Ein Jahr bevor Markku Alén am Steuer eines FIAT 131 Abarth mit nur drei Rädern unsterblich wurde, schrieb auch der Deutsche Walter Röhrl mit demselben Fahrzeug Rallye-de-Portugal-Geschichte.
Alles spielte sich am 7. März 1980 ab. An seinem 33. Geburtstag versuchte Walter Röhrl, bei einer Rallye verlorenen Boden gutzumachen, die denkbar unglücklich begonnen hatte: Bereits am ersten Wettbewerbstag war er mit einem Servicefahrzeug kollidiert.
Mit dem Finnen Markku Alén als Teamkollegen – wegen seiner besonderen Stärke bei der portugiesischen Veranstaltung und seiner fünf Siege dort als „Mr. Portugal“ bekannt – wollte Walter Röhrl beweisen, dass auch er in Portugal glänzen konnte. Entsprechend hoch waren seine Erwartungen vor der Etappe in Arganil.
Doch dichter Nebel legte sich über die 42 km lange Sonderprüfung, die bereits als eine der entscheidenden Prüfungen dieser Rallye de Portugal galt. Da sie zudem bei Nacht gefahren wurde, versprach sie keinerlei Erbarmen.
Walter Röhrl und die historische Arganil-Prüfung
Bei gerade einmal fünf Metern Sichtweite fuhr der deutsche Pilot los und verschwand wie Dom Sebastião im Nebel. Als er nach der ersten Durchfahrt das Ziel erreichte, war jedoch Geschichte geschrieben.
Walter Röhrl distanzierte sämtliche Konkurrenten … und zwar deutlich. Für die Prüfung benötigte er 35 Minuten und 14 Sekunden. Auf Bjorn Waldegaard nahm er 3min48s ab, auf seinen wichtigsten Rivalen Markku Alén sogar 4min40s. Ein gewaltiger Vorsprung, über den sofort diskutiert wurde.
Einige erklärten den Abstand damit, dass sich der Nebel während Röhrls Fahrt durch die Prüfung zunehmend aufgelöst habe. Skeptischere Beobachter fragten sich hingegen, ob die Zeitnahme fehlerhaft gewesen sei oder, schlimmer noch, ob der Deutsche eine Abkürzung genommen haben könnte.
Keine dieser Vermutungen traf zu – und die Geschichte zeigt, dass die Realität manchmal besser ist als jede Fiktion. Röhrl wusste, dass Nebel in der Region um Arganil häufig vorkam, und wollte sich gezielt auf solche Bedingungen einstellen.
Vorbereitung auf Nebel bei der Rallye de Portugal
Während der Besichtigungsfahrten überredete er seinen Beifahrer, die Sonderprüfung fünfmal abzufahren, obwohl zwei oder drei Durchgänge üblich waren. Sein Ziel war klar: Er wollte sich den Verlauf so umfassend wie möglich einprägen. Nach so vielen Durchfahrten, sagte er, habe er rund 95 % der 42 km langen Prüfung auswendig gekannt.
In einer Zeit, in der Simulatoren noch reine Zukunftsmusik waren, erklärte der deutsche Fahrer später mehrfach, er habe sich am Abend vor der Etappe im Zimmer des Palace Hotel do Bussaco ins Bett gelegt. Mit einer Stoppuhr in der Hand fuhr er die 42 km von Arganil gedanklich ab. Das Ergebnis? Je nach Quelle – und Röhrl selbst legte sich nie fest – lag der Unterschied zu seiner tatsächlichen Zeit am folgenden Tag zwischen fünf und sieben Sekunden.
Als Walter Röhrl die Prüfung erreichte und auf den dichten Nebel traf, war er folglich besser vorbereitet als alle anderen. Zunächst schien selbst das allerdings nicht auszureichen. Nach den ersten Kurven, in denen er den Ansagen seines Beifahrers folgte und verzweifelt nach entscheidenden optischen Orientierungspunkten suchte, wurde dem Deutschen klar, dass er auf diese Weise niemals den benötigten Vorsprung herausfahren würde.
Daraufhin wählte er eine Methode, die ebenso ungewöhnlich wie eigenwillig war. Gestützt auf seine vorherige Arbeit begann Röhrl zu zählen, sobald der Beifahrer eine Kurve in 60 Metern Entfernung ankündigte. Eins, zwei, drei – dann lenkte er blind ein. Bei einer Kurve in 100 Metern wartete er fünf Sekunden und … bog ab. So ging es weiter.
Ein Vorsprung von 14min19s für Walter Röhrl
So verrückt dieser Ansatz auch wirken mochte: Er funktionierte. Er belegte sowohl das außergewöhnliche Erinnerungsvermögen des deutschen Fahrers als auch seinen Mut am Steuer. Am Ende war Röhrl auf der realen Sonderprüfung schneller, und bei der zweiten Passage von Arganil baute er seinen Vorsprung auf Markku Alén um fast zwei weitere Minuten aus.
Diese Episode „drehte“ die Rallye de Portugal 1980 endgültig zugunsten von Walter Röhrl. Er gewann die Veranstaltung mit dem enormen Endvorsprung von 14min19s auf Alén – in jenem Jahr, in dem der Deutsche seinen zweiten Fahrertitel holte.
Walter Röhrl selbst bezeichnete diesen Augenblick als sein „unvergesslichstes Erlebnis“ und als Beweis für „extreme Kompetenz“ unter Druck. Damit wurde er zu einem weiteren Kapitel, das die Rallye de Portugal zur besten der Welt macht.
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