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Beschneiung in Skigebieten: Warum Kunstschnee kein finanzielles Sicherheitsnetz ist

Mann in roter Jacke kontrolliert Schneekanonen auf Bergwiese mit schneebedecktem Pfad und Alpen im Sonnenlicht.

Skigebiete suchen fieberhaft nach Antworten, während der natürliche Schnee immer unauffälliger verschwindet.

Jahrelang galt künstlicher Schnee als Wundermittel, das Lifte in Betrieb und Hotels ausgelastet halten sollte. Eine neue Langzeitanalyse französischer Alpenorte deutet jedoch darauf hin, dass hohe Ausgaben für Beschneiung keineswegs das finanzielle Sicherheitsnetz darstellen, das vielen Kommunen und Betreibern versprochen wurde.

Beschneiung wird vom Notfallinstrument zum Geschäftsmodell

Früher war die Beschneiung eine Reserveoption: Sie sollte schneearme Stellen ausbessern, einige zentrale Abfahrten sichern und die anfälligen Weihnachtswochen retten. Diese Zeit ist vorbei.

Der natürliche Schneefall wird unberechenbarer, während milde Phasen die Zahl der befahrbaren Tage verkürzen. Vor allem Skigebiete in niedrigen und mittleren Lagen, insbesondere unter 2.000 Metern, haben bereits Schwierigkeiten, ihre Pisten von Dezember bis März offen zu halten.

In einem Szenario mit starker Erwärmung von rund +4 °C bis zum Ende des Jahrhunderts wären nach Einschätzung von Forschenden bis zu 98 % der europäischen Skigebiete einem sehr hohen Risiko von Schneemangel ausgesetzt. Dabei geht es nicht allein um den Sport. Ganze lokale Wirtschaftskreisläufe – Hotels, Restaurants, Verleihgeschäfte und Saisonarbeitskräfte – sind auf die Wintersaison angewiesen.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Beschneiung stark ausgeweitet. In Frankreich stieg der Anteil der mit Schneekanonen ausgestatteten Pisten von etwa 14 % im Jahr 2004 auf 39 % im Jahr 2018. Was zunächst den Naturschnee ergänzen sollte, ist schrittweise zur wichtigsten Anpassungsstrategie des Wintertourismus geworden.

„Die Beschneiung hat sich von einer Notmaßnahme zu einer tragenden Säule des Skigeschäfts entwickelt, gestützt durch öffentliche Zuschüsse und langfristige Kredite.“

Die Annahme erscheint logisch: Mehr Beschneiung müsste mehr geöffnete Pisten, mehr Skifahrertage und einen besseren Schutz vor schlechten Wintern bedeuten. Die Daten aus einer großen Stichprobe von Alpenresorts zeichnen allerdings ein deutlich komplexeres Bild.

Was eine 15-jährige Studie zu französischen Skiliften zeigt

In einer aktuellen Untersuchung analysierten französische Forschende 56 Skiliftbetreiber in den französischen Alpen für den Zeitraum von 2004/05 bis 2018/19. Es handelte sich um mittelgroße bis sehr große Skigebiete, die von privaten Unternehmen im Rahmen öffentlich-rechtlicher Konzessionen betrieben wurden.

Das Team prüfte, wie sich Investitionen in Beschneiungsanlagen auf zwei zentrale Finanzkennzahlen auswirkten:

  • Umsatz (CA) – die gesamten Erlöse aus Skipässen und verbundenen Aktivitäten.
  • Bruttobetriebsüberschuss (EBE) – eine Kennzahl für die Ertragskraft des Kerngeschäfts vor Zinsen und Steuern.

Mithilfe ökonometrischer Verfahren versuchten die Forschenden, den konkreten Einfluss von Investitionen in die Beschneiung von anderen Faktoren zu trennen, darunter Höhenlage, Größe des Gebiets oder Entfernung zu Städten. Dieser Ansatz geht über bloße Zusammenhänge hinaus und untersucht kausale Effekte.

Das unbequeme Ergebnis: kein eindeutiger finanzieller Gewinn

Das Resultat fällt klar aus. Während der untersuchten 15 Jahre führte das zusätzliche Geld für Beschneiungssysteme weder beim Umsatz noch beim Bruttobetriebsüberschuss zu einem statistisch signifikanten Anstieg.

Besonders auffällig ist das fehlende messbare Ergebnis in den 20 % der schneeärmsten Saisons. Genau diese Winter sollte die Beschneiung eigentlich abfedern. Doch selbst in diesen schwierigen Jahren schnitten Skigebiete mit hohen Investitionen in die Schneeproduktion finanziell nicht besser ab als andere.

„In den schwierigsten Wintern bot die Höhenlage einen deutlicheren wirtschaftlichen Vorteil als Millioneninvestitionen in zusätzliche Schneekanonen.“

Das heißt nicht, dass Beschneiung im täglichen Betrieb wirkungslos wäre. Sie hilft eindeutig dabei, bestimmte Abfahrten offen zu halten, und kann Saisonstarttermine stabilisieren. Sobald jedoch die gesamte finanzielle Lage im Mittelpunkt steht, wirken die versprochenen Erträge unsicher.

Höhenlage statt Technik als stärkster Vorteil

Beim Vergleich unterschiedlicher Skigebietstypen stach ein Merkmal besonders hervor: die Höhenlage. Hoch gelegene Skigebiete kamen in Saisons mit wenig Naturschnee besser zurecht – nicht, weil sie mehr beschneiten, sondern weil der Winter dort kälter blieb und die Schneedecke länger hielt.

Dieser Vorteil steht im Kontrast zum abnehmenden Nutzen zusätzlicher Beschneiungsinvestitionen. Tatsächlich weisen mehrere Studien aus Kanada, Frankreich, der Schweiz und Spanien aus den vergangenen zwei Jahrzehnten in dieselbe Richtung: Frühe Investitionen in Beschneiung können wirtschaftlich vorteilhaft sein, doch ihr Nutzen sinkt mit dem Ausbau der Anlagen und der zunehmenden Erwärmung.

Faktor Wirkung auf die Widerstandsfähigkeit in schlechten Wintern
Große Höhenlage Stärker, wegen niedrigerer Temperaturen und länger anhaltender Schneedecke
Grundlegende Beschneiungsabdeckung Hilfreich, besonders auf wichtigen Verbindungs- und Anfängerpisten
Ständig wachsendes Beschneiungsnetz Begrenzter zusätzlicher finanzieller Nutzen, steigende Kosten und technische Grenzen

Mit steigenden Temperaturen benötigen Schneekanonen mehr Kältestunden, um effizient arbeiten zu können. Diese Zeitfenster werden vor allem in niedrigeren Lagen kürzer. Irgendwann übersteigen zusätzliche Kosten für Wasser, Energie und Wartung die damit erzielten Mehreinnahmen.

Öffentliche Gelder, privates Risiko: Wer soll zahlen?

Beschneiungsanlagen sind kostspielig. Sie benötigen Speicherbecken, Pumpstationen, Rohrleitungen, Hochspannungsanschlüsse und Hunderte Schneekanonen. In vielen Alpenregionen werden diese Investitionen teilweise durch öffentliche Mittel von Kommunen oder regionalen Entwicklungsprogrammen finanziert.

Die neuen Daten werfen daher eine drängende Frage auf: Wenn großflächige Beschneiung die wirtschaftliche Leistung eines Skigebiets nicht mehr eindeutig verbessert, weshalb sollten Steuerzahlende weiterhin einen Teil der Kosten tragen?

„Die wirtschaftliche Begründung für öffentliche Unterstützung der Beschneiung ist weit weniger offensichtlich, sobald die langfristigen Erträge genau geprüft werden.“

Einige lokale Entscheidungsträger argumentieren, dass ohne Beschneiung ganze Täler vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch stünden. Andere befürchten, dass die Bindung öffentlicher Haushalte an ein immer fragileres Modell Bergregionen in eine Sackgasse führt, anstatt ihnen den Übergang zu vielfältigeren, ganzjährigen Wirtschaftsstrukturen zu ermöglichen.

Skigebiete anpassen: mehr als nur zusätzlicher Kunstschnee

Kaum Fachleute fordern, Schneekanonen von heute auf morgen abzuschalten. Für viele Skigebiete, vor allem in mittleren Höhenlagen, ist ein gewisses Maß an Beschneiung inzwischen nötig, um den Grundbetrieb aufrechtzuerhalten, während Übergangspläne entwickelt werden.

Die Erkenntnisse sprechen jedoch für einen Kurswechsel. Statt Beschneiungsnetze auf immer weitere Pisten und Höhenlagen auszudehnen, zeichnen sich mehrere Anpassungswege ab:

  • Kernabfahrten priorisieren: Künstlichen Schnee auf unverzichtbare Verbindungspisten und Anfängerbereiche konzentrieren, statt das gesamte Gebiet abzudecken.
  • Skigebiete verkleinern: Kleinere, verlässlich betreibbare Skiräume akzeptieren, anstatt an der historischen Ausdehnung festzuhalten.
  • Tourismus diversifizieren: In Aktivitäten außerhalb des Skisports investieren, etwa Winterwandern, Wellnessangebote, Kulturveranstaltungen und ganzjährige Bergsportarten.
  • Beschäftigte unterstützen: Saisonarbeit neu gestalten, um Weiterbildung und alternative Arbeitsplätze außerhalb der Winterspitze zu ermöglichen.

Der Wandel von „Schnee um jeden Preis“ hin zu „was ist in dieser Höhenlage noch tragfähig?“ zeigt sich bereits in Teilen der Alpen und Pyrenäen. Dort machen niedrig gelegene Skigebiete ihre Lifte zu Sommerattraktionen für Wandernde und Mountainbikende oder schließen einzelne Skisektoren dauerhaft.

Zentrale Begriffe: Was „wirtschaftliche Leistung“ wirklich bedeutet

Hinter der Debatte über Beschneiung stehen einige Fachbegriffe, die politische Entscheidungen prägen.

Umsatz beschreibt schlicht, wie viel Geld in ein Unternehmen fließt. Ein Skigebiet kann seine Erlöse steigern, indem es mehr Skipässe verkauft oder Preise anhebt. Wenn die Betriebskosten jedoch stark wachsen – etwa für Energie, Personal und Wartung –, führt dieses zusätzliche Geld nicht automatisch zu einer besseren finanziellen Lage.

Der Bruttobetriebsüberschuss (EBE auf Französisch) zeigt, was nach Begleichung der laufenden Betriebskosten übrig bleibt. Er ist ein besserer Indikator dafür, ob ein Skigebiet seine Schulden dauerhaft bedienen, Personal bezahlen und in die Instandhaltung investieren kann. Die aktuelle Studie belegt, dass Beschneiungsinvestitionen diesen Überschuss nicht signifikant erhöhten, was ihre Rechtfertigung als langfristiges Anpassungsinstrument erschwert.

Szenarien für 2050: Welche Skigebiete können noch auf Schnee zählen?

Klimamodelle für Europas Gebirge legen nahe, dass die Grenze zwischen „wahrscheinlich tragfähigen“ und „strukturell gefährdeten“ Skigebieten bis zur Jahrhundertmitte höher liegen wird als heute. Resorts unter ungefähr 1.500–1.800 Metern müssen mit deutlich kürzeren und weniger verlässlichen Skisaisons rechnen. Selbst bei intensiver Beschneiung wird die wärmere Luft schlicht nicht genügend Produktionstage zulassen.

Hoch gelegene Skigebiete, die häufig bereits groß und gut angebunden sind, werden voraussichtlich die wichtigsten Zentren für alpinen Skisport in Europa bleiben. Diese Konzentration könnte kleinere Täler Besuchende, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze kosten, sofern sie keine alternativen Formen von Tourismus und wirtschaftlicher Tätigkeit aufbauen können.

Einige Planende nutzen Simulationen, die erwarteten Schneefall, Temperaturentwicklungen, Wasserverfügbarkeit und Energiepreise zusammenführen. Diese Modelle zeigen häufig, dass eine starke Abhängigkeit von Beschneiung zu einer „Kostenspirale“ führt: Während die Saisons kürzer werden, produzieren Betreiber mehr Schnee zum Ausgleich; dadurch steigen die Kosten, während die Einnahmen stagnieren oder sinken.

Jenseits des Skisports: neue Nutzungen und neue Risiken in Bergregionen

Kunstschnee bringt auch Zielkonflikte mit sich, die über wirtschaftliche Fragen hinausgehen. Die Beschneiung beansprucht große Mengen Wasser, eine Ressource, die in vielen Alpentälern unter Druck steht – besonders im Spätsommer und Herbst, wenn Speicherbecken gefüllt werden.

Auch der Energiebedarf ist ein Thema. Während Stromnetze dekarbonisiert werden, bleibt Elektrizität für Haushalte, Verkehr und Industrie stark gefragt. Die großflächige Schneeproduktion konkurriert um dieselbe Energie, oft in abgelegenen Regionen mit begrenzter Netzkapazität.

Manche Berggemeinden erkennen in diesem Wandel bereits Chancen. Statt neue Schneespeicher zu bauen, investieren sie in Kleinwasserkraft, Solaranlagen oder Projekte für Landwirtschaft und Forstwirtschaft in Höhenlagen, die auch außerhalb des Winters Einnahmen schaffen können. Andere verwandeln frühere Anfängerhänge in Rodelhügel, Schneeschuhwege oder sogar Weideland.

Für Skifahrende könnte die Zukunft anders aussehen, aber nicht zwangsläufig düster sein: kürzere, stärker konzentrierte Skisaisons in höheren Lagen, kombiniert mit einem breiteren Angebot an Winter- und Herbstaktivitäten. Für politische Entscheidungsträger lautet die entscheidende Frage weniger „Wie viele Schneekanonen können wir uns leisten?“ als vielmehr „Welche Bergwirtschaften sind in einem wärmer werdenden Klima noch sinnvoll, und wie unterstützen wir sie, ohne in verlorene Vermögenswerte zu investieren?“

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