Für Automobilhersteller, die nicht in der Formel 1 vertreten sind, übt die Königsklasse eine Mischung aus Begehrlichkeit und Neid aus.
Erst vor Kurzem sagte mir Carlos Tavares – der inzwischen ehemalige CEO von Stellantis – am Rande eines Formel-E-Rennens: „Automarken müssen im Motorsport präsent sein, und mit weitem Abstand hat die F1 weltweit die größte Bekanntheit, doch das hat seinen Preis.“
Um diesen Preis stemmen zu können, ist fast immer ausgefeilte Finanzakrobatik erforderlich. Bei Mercedes-AMG etwa hält der deutsche Hersteller lediglich ein Drittel des Teams; das übrige Kapital teilen sich Geschäftsführer Toto Wolff und der Chemiekonzern Ineos.
Alpine bleibt zwar in der F1, wird seine Motoren jedoch künftig nicht mehr selbst bauen: Die Antriebe werden von Mercedes-AMG geliefert. Damit lassen sich die Kosten senken – ein Modell, das bereits bei mehreren anderen Teams praktiziert wird.
2025 werden nur drei Motorenhersteller die 20 F1-Monoposti ausrüsten: Mercedes-AMG, Honda und Ferrari. Für Audi kommt es allerdings nicht infrage, mit einem fremden Motor anzutreten. Andernfalls könnte die Marke die Marketingvorteile eines Erfolgs in der Formel 1 kaum ausschöpfen und würde ihrem Slogan Vorsprung durch Technik – also „Fortschritt durch Technologie“ – nicht gerecht.
Audis Einstieg in die Formel 1 unter Finanzdruck
Im August 2022 verkündete der damalige Audi-Chef Markus Duesmann, der inzwischen nicht mehr im Amt ist, den Einstieg der Marke in den „großen Zirkus“ der F1. Dafür übernahm Audi das Sauber-Team für einen Betrag, den Gerüchte auf 300 Millionen Euro bis 350 Millionen Euro bezifferten. Zugleich stellte Duesmann klar, dass dies nur die erste von mehreren Investitionen in Millionenhöhe für dieses Projekt sein werde.
Ingenieure, Teamchefs, Aerodynamik-Spezialisten, Fahrer und viele weitere Fachkräfte lassen sich äußerst gut bezahlen. Dass die weltweit wichtigste Disziplin des Motorsports entsprechend hohe Gehälter und Vergütungen bietet, überrascht daher kaum.
Seit Duesmanns Ankündigung stehen die deutschen Premium-Marken jedoch erheblich unter finanziellem Druck. Gründe sind der starke Rückgang der Autoverkäufe in China sowie die stagnierende Nachfrage nach Elektroautos in Europa. Letztere Entwicklung hat bereits zur geplanten Schließung des Audi-Werks in Brüssel geführt, die Ende Februar erfolgen soll.
Hinzu kommt nun die Gefahr von Strafzöllen „à la Trump“ – ausgerechnet in einem der weltweit bedeutendsten Märkte für Audi.
Ohne dass es bislang eine offizielle Bestätigung gibt, ist von einem drastischen Stellenabbau bei Audi die Rede. Dieser soll zunächst Deutschland treffen, mit 4500 Beschäftigten beziehungsweise rund 15% der Belegschaft; fast die Hälfte davon arbeitet in der Fahrzeugentwicklung. Auch außerhalb Deutschlands könnten Stellen wegfallen.
In einigen Unternehmensbereichen – und ebenso außerhalb des Konzerns – wurde ohnehin die Frage gestellt, wie sinnvoll ein Formel-1-Investment ist, wenn Verbrennungsmotoren für die Mitte des kommenden Jahrzehnts praktisch ihr Todesurteil erhalten haben. Nun formulieren auch die Gewerkschaften einen berechtigten Einwand: Wie viele Menschen werden ihren Arbeitsplatz verlieren, damit Autorennen finanziert werden können?
Hohe Sponsorengelder für Audi und Sauber
Um seinen Formel-1-Einstiegsplan trotz dieses düsteren Umfelds weiterzuverfolgen, verhandelt Audi derzeit über den (Wieder-)Verkauf von Anteilen am künftigen Team. Das Emirat Katar möchte über seine Staatsfonds als Anteilseigner einsteigen, deren finanzielle Mittel für millionenschwere Förderprojekte offenbar keine Grenzen kennen.
Nicht ohne Grund umfasste der F1-Kalender 2024 vier Rennen in den Emiraten – mehr als in den Vereinigten Staaten mit drei und in China mit einem. Das macht deutlich, dass weder die Größe eines Marktes oder einer Industrie noch gar die Einwohnerzahl bestimmt, wohin die reichste Rennserie der Welt zieht …
Dieses finanzielle Polster ist ein notwendiges „Übel“, denn Audi benötigt rasch Liquidität. Die Hoffnung der Marke besteht darin, dass sich die Beteiligung als erfolgreich erweist und das Geld seine „Richtung umkehrt“, sobald die eigenen Autos in der Startaufstellung stehen: Es soll nicht länger ausschließlich aus den Unternehmenskassen abfließen.
Die wichtigsten Einnahmen sollen künftig von Sponsoren kommen, vor allem aber aus den vielen Millionen der von Liberty Media ausgeschütteten TV-Rechte. Diese Erlöse sorgen dafür, dass Spitzenteams wie Mercedes-AMG, Ferrari, McLaren oder Red Bull profitabel arbeiten.
Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass es sich um die erfolgreichsten Teams der Formel 1 handelt. Sauber verkümmerte 2024 dagegen und schleppte sich als schwächstes Team durch die Saison. Selbst bei exponentiellem Fortschritt dürfte Audi deshalb kaum schon 2026 zur Spitzengruppe gehören.
FIA-Kostengrenze und der Schweizer Standort
Eine weitere konkrete Begrenzung für frisches Geld aus der arabischen Welt besteht darin, dass es nicht zu viel sein darf. Die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) kontrolliert die Ausgaben der Formel-1-Teams sehr genau, um mehr Ausgewogenheit sowie ein gewisses Maß an Ethik und „Moral“ zu gewährleisten.
Audi hat sogar bereits eine „Sonderbehandlung“ erhalten: Wegen des Schweizer Standorts seines F1-Teams darf der Hersteller zusätzliche Ausgaben für Gehälter ansetzen. In der Schweiz liegen die Arbeitskosten – Löhne und Nebenkosten – mindestens 30% über denen in jedem anderen Teil der Welt. Sehr zum Ärger aller anderen neun Teams, die diese Ausnahmeregelung ablehnen …
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