Wer beim Abnehmen an Sport denkt, hat häufig Joggen, das Fitnessstudio oder schweißtreibende Intervall-Workouts im Kopf. Ruhige Bewegungsformen im Wasser werden dagegen rasch als „Rentnersport“ abgestempelt. Doch genau das ist ein Irrtum: Eine besondere Variante der Wassergymnastik kann ein anspruchsvolles Ausdauertraining sein und erstaunlich viel für Gewicht, Körperform und Cellulite bewirken.
Was Aquawalking wirklich ausmacht
Im deutschsprachigen Raum ist dieser Trend meist als Aquawalking oder Meereswandern bekannt. Dabei geht man zügig durchs Wasser, üblicherweise im Meer oder See, wobei der Wasserstand etwa vom Bauchnabel bis zu den Achseln reicht. Gegen die Wasserbewegung wird allein oder gemeinsam in der Gruppe gelaufen, häufig mit Neoprenanzug oder speziellen Wasserschuhen.
Das Besondere daran: Der Auftrieb im Wasser macht den Körper deutlich leichter und entlastet die Gelenke stark, während der Wasserwiderstand jede Bewegung abbremst. Dadurch entsteht eine Verbindung aus gelenkschonender Bewegung und körperlicher Herausforderung, die an Land kaum möglich ist.
Der Körper fühlt sich leichter an, doch jeder Schritt arbeitet härter – genau diese Kombination macht Aquawalking so effektiv.
Zahlreiche Angebote wenden sich an ältere Personen oder Anfänger, da die Verletzungsgefahr niedrig ist. Wird das Tempo jedoch erhöht, entwickelt sich der vermeintliche „Rentnersport“ zu einem effektiven Workout für Beine, Gesäß, Bauch sowie das Herz-Kreislauf-System.
Ablauf einer typischen Aquawalking-Einheit
Eine übliche Trainingseinheit startet am Ufer eines Strands oder Sees. Nach einem kurzen Warm-up an Land geht es ins Wasser. Dort bewegt sich die Gruppe parallel zur Küste oder zum Ufer, teils gegen kleinere Wellen, teils in deren Richtung.
- Wassertiefe: zwischen Bauchnabel und Brust, damit Beine und Rumpf gefordert werden, ohne dass geschwommen werden muss
- Dauer: insgesamt etwa 60 Minuten einschließlich Aufwärmen, Hauptteil und kurzem Ausgehen
- Tempo: zügig genug, um die Atmung klar wahrzunehmen, aber noch sprechen zu können
- Ausrüstung: bei kaltem Wasser ein Neoprenanzug, dazu Wasserschuhe und je nach Kurs möglicherweise Paddel-Handschuhe oder ein Gürtel
Zunächst fühlt sich die Bewegung wie ein längerer Spaziergang im Wasser an. Beim Verlassen des Meeres zeigt sich jedoch schnell, dass die Muskulatur gearbeitet hat, der Kreislauf beansprucht wurde und eine unerwartete Müdigkeit einsetzt.
Weshalb Wassergehen beim Abnehmen unterstützen kann
Spezialisierte Aquawalking-Anbieter geben an, dass eine Stunde zügiges Wasserwandern bei einer Person mit ungefähr 70 Kilogramm Körpergewicht rund 500 bis 550 Kilokalorien verbraucht. Damit liegt der Wert in einer ähnlichen Größenordnung wie bei einer schnellen Radtour oder einem zügigen Marsch an Land.
Für eine wirksame Fettverbrennung raten Coaches zu Bewegung in der sogenannten Ausdauerzone. Gemeint sind etwa 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz: Die Belastung ist spürbar, kurze Sätze lassen sich aber weiterhin sagen.
In diesem moderaten Intensitätsbereich bezieht der Körper einen Großteil der benötigten Energie aus Fetten – ideal, um hartnäckige Reserven anzuzapfen.
Im Wasser bedeutet das häufig ein Tempo von etwa 5 bis 8 Kilometern pro Stunde, also mehr, als viele vermuten. Damit der Körper verstärkt auf Fettreserven zurückgreift, empfehlen Trainer, dieses Niveau mindestens 45 Minuten beizubehalten. Davor sollten rund 10 bis 15 Minuten zum Aufwärmen eingeplant werden, beispielsweise in einem ruhigeren Tempo oder mit leichtem Traben am Strand.
Cellulite: Einfluss der Wasserbewegung auf die Hautstruktur
Aquawalking ist auch wegen seiner möglichen Wirkung auf die Haut beliebt. Wasser umgibt Beine und Gesäß ununterbrochen, und jede Welle erzeugt eine sanfte Massage. Dieser stetige Wechsel des Drucks kann die Durchblutung anregen und den Abtransport von Flüssigkeit aus dem Gewebe unterstützen.
Trainer bezeichnen dies gern als natürlichen „Drainage-Effekt“. Damit ist gemeint, dass die Mikrozirkulation im Bindegewebe angeregt wird und die kleinen Dellen an Oberschenkeln und Gesäß mit der Zeit oft weniger deutlich erscheinen.
- Regelmäßige Bewegung kann die Muskulatur unter der Haut festigen.
- Der Wasserdruck unterstützt den Rückfluss von Blut und Lymphflüssigkeit.
- Eine bessere Durchblutung der Haut kann ihr Erscheinungsbild langfristig verbessern.
Viele Frauen schildern, dass sich ihre Körperkontur insgesamt straffer anfühlt, selbst wenn sich auf der Waage kaum etwas verändert. Der Körper erscheint definierter, Hosen passen anders und der Blick in den Spiegel wird angenehmer.
Gelenkschonend, aber fordernd für Muskeln und Herz
Durch den Auftrieb trägt Wasser einen erheblichen Anteil des Körpergewichts. Nach Schätzungen müssen die Gelenke dadurch nur noch einen Bruchteil der sonst üblichen Belastung tragen. Knie, Hüften und Rücken können in Bewegung bleiben, ohne fortwährend an ihre Grenzen zu geraten.
Zugleich stellt der Wasserwiderstand bei nahezu jedem Schritt eine Herausforderung dar. Oberschenkel, Gesäßmuskulatur und die gesamte Körpermitte müssen stabilisieren, damit der Körper nicht seitlich ausweicht oder ins Wanken kommt. Das verbessert Gleichgewicht und Koordination – wovon auch junge, sportliche Menschen profitieren.
Wer regelmäßig durch hüfttiefes Wasser marschiert, trainiert Bein- und Rumpfmuskeln deutlich intensiver, als es von außen aussieht.
Die Herzfrequenz steigt, ohne dass Gelenke und Sehnen überbeansprucht werden. Für Einsteiger, Menschen mit Übergewicht, Personen mit Kniebeschwerden oder Sportler nach einer Verletzung kann Aquawalking daher ein passender Weg zurück ins Training sein.
Wie häufig trainieren – und für welches Ziel?
Um merkliche Veränderungen bei Gewicht, Ausdauer und Figur zu erreichen, empfehlen viele Coaches ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche. Wer dazu in der Lage ist, kann später auf drei Einheiten erhöhen, wobei zwischen den Terminen stets Erholungsphasen liegen sollten.
Ein denkbarer Wochenplan sieht folgendermaßen aus:
- Montag: 45 Minuten Aquawalking in moderatem Tempo
- Mittwoch: leichtes Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht
- Freitag: 60 Minuten Wasserwandern mit kürzeren schnellen Intervallen
Zusammen mit einer ausgewogenen Ernährung mit viel Gemüse, genügend Eiweiß und wenigen stark verarbeiteten Produkten lassen sich sowohl Gewicht als auch Körperumfang verringern. Ausreichend Schlaf und Stressabbau können diesen Effekt zusätzlich fördern.
Sicherheit, Ausrüstung und hilfreiche Hinweise
Damit das Training sicher bleibt und Freude macht, sollten einige Grundregeln beachtet werden. In offenen Gewässern besteht grundsätzlich ein Restrisiko, das sich jedoch gut verringern lässt.
- Nur in überwachten oder gut bekannten Gewässern trainieren
- Nie allein ins Wasser gehen, sondern idealerweise mit einer Gruppe oder Kursleitung
- Die Wassertemperatur berücksichtigen und bei Kälte einen Neoprenanzug tragen
- Rutschfeste Wasserschuhe nutzen, um Verletzungen durch den Untergrund zu verhindern
- Je nach Jahreszeit Sonnen- und Kälteschutz vorsehen
Für Anfänger bietet sich ein angeleiteter Kurs an, um Technik, Tempo und Atmung richtig einschätzen zu lernen. Ohne Zugang zum Meer kommen große Seen, Flüsse mit ruhigen Abschnitten oder sogar spezielle Schwimmbadbecken als Alternative infrage.
Verwandte Aktivitäten mit ähnlicher Wirkung
Nicht alle Menschen wohnen am Meer oder nahe eines passenden Sees. Dennoch gibt es verwandte Sportarten mit vergleichbaren Vorteilen, etwa Aqua-Jogging im Schwimmbad, Wassergymnastik mit Geräten oder klassisches Bahnenziehen mit Fokus auf längere Strecken.
Entscheidend bleibt eine moderate, gleichmäßige Belastung über einen längeren Zeitraum in Verbindung mit möglichst gelenkschonenden Bewegungen. Wer lieber an Land trainiert, kann mit Nordic Walking oder zügigem Gehen bergauf einen ähnlichen Belastungsbereich erreichen – allerdings ohne den angenehmen Massageeffekt des Wassers.
Warum gerade „unspektakuläre“ Sportarten langfristig wirken
Viele Fitness-Trends sind laut, extrem und versprechen schnelle Wunder. Aquawalking zählt nicht dazu. Die Bewegung wirkt zunächst unscheinbar, die Anstrengung nimmt allmählich zu, und dennoch bleiben viele Menschen gerade bei diesem Training. Der Grund liegt auf der Hand: Es schreckt wenig ab, verursacht nur selten Schmerzen und ist auch mit einigen Kilos mehr gut durchzuhalten.
Diese Kombination erleichtert es, dauerhaft dabeizubleiben. Beständigkeit übertrifft nahezu jede radikale Diät oder Kur. Wer Woche für Woche im Wasser aktiv ist, sammelt Hunderte Trainingsstunden und erzielt damit für Körperfett, Muskulatur und Haut eine völlig andere Wirkung als durch ein kurzes, übermotiviertes Fitness-Experiment.
Ob im nächsten Nordsee-Urlaub, am See in der Nähe oder im Schwimmbad: Ins Wasser zu gehen, kann weit mehr bedeuten als bloße Abkühlung. Mit passendem Tempo und etwas Planung wird daraus ein vielseitiger Sport für Figur, Gesundheit und ein besseres Körpergefühl.
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