Kinder, die auf Bäume klettern, trainieren nicht nur Beine, Arme und Gleichgewicht. Diese herausfordernde Spielform hilft ihnen auch, Angst wahrzunehmen, Grenzen einzuschätzen und zu entscheiden, wie weit sie sicher gehen können. Das sind wichtige Fähigkeiten, um mit Risiken in anderen Situationen der Kindheit umzugehen.
Welche Fähigkeit wird beim Klettern auf Bäume entwickelt?
Nach Ansicht der Forschenden steht dabei vor allem die Fähigkeit im Mittelpunkt, Angst zu erkennen und mit ihr umzugehen. Wenn ein Kind einen Ast auswählt, die Höhe abschätzt und entscheidet, ob es weiterklettern kann, begegnet es einer unsicheren Situation im spielerischen Rahmen.
Die schrittweise Auseinandersetzung mit altersgerechten Herausforderungen kann Ängste verringern, die nicht mehr zu den aktuellen Fähigkeiten des Kindes passen. Der wissenschaftliche Artikel bezeichnet diesen Vorgang als möglichen antifobischen Effekt des sogenannten Risikospiels.
Warum gilt diese Aktivität als Risikospiel?
Das Klettern auf Bäume gehört zu Spielformen, bei denen Höhe, Geschwindigkeit, Entdeckung und die Möglichkeit, das Gleichgewicht zu verlieren, eine Rolle spielen. Risiko bedeutet dabei nicht, ein Kind einer unkontrollierbaren Gefahr auszusetzen. Vielmehr geht es um Herausforderungen, die es entsprechend seiner Erfahrung erkennen und bewältigen kann.
- einschätzen, welche Äste stabil wirken;
- Füße und Hände während des Kletterns anpassen;
- bemerken, wann die Höhe Unsicherheit auslöst;
- entscheiden, ob weitergeklettert, angehalten oder abgestiegen werden sollte;
- aus Versuchen lernen, die nicht wie erwartet verlaufen.
Wie fördert das Klettern auf Bäume auch den Körper?
Beim Klettern werden Kraft in Händen, Armen und Beinen sowie die Koordination verschiedener Bewegungen benötigt. Da Äste unterschiedliche Stärken und Positionen haben, muss das Kind seinen Körper fortlaufend anpassen und den Gleichgewichtsmittelpunkt halten.
Diese Veränderungen fördern die Körperwahrnehmung und unterstützen Kinder dabei, die Position ihrer Füße, Hände und ihres Rumpfes im Raum zu verstehen. Studien zum Baumklettern bringen die Aktivität zudem mit der körperlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung in Verbindung. Die Ergebnisse erlauben jedoch nicht die Aussage, dass eine einzelne Spielform all diese Vorteile allein bewirkt.
Welche Vorsichtsmaßnahmen machen das Spiel sicherer?
Erwachsene können die Umgebung beobachten, ohne jede Bewegung des Kindes zu kontrollieren. Vorrang hat, Gefahren zu beseitigen, die das Kind nicht selbst erkennen kann. Sichtbare und altersgerechte Herausforderungen dürfen dagegen bestehen bleiben, damit es sie beim Spielen einschätzen kann.
- prüfen, ob der Baum gesund ist und keine abgebrochenen Äste hat;
- Bereiche in der Nähe von Stromleitungen, Straßen oder spitzen Untergründen meiden;
- Höhen wählen, die zur Erfahrung des Kindes passen;
- besonders bei den ersten Versuchen in der Nähe bleiben und beaufsichtigen;
- das Klettern nicht erzwingen, wenn das Kind Angst zeigt oder aufhören möchte;
- zum ruhigen Absteigen anleiten und dabei auf Haltmöglichkeiten achten.
Beseitigt das Klettern auf Bäume wirklich Angst?
Die angeführte Forschung stellt die Hypothese auf, dass Risikospiel Kindern helfen kann, mit Ängsten umzugehen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen. Sie behauptet weder, dass Baumklettern Phobien behandelt, noch dass alle Kinder gleich reagieren. Alter, Entwicklung und frühere Erfahrungen beeinflussen die jeweilige Reaktion.
Der wichtigste Lerneffekt entsteht, wenn ein Kind einer bewältigbaren Herausforderung begegnet, seinen eigenen Körper beobachtet und Entscheidungen trifft, ohne zum Überschreiten seiner Grenzen gedrängt zu werden. In diesem Zusammenhang wird der Baum zu einem Ort für Gleichgewicht, Koordination, Selbstständigkeit und die praktische Einschätzung von Risiken.
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