante, in den Stoßfänger integrierte Frontlippe auf.
Erstmals verwendet Audi Sport eine Motorhaube aus Carbon, die in den Farben der Sportabteilung der deutschen Marke gestaltet ist. Doch dabei bleibt es nicht: Auch die Kotflügel und die 22-Zoll-Räder bestehen aus diesem Material.
Am Heck stehen der funktionale Diffusor mit vertikal mittig angeordnetem Reflektor, der den Audi RS 6 Avant noch breiter erscheinen lässt, sowie der von Rennfahrzeugen inspirierte Doppelflügel im Mittelpunkt.
Wie Juergen Loeffler, verantwortlich für das Exterieurdesign, erläutert, sind zwei Karosseriegestaltungen möglich: „Eine kombiniert zusammen mit der Lackierung Arkonaweiß die klassischen Farben Schwarz, Grau und Rot, stets mit weißen Rädern. Alternativ sind schwarze und graue Dekore erhältlich, wenn sie mit den Karosseriefarben Nardograu oder Mythosschwarz kombiniert werden. In diesem Fall sind die Räder glänzend oder matt schwarz.“
Im Innenraum verfügt diese besonders exklusive RS 6 Avant über Integralschalensitze aus Leder und Dinamica-Stoff mit roten Nähten im Wabenmuster. Ihre Struktur besteht aus Carbon.
Ebenso ins Auge fallen die roten Sicherheitsgurte und die individuelle Nummer jeder der vorgesehenen 660 Exemplare.
RS 6 Avant GT ist der stärkste Audi aller Zeiten
Ein so außergewöhnliches Fahrzeug verlangt nach einem ebenso außergewöhnlichen Motor, wie Nils Fischer, der technische Leiter dieses Projekts, bestätigt:
„Der Vierliter-V8 kommt hier in seiner bislang stärksten Ausbaustufe mit 630 PS zum Einsatz. Zudem ist er der stärkste Motor, den Audi Sport je produziert hat.“
Nils Fischer, technischer Leiter des Projekts
Angesichts dessen überraschen die beeindruckenden Fahrleistungen nicht: 305 km/h Höchstgeschwindigkeit und 3,3 s für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Bis 200 km/h vergehen lediglich 11,5 s, eine halbe Sekunde weniger als beim RS 6 Avant. Dabei helfen die 50 kg Mindergewicht.
Das Achtgang-Automatikgetriebe Tiptronic und das elektronische Sperrdifferenzial – das in dieser Ausführung die Hinterachse stärker bevorzugt – werden in ihrer neuesten Version eingesetzt. Das Drehmoment wird im Verhältnis 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, kann sich bei wechselnden Gripverhältnissen jedoch bis auf maximal 70 % an die Vorderräder oder 85 % an die Hinterräder verlagern.
Erstmals und ausschließlich für den Audi RS 6 Avant GT ist ein einstellbares Gewindefahrwerk erhältlich. Es senkt die Bodenfreiheit gegenüber dem „normalen“ RS 6 Avant um 10 mm, um die Fahrdynamik zu steigern, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.
Auch die Federn sind straffer abgestimmt, die Stoßdämpfer lassen sich an drei Punkten einstellen, und die Stabilisatoren sind steifer ausgelegt – um 30 % vorn und 80 % hinten –, damit sich die Karosserie weniger bewegt.
Alternativ kann der Audi RS 6 Avant GT mit dem RS-Sportfahrwerk plus inklusive Dynamic Ride Control (DRC) oder mit adaptivem Luftfahrwerk ausgestattet werden.
Stark limitierte Produktion in Neckarsulm
Etwa zwei Drittel der vorgesehenen 660 Exemplare sollen in Europa bleiben – allein 191 Fahrzeuge entfallen auf Deutschland. Die sieben Mitarbeitenden, die ausschließlich mit der Montage der versionsspezifischen Komponenten betraut sind, benötigen für die Fertigstellung jedes einzelnen Fahrzeugs einen ganzen Tag.
Die Produktion des Audi RS 6 Avant GT findet 2024 und 2025 auf der Montagelinie in den Böllinger Höfen statt, die an das Werk Neckarsulm angrenzt und für Modelle mit geringeren Stückzahlen wie den Audi R8 oder den e-tron GT vorgesehen ist.
Bestellungen sind ab dem 6. Februar, also ab heute, möglich. Jedes Exemplar kostet auf dem deutschen Markt 220.000 Euro …
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