Nardò zählt zu den bekanntesten Teststrecken der Welt. Als die Anlage am 1. Juli 1975 erstmals ihren Betrieb aufnahm, bestand der Komplex in Nardò aus 3 Teststrecken sowie einem Gebäude für die Ingenieurteams und ihre Fahrzeuge. Das ursprüngliche Konzept wurde von Fiat entwickelt und umgesetzt.
Von Beginn an verfolgte die Teststrecke von Nardò dasselbe Ziel: Automobilherstellern sollten ihre Fahrzeuge unter realistischen Bedingungen erproben können, ohne dafür öffentliche Straßen nutzen zu müssen. An diesem Anspruch hat sich bis heute nichts geändert.
Seit 2012 gehört die Anlage, die inzwischen Nardò Technical Center heißt, Porsche. Mittlerweile umfasst dieses Testzentrum deutlich mehr Strecken: Mehr als 20 unterschiedliche Kurse können selbst die härtesten Belastungen nachbilden, denen ein Auto ausgesetzt werden kann.
Teststrecken im Nardò Technical Center
Dazu zählen Schotterpisten, Strecken mit Bodenwellen und Schlaglöchern sowie Layouts, die Fahrwerk, Karosserie und Aufhängung besonders fordern. Sogar ein für sportliche Zwecke von der FIA homologierter Kurs gehört zur Anlage.
Insgesamt erstreckt sich das Gelände im Süden Italiens über beinahe 700 Hektar – weit entfernt von neugierigen Kameraobjektiven.
Das Nardò Technical Center ist dank des günstigen Klimas in Süditalien an 363 Tagen im Jahr und an sieben Tagen pro Woche geöffnet. Neben den Autoherstellern erhalten ausschließlich Landwirte Zugang zum Gelände: Sie dürfen die Flächen neben den Strecken bewirtschaften und landwirtschaftlich nutzen. Andernfalls wäre es eine Verschwendung von Fläche. Über zahlreiche Tunnel können landwirtschaftliche Maschinen verkehren, ohne den Ablauf der Tests auf den Strecken zu beeinträchtigen.
Die Ringstrecke als Herzstück
Trotz der vielen Teststrecken im Nardò Technical Center bleibt die Kreisbahn das Herzstück der Anlage. Sie misst insgesamt 12,6 km und besitzt einen Durchmesser von 4 km. Ihre Ausmaße sind so groß, dass sie sogar aus dem Weltraum zu erkennen ist.
Die Strecke verfügt über vier stark überhöhte Fahrspuren. Auf der äußersten Spur lässt sich mit 240 km/h fahren, ohne das Lenkrad einzuschlagen. Möglich wird dies, weil die Überhöhung der Strecke die auf das Fahrzeug wirkende Fliehkraft ausgleicht.
Fahrzeuge und Rekorde in Nardò
Aufgrund seiner Eigenschaften war das Nardò Technical Center über die Jahre hinweg Entwicklungsort für zahlreiche Fahrzeuge – meist unter strengster Geheimhaltung, weshalb es darüber keine Aufzeichnungen gibt. Neben Entwicklungsfahrten diente und dient die italienische Strecke jedoch auch dem Aufstellen von Weltrekorden.
In dieser Galerie kannst du einige davon entdecken:
Vergleichbare Testanlagen weltweit
Nardò ist kein Einzelfall. Weltweit gibt es weitere Teststrecken mit vergleichbaren Eigenschaften. Vor einiger Zeit haben wir mit Unterstützung von Hyundai diese „Megastrukturen“ vorgestellt, die dem koreanischen Hersteller gehören. Ihre Dimensionen sind gelinde gesagt beeindruckend.
Doch es gibt noch weitere Beispiele: In Deutschland besitzt der Volkswagen Konzern den Komplex Ehra-Leissen, auf dem Bugatti seine Fahrzeuge erprobt. Das Testgelände liegt in einem Bereich mit reserviertem Luftraum und bietet ein Sicherheitsniveau wie eine militärische Anlage.
General Motors wiederum ist Eigentümer der Milford Proving Grounds. Der Komplex umfasst eine Kreisbahn und einen Streckenverlauf, der die berühmtesten Kurven der besten Rennstrecken der Welt nachbildet. GM-Mitarbeiter benötigen mehrere Jahre, um Zugang zu dieser Anlage zu erhalten.
Weitere Beispiele gibt es ebenfalls, doch abschließend sei Astazero Hällered genannt. Dieses Testzentrum gehört einem Konsortium aus Volvo Cars, der schwedischen Regierung und weiteren Organisationen, die sich der Forschung zur Fahrzeugsicherheit widmen.
Der Detailgrad dieses Zentrums ist so hoch, dass Volvo dort reale Stadtviertel nachgestellt hat, darunter Bereiche wie Harlem in New York City (USA).
Wir erinnern daran, dass Volvo bis 2020 das Ziel erreichen wollte, bei Modellen der Marke „null tödliche Unfälle“ zu verzeichnen. Ob das gelingt? Am Einsatz mangelt es nicht.
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