Pat Moss war bereits vor Michèle Mouton die erste große weibliche Referenz im Rallyesport. Vor 60 Jahren bescherte sie MINI den ersten Sieg bei einer internationalen Rallye. Zum Gedenken an dieses Ereignis hat die britische Marke nun ein Sondermodell aufgelegt, das ihren Namen trägt.
Vom MINI John Cooper Works Pat Moss Edition sind in Portugal lediglich 15 Exemplare erhältlich. Wir sind ihn bereits gefahren und können bestätigen: Dieses Modell ist tatsächlich eine gelungene Würdigung einer echten Pionierin des Motorsports.
Ausgerechnet am Tag der Veröffentlichung dieses Tests jährt sich ihr Todestag zum 14. Mal. Einen passenderen Anlass, Pat Moss zu ehren – jener Frau, die in den 60er-Jahren sämtliche vermeintlich „konventionellen“ Regeln über den Haufen warf –, könnte es kaum geben.
Wer war Pat Moss?
Pat Moss, die Schwester von Sir Stirling Moss, machte zunächst im Reitsport auf sich aufmerksam. Sie gehörte sogar der britischen Nationalmannschaft im Reitsport an, bevor sie sich ganz dem Automobil und dem Rallyesport verschrieb.
Ihr Nachname sorgte zwar zwangsläufig für Aufmerksamkeit, doch ihr Können sprach bald für sich. 1960 gewann sie mit einem Austin Healey 3000 die Rallye Lüttich–Rom–Lüttich und wurde bei der Coupe des Alpes Zweite. Ein Jahr später erreichte sie bei der Rallye Großbritannien einen bemerkenswerten zweiten Platz.
1962 fuhr sie mit einem Saab 95 beim East African Safari Rally auf Rang drei. Im selben Jahr gewann sie am Steuer eines MINI Cooper die Tulpen-Rallye, die in den Niederlanden startet und endet, aber einen „Abstecher“ nach Monte Carlo macht.
Dieser Sieg gilt als erster internationaler Erfolg von MINI und verewigte Pat Moss – ebenso wie ihre Beifahrerin Ann Wisdom – in der Geschichte einer bis heute von Männern dominierten Disziplin und in der Historie der britischen Marke.
MINI John Cooper Works Pat Moss Edition: nur 800 Exemplare
Der MINI John Cooper Works Pat Moss Edition erinnert nicht nur an Pat Moss und ihren niederländischen Triumph, sondern zugleich an die sportliche Karriere des klassischen MINI. Weltweit ist die Sonderedition auf 800 Fahrzeuge begrenzt, davon sind 15 für Portugal vorgesehen.
Das Modell wird ausschließlich als Dreitürer angeboten und steckt voller Details, die an vergangene Zeiten erinnern. Dazu zählt die Tulpe auf den C-Säulen und den feststehenden Nabenkappen.
Die Karosserie trägt Midnight Black, ergänzt durch einen weißen Streifen auf der Motorhaube, rote Außenspiegel und ein Dach mit Dreifarbverlauf in Chilli Red, Melting Silver und Jet Black. Darüber hinaus fällt der MINI durch eine aufgedruckte Buchstaben- und Zahlenkombination auf: Darunter befindet sich 737 ABL, das Kennzeichen jenes Fahrzeugs, das 1962 die Tulpen-Rallye gewann.
Das wohl außergewöhnlichste Detail ist jedoch die originale Unterschrift, die Pat Moss nach einem ihrer Siege auf die Motorhaube ihres Autos schrieb. Bei dieser Ausführung wurde sie auf dem vorderen Stoßfänger nachgebildet.
Zahlreiche Easter Eggs
Wie in einem Superheldenfilm, in dem sich offensichtliche und mitunter versteckte Verweise auf das Comic-Universum finden, ist auch der MINI John Cooper Works Pat Moss Edition voller Anspielungen auf die berühmte britische Fahrerin.
Das beschränkt sich keineswegs auf die Außenhaut. Schon beim Öffnen der Türen begegnen einem unmittelbar die Tulpe, ihr Name und einige Informationen über den Sieg bei der Tulpen-Rallye 1962.
Auch am unteren Speichenbereich des Lenkrads erscheint die für die Niederlande typische Blume. Die Armaturentafel in Piano Black trägt ebenfalls – ja, noch einmal – die Signatur von Moss, die fünfmal europäische Rallye-Meisterin der Frauen wurde.
Neues Design, bewährte MINI-JCW-Formel
Die Optik dieses MINI John Cooper Works Pat Moss Edition sorgt überall für Gesprächsstoff. Während der Tage, die ich mit ihm verbrachte, fragten mich mehrere Nachbarn, was das für ein MINI sei. Das ist doch ein gutes Zeichen, oder?
Hinter diesem eleganten Tribut-Outfit steckt allerdings ein „gewöhnlicher“ MINI John Cooper Works – sofern man bei einem derart „scharfen“ Modell überhaupt von gewöhnlich sprechen kann.
Angetrieben wird diese Variante also vom bekannten, aus dem BMW-Regal stammenden 2,0-l-Turbovierzylinder. Er leistet 231 PS und entwickelt maximal 320 Nm Drehmoment, das über ein Achtgang-Automatikgetriebe an die beiden Vorderräder gelangt.
Damit sprintet dieser MINI JCW in 6,1s von 0 auf 100 km/h und erreicht 246 km/h Höchstgeschwindigkeit. Werte, die völlig ausreichen, um sich mit den Behörden Ärger einzuhandeln, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Was leisten diese Werte auf der Straße?
Ich werde weder bestätigen noch dementieren, was ich oben vielleicht angedeutet habe. Sicher ist jedoch: Dieser MINI JCW macht enorm viel Spaß. Der Motor bietet ordentlich „Muskeln“, der Klang ist dramatisch genug, auch wenn er etwas künstlich wirkt, und das Fahrverhalten überzeugt auf der Straße sehr.
Die Zeiten, in denen MINI klein und leicht waren, sind längst vorbei. Trotz seiner kompakten Länge von 3,87 m bringt dieses Modell 1350 kg auf die Waage. Seinen Charakter hat es deshalb aber nicht eingebüßt und liefert weiterhin Emotionen in riesigen Dosen. Man muss sie nur abrufen.
Die Lenkung reagiert schnell und direkt und besitzt ein spürbares Gewicht. Das straffe Fahrwerk sorgt dafür, dass sich die Karosserie in Kurven kaum neigt. Bemerkenswerterweise ist das Heck lebhafter, als man erwarten würde. Es lässt sich relativ leicht zum Mitlenken animieren, insbesondere bei nicht allzu hohem Tempo – genau dort begeistert dieser MINI besonders.
Der Versuchung, das Tempo zu erhöhen, kann man allerdings kaum widerstehen. Dann belohnt er mit sehr viel Ausgewogenheit und einem stabil am Asphalt haftenden Heck. Verstehen Sie mich aber nicht falsch: Von zu viel Grip, wie ich ihn beispielsweise bei anderen Hot Hatches wie dem Mercedes-AMG A 45 S gelegentlich erlebt habe, kann hier keine Rede sein.
Es bleibt stets genügend Spielraum, um mit den Grenzen zu spielen und die eigene Spur auf dem Asphalt zu hinterlassen.
Erwähnenswert ist außerdem die nahezu perfekte Sitzposition. Die Sitze bieten hervorragenden Halt, und auch der Griff des Lenkrads verdient viel Lob: Es steht sehr vertikal und verzichtet auf abgeflachte Bereiche, die derzeit so modern sind. Allerdings ist es recht dick und wird deshalb nicht jedem gefallen.
Kritik gibt es eigentlich nur an den Bremsen, deren Verhalten im ersten Bereich des Pedalwegs etwas schwer einzuschätzen ist und Eingewöhnung verlangt. Auch die Achtgang-Wandlerautomatik könnte schneller und vor allem entschlossener arbeiten. Selbst im Sport-Modus bemerkte ich gelegentlich ein Zögern.
In der Stadt zeigt er eine andere Seite
Auf kurvigen Bergstraßen fühlt sich der MINI John Cooper Works Pat Moss Edition wie ein „Fisch im Wasser“ und sorgt ununterbrochen für ein Grinsen. In der Stadt beweist er jedoch, dass er sich anpassen kann.
Das Fahrwerk bleibt immer straff – anders wäre es auch kaum zu erwarten. Dennoch wird dieser JCW nie unbequem. Aus dem nervösen, intensiven und aufregenden Sportler kann ein ruhiger, gleichmäßiger und gut erzogener Begleiter werden.
Auf besonders niedrige Verbrauchswerte sollte man allerdings selbst mit aktiviertem Green-Modus nicht hoffen: Im Stadtverkehr kam ich nie unter 9,0 l/100 km. Auf der Autobahn lässt sich dagegen relativ problemlos ein Wert nahe 6,5 l/100 km erreichen.
Im städtischen Chaos erweist sich auch seine stets ausgeprägte Agilität als sehr nützlich. Nach vorn ist die Sicht gut, nach hinten sieht die Sache anders aus. Dennoch finden vier Erwachsene durchschnittlicher Größe ohne größere Probleme Platz.
Ja, Sie haben richtig gelesen: Selbst bei diesem Dreitürer können zwei Erwachsene auf der Rückbank mitfahren. Der unangenehmste Teil ist schlicht das Ein- und Aussteigen.
Das ist jedoch der „Preis“ für ein Auto mit solch sportlichen Ambitionen. Das gilt sowohl für den Zugang zu den hinteren Sitzen als auch für den Kofferraum, der auf magere 211 Liter begrenzt ist.
Ist er das richtige Auto für Sie?
Der etwas hohe Verbrauch und der Tank mit nur 44 Litern machen häufige Stopps an der Tankstelle erforderlich. Und bevor es für ein Wochenende in den Norden – oder Süden! – geht, brauchen Sie etwas Kreativität beim Verstauen des Gepäcks. Doch das gerät schnell in den Hintergrund.
Denn schon die erste Kurve erinnert uns sofort daran, worauf es wirklich ankommt.
Natürlich ist der MINI JCW nicht günstig: Die Preise beginnen bei 44 130 Euro, während das getestete Fahrzeug auf 50 408 Euro kam. Doch nur wenige aktuelle Sportmodelle vereinen so viel Fahrspaß mit einem derart kompakten Format.
In der Pat Moss Edition wird das nochmals unterstrichen. Sie ist nicht nur exklusiv, sondern erinnert auch daran, dass man ein Modell mit großer Geschichte und nachgewiesenen Motorsport-Referenzen fährt: zunächst im Rallyesport und in jüngerer Zeit im Langstreckensport, wo MINI zwischen 2012 und 2021 sechs Mal die Dakar gewann.
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