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Radwegenetz in Lissabon: Mehr als 75 % benötigen dringende Sicherheitsverbesserungen

Mann mit gelbem Helm fährt Fahrrad auf rotem Radweg neben Straße mit Auto und Fluss im Hintergrund.

Das Radwegenetz in Lissabon wird zwar weiter ausgebaut, doch damit steigt nicht automatisch auch die Sicherheit. Laut der ersten Risikobewertung der Radwege in der Hauptstadt, die der Automóvel Club de Portugal (ACP) mit Unterstützung der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) durchgeführt hat, weist mehr als 75 % des Netzes Risikostufen auf, die dringend verbessert werden müssen.

Die am Dienstag veröffentlichte Untersuchung erscheint vor einem besorgniserregenden Hintergrund: Portugal zählt weiterhin zu den europäischen Ländern mit einer besonders schlechten Bilanz bei Verkehrsunfällen. Von 2019 bis 2024 nahmen Unfälle mit Fahrrädern und E-Scootern um 48 % zu, während die Zahl der Opfer um 278 % stieg. Allein zwischen 2019 und 2023 wurden durchschnittlich 42 Unfälle täglich verzeichnet, bei denen 11 Menschen ums Leben kamen.

Angesichts dieser Lage untersuchte der ACP die wichtigsten Risikofaktoren im Radwegenetz von Lissabon. Berücksichtigt wurden Zusammenstöße zwischen Radfahrenden und Autos, zwischen Radfahrenden und Fußgängern, Begegnungen mit anderen leichten Mobilitätsfahrzeugen wie E-Scootern sowie Gefahren durch den Zustand des Belags. Die Ergebnisse sind eindeutig.

Hohes Risiko in großen Teilen des Radwegenetzes von Lissabon

Von den 51,56 km Radwegen, die zwischen November 2024 und April 2025 bewertet wurden, weisen mehr als die Hälfte (53,53 %) ein mittleres Risiko auf. Damit besteht eine erhebliche Wahrscheinlichkeit für Kollisionen oder Stürze. Nur 24,38 % des Netzes erhielten die Einstufung geringes Risiko. Dagegen wurden 14,91 % als hohes Risiko und 7,18 % als extremes Risiko bewertet.

Als wichtigster Risikofaktor wurden Kollisionen zwischen Autos und Fahrrädern ermittelt. Konflikte zwischen Radfahrenden selbst fallen hingegen kaum ins Gewicht: Bei 95,64 % liegt kein oder nur ein geringes Risiko vor. Auch Begegnungen mit Fußgängern sind überwiegend risikoarm (79,98 %).

Innenstadt und Uferbereiche mit besonderen Herausforderungen

Die Studie zeigt, dass die städtische Struktur die Sicherheit unmittelbar beeinflusst. In der Innenstadt erschweren schmale Fahrbahnen und die gemeinsame Nutzung des Raums mit dem Autoverkehr das Radfahren. In den Uferzonen stellen dagegen die häufigen Begegnungen mit Fußgängern die größte Herausforderung dar.

Der allgemeine Zustand der Fahrbahnbeläge wurde dennoch positiv beurteilt: Nur 1,2 % des Netzes weisen rutschige oder lose Oberflächen auf. Auch feste Hindernisse (2,8 %) und bewegliche Hindernisse (0,9 %) treten selten auf. Ein erhebliches Risiko ist jedoch die fehlende Beleuchtung auf 61,4 % des Radwegenetzes, insbesondere in der Nacht.

Kritische Straßen und positive Beispiele

Zu den Bereichen mit dem dringendsten Handlungsbedarf gehören die Rua Castilho, die Avenida Almirante Reis und die Avenida de Berna. Als positive Beispiele für die Sicherheit im Radverkehr gelten dagegen der Eixo Central, die Praça de Espanha und die Avenida Duque d’Ávila.

Die Empfehlungen der Studie umfassen vom Autoverkehr getrennte Radwege, eine bessere Beleuchtung, die Neugestaltung gefährlicher Kreuzungen, Maßnahmen am Fahrbahnbelag sowie verkehrsberuhigende Maßnahmen.

Nach Angaben des ACP soll die Bewertung dazu beitragen, die Ziele der Nationalen Strategie für aktive Fahrradmobilität 2020–2030 zu erreichen. Diese sieht vor, die Unfallzahlen mit Radfahrenden bis 2025 um 25 % und bis 2030 um 50 % zu senken.

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