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Eurac Research sucht Freiwillige für vier Wochen auf 2.300 Metern im Nationalpark Stilfserjoch

Junger Mann arbeitet mit Laptop und Buch auf Holzterrasse vor Bergpanorama mit Seilbahn im Hintergrund.

Zwischen Laptop, Laborwerten und Lärchenwäldern soll eine kleine Gruppe junger Erwachsener einen ungewöhnlichen Alltag führen: Sie arbeiten oder studieren weiter wie bisher – allerdings auf 2.300 Metern Höhe mitten im Nationalpark. Dafür sucht ein Forschungszentrum in Südtirol Freiwillige, die bezahlt werden und Vollverpflegung erhalten.

Ein Hochsommer im Hochgebirge: Was hinter dem Angebot steckt

Das angesehene Forschungszentrum Eurac Research in Bozen bereitet ein umfangreiches Projekt vor, das den Einfluss der Höhe auf die Gesundheit untersucht. In einer neuen Studienphase verlagert sich die Forschung aus dem Labor in die Bergwelt, genauer gesagt in das Schutzhaus Nino Corsi im Nationalpark Stilfserjoch in Südtirol.

Zwölf ausgewählte Teilnehmende sollen dort einen vollen Monat leben. Im Bergrefugium schlafen, essen, arbeiten oder studieren sie und werden dabei zugleich medizinisch betreut.

Wer ausgewählt wird, verbringt vier Wochen kostenlos in einer Berghütte auf 2.300 Metern und hilft dabei, die Auswirkungen der Höhe auf den Körper besser zu verstehen.

Das abgelegene Refugium ist von Felswänden, Lärchenwäldern und Gletscherpanorama umgeben. Dennoch gibt es einen Internetanschluss, damit die Teilnehmenden ihren gewohnten Alltag möglichst unverändert fortsetzen können.

So sieht der Monat im Schutzhaus Nino Corsi aus

Das Angebot ist ausdrücklich nicht für Personen gedacht, die einfach einen kostenlosen Urlaub verbringen möchten. Das Forschungsteam will untersuchen, wie sich ein „normales“ Leben in einer außergewöhnlichen Umgebung verändert.

Arbeiten und studieren – nur eben auf 2.300 Metern

Die Freiwilligen sollen ihren üblichen Tagesablauf weitgehend beibehalten:

  • Homeoffice am Laptop oder ein Studium im Online-Modus
  • feste Arbeits- beziehungsweise Lernzeiten
  • Kontakt zu Familie, Freunden und Kolleginnen über das Internet
  • Freizeit überwiegend in der umliegenden Berglandschaft

Neben Videocalls und E-Mails gehören regelmäßige Messungen zum Tagesprogramm. Erfasst werden wiederholt Schlafqualität, Herzfrequenz, körperliche Aktivität, Ernährung und das subjektive Wohlbefinden. Damit soll der Einfluss der Höhenlage von anderen Faktoren möglichst klar abgegrenzt werden.

Die Forschenden wollen sehen, wie sich ein ganz normaler Büro- oder Studienalltag verhält, wenn der Körper permanent in dünnerer Luft arbeitet.

Wer sich bewirbt, sollte deshalb nicht nur Freude an Bergpanoramen mitbringen, sondern auch bereit für feste Termine mit dem Studienteam sein. Dazu zählen Fragebögen, Kontrolluntersuchungen und gelegentlich Messungen während der Nacht.

Wissenschaft statt Abenteuerurlaub: Warum die Studie so spannend ist

Die Höhe wirkt sich nachweisbar auf den Körper aus. Vielen ist vor allem die typische Kurzatmigkeit beim Wandern bekannt, doch bei längeren Aufenthalten verändern sich noch weitere Vorgänge:

  • der Sauerstoffgehalt im Blut fällt zunächst deutlich ab
  • der Körper reagiert mit beschleunigter Atmung und einem höheren Puls
  • die Produktion roter Blutkörperchen kann steigen
  • das Schlafverhalten verändert sich, insbesondere in den ersten Tagen

Das Team von Eurac Research möchte genau ermitteln, wie stark diese Veränderungen ausfallen, wenn Menschen nicht nur für eine Wanderung in die Höhe kommen, sondern vier Wochen dort leben und sich ansonsten ähnlich verhalten wie im Flachland.

Die gewonnenen Daten sind relevant für:

  • die Medizin in Bergregionen
  • Sportlerinnen und Sportler, die Höhentraining einsetzen
  • Tourismuskonzepte im Alpenraum
  • Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, die einen Urlaub in Höhenlagen planen

Wer sich bewerben kann – und wer ausgeschlossen wird

Für vergleichbare Ergebnisse gelten eindeutige Auswahlkriterien. Gesucht werden Personen, die:

  • 18 bis 40 Jahre alt sind
  • derzeit auf Meereshöhe leben und somit nicht ohnehin in Bergregionen wohnen
  • körperlich in guter Verfassung sind
  • regelmäßig an Untersuchungen teilnehmen möchten

Von der Teilnahme ausgeschlossen sind bestimmte Gruppen:

  • Raucherinnen und Raucher
  • Leistungssportler, die bereits an Höhentraining gewöhnt sind
  • Personen mit bekannten Herz-, Lungen- oder schweren Stoffwechselerkrankungen

Im Mittelpunkt stehen durchschnittlich aktive, gesunde Erwachsene, die bislang kaum Erfahrungen mit Höhenlagen gesammelt haben. Unter diesen Voraussetzungen lassen sich körperliche Veränderungen besser erfassen.

Geld, Kost und Logis: Was die Freiwilligen erhalten

Die Miete zu Hause müssen ausgewählte Personen zwar weiterhin bezahlen, in den Alpen entstehen ihnen jedoch keine Kosten. Das Angebot beinhaltet:

  • eine kostenlose Unterkunft im Schutzhaus Nino Corsi
  • Verpflegung für den kompletten Aufenthalt
  • eine Aufwandsentschädigung von 400 Euro

Neben dem kostenlosen Aufenthalt gibt es 400 Euro oben drauf – ein überschaubarer Betrag, aber ein starkes Signal, dass die Zeit dort als echte Mitarbeit an einem Projekt gilt.

Reich wird man durch diesen Betrag nicht. Allerdings fallen die üblichen Ausgaben vor Ort weg, was besonders für Menschen attraktiv sein kann, die ohnehin ortsunabhängig tätig sind.

Leben im Nationalpark Stilfserjoch und den Alpen

Der Nationalpark Stilfserjoch gehört zu den größten Schutzgebieten der Alpen. Ein Monat in dieser Umgebung bietet weit mehr als einen schönen Ausblick.

Rund um das Schutzhaus prägen unter anderem folgende Eindrücke die Landschaft:

  • Pinien- und Lärchenwälder unmittelbar vor der Unterkunft
  • Gletscher und hochalpine Gipfel in Sichtweite
  • Bäche, Wasserfälle und kleine Bergseen
  • mit etwas Glück Murmeltiere, Steinböcke und Adler in freier Wildbahn

Etwas weiter entfernt bieten Orte wie Meran und Bozen Altstädte, Kaffeehäuser, Südtiroler Küche sowie eine Verbindung italienischer und alpiner Kultur. Wer nach dem Monat in den Bergen länger bleibt, kann das Tal eigenständig erkunden.

Zwischen Ruhe und Reizüberflutung: psychische Effekte der Berge

Viele Menschen schildern, dass längere Aufenthalte im Hochgebirge ihr Stressempfinden verändern. Weniger Lärm, eindeutige Tagesabläufe und viel Zeit im Freien können gedanklich entlasten. Die ungewohnte Umgebung kann jedoch auch psychisch fordernd sein: Abgeschiedenheit, ein intensiveres Bewusstsein für den eigenen Körper und eine anfangs schwankende Leistungsfähigkeit gehören dazu.

Gerade diese Verbindung aus Erholung und Belastung interessiert die Forschenden. Wie beeinflusst der dauerhafte Blick auf Gipfel, Schnee und Felsen Konzentration, Schlaf und Stimmung, wenn gleichzeitig Deadlines oder Prüfungen bevorstehen?

Chancen, Risiken und praktische Punkte für Freiwillige

Wer eine Teilnahme an einem solchen Projekt ernsthaft erwägt, sollte einige Aspekte berücksichtigen:

  • Höhenanpassung: In den ersten Tagen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und unruhiger Schlaf möglich.
  • Körperliche Belastung: Bereits ein kurzer Anstieg kann deutlich anstrengender sein als im Flachland.
  • Soziale Situation: Die kleine Gruppe lebt einen Monat lang eng zusammen – Konflikte lassen sich nicht einfach „wegscrollen“.
  • Arbeitsalltag: Internet ist vorhanden, kann im Hochgebirge aber zeitweise instabil sein. Wer dauerhaft an Videokonferenzen teilnimmt, sollte dies vorab mit dem Arbeitgeber abstimmen.

Dem stehen mehrere klare Vorteile gegenüber:

  • ein stark strukturierter Tagesablauf durch Messungen und feste Essenszeiten
  • viel Bewegung an der frischen Luft, meist ohne Fitnessstudio
  • Abstand vom Lärm der Großstadt, ohne Arbeit oder Studium unterbrechen zu müssen
  • die Chance, an einer echten wissenschaftlichen Untersuchung mitzuwirken

Wer ohnehin überlegt, für längere Zeit in höheren Lagen zu wohnen oder häufiger in die Berge zu reisen, erhält so einen „Testlauf“ unter kontrollierten Bedingungen und mit ärztlicher Begleitung. Gleichzeitig vermitteln die eigenen Erfahrungen ein persönliches Bild davon, wie der Körper auf Höhe reagiert.

Für Personen, die sich für Medizin, Umwelt, Outdoor-Leben oder neue Arbeitsmodelle interessieren, ist ein solches Projekt deutlich mehr als ein kostenloser Aufenthalt. Es kann der Beginn neuer Gewohnheiten sein – oder die eindeutige Erkenntnis, dass der Alltag auf Meereshöhe doch sehr geschätzt wird.

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