Die Dakar gilt als härteste Rallye der Welt. Der Wettbewerb ist so brutal, dass für viele Teilnehmer bereits das Erreichen des Ziels einem Sieg gleichkommt.
Im Laufe der Jahre ist diese Veranstaltung zu einer Prüfung geworden, bei der nicht nur Ausdauer, sondern auch Geschwindigkeit zählt. Damit verschiebt sie die Grenzen von Menschen, Fahrzeugen und natürlich der Ingenieurskunst, die diesen Zirkus aus Abenteuer, Adrenalin und Mut erst möglich macht, noch weiter.
In diesem Jahr gewann Audi mit Carlos Sainz die höchste Automobilklasse der Dakar. Das Duo aus dem „jungen“ 61-Jährigen und dem Audi RS Q e-tron war nicht zu schlagen.
Was ist das denn für ein Geräusch?
Ein Flugzeug, ein Vogel oder ein fahrender Zug der Deutschen Bahn – was bekanntlich ebenfalls immer seltener vorkommt? Nichts davon: Es ist ein Audi RS Q e-tron. Und gleich wird klar, weshalb der Vergleich mit einem Zug gar nicht so abwegig ist.
Dieser Prototyp erzeugt vermutlich den ungewöhnlichsten Klang der Dakar. Er verbindet das Pfeifen der Elektromotoren mit dem Dröhnen eines Verbrennungsmotors:
Genau das passiert hier: Der Audi RS Q e-tron nutzt zwei Elektromotoren sowie einen Verbrennungsmotor.
Der Verbrenner treibt jedoch nicht die Räder an, sondern ist mit einem Stromgenerator verbunden. Klingt verwirrend? Ein wenig, das wissen wir. Vereinfacht gesagt sollte man den Audi RS Q e-tron wie ein rein elektrisches Fahrzeug betrachten.
Die Elektromotoren werden von einer Batterie mit 52 kWh Kapazität versorgt. Wie wir allerdings wissen, kann ein Akku dieser Größe nicht genügend Energie für mehr als 500 km bereitstellen – eine Distanz, die auf einer Dakar-Etappe problemlos erreicht wird. Erst recht nicht bei Renntempo …
An dieser Stelle kommt der Verbrennungsmotor ins Spiel: ein 2,0-l-Turbovierzylinder aus Audis DTM-Programm. Dieser Motor erfüllt nur eine Aufgabe: Er versorgt einen Generator, der seine Arbeit in elektrische Energie umwandelt.
Weil dieser Motor ununterbrochen läuft und bei 5.000 U/min arbeitet – daher auch das ungewöhnliche Geräusch –, fehlt es den Elektromotoren des Dakar-2024-Siegers Audi RS Q e-tron nie an Energie. Ganz neu ist dieses Konzept allerdings nicht …
Der Audi RS Q e-tron ist komplexer, als er wirkt
Einen Dakar-Siegerprototypen mit einer Lokomotive gleichzusetzen, wäre nicht fair. Auch wenn die Grundidee ähnlich ist, liegen zwischen beiden Lösungen Welten.
Schließlich ist es keine einfache Aufgabe, einen Verbrennungsmotor, zwei Elektromotoren, eine Batterie und vier Räder perfekt aufeinander abzustimmen. Noch anspruchsvoller wird es, wenn diese Technik bei einer Marathonrallye über Tausende Kilometer durch einige der unwirtlichsten Regionen der Erde mit 170 km/h geprüft wird.
Energiemanagement ohne Getriebe
Genau hier entsteht die „Magie“. Den Audi-Ingenieuren gelang es, all diese Komponenten über ein komplexes Energiemanagementsystem zusammenarbeiten zu lassen. Es gibt nicht einmal ein Getriebe oder einen Antriebsstrang, der die beiden Achsen miteinander verbindet – es bleibt eben ein Elektrofahrzeug …
Am Ende des Tages sind es alles „Bits und Bytes“, die die Befehle interpretieren, welche der Fahrer über das rechte Pedal gibt.
Doch es reicht nicht, dass alles einfach funktioniert: Das System muss zudem schnell und effizient sein. Wenn alles aufgeht – und auch etwas Glück dabei ist, das im Rennsport ebenfalls dazugehört –, kann sich der Sieg einstellen oder auch nicht.
Wie diese Dakar gezeigt hat, führen mehrere Wege zum Ziel. Den traditionelleren Ansatz verfolgt Toyota: Ein Biturbo-V6 (was für ein epischer Klang!) treibt den GR DKR Hilux Evo T1 an. Audi setzt beim RS Q e-tron dagegen auf ein komplexes System aus Oktan, Lithium und Elektronen. Wie auch immer: Nächstes Jahr gibt es wieder Dakar, aber ohne Audi, denn nach dem ersehnten Sieg in diesem Jahr kehrt die Marke 2025 nicht zurück.
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