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Sid Watkins und die Sicherheit in der Formel 1

Rennwagen in einem modernen, hellen Showroom mit großen Fenstern und technischen Zeichnungen an der Wand.

Heute ist es umso wichtiger, sich an Sid Watkins (1928–2012) zu erinnern – den Neurochirurgen, der die Sicherheit in der Formel 1 nachhaltig verändert hat.

Dass die Formel 1 heute zu den sichersten Rennserien der Welt zählt und Romain Grosjean gestern seinen Haas-F1-Team-Boliden nahezu unverletzt verlassen konnte, ist Sid Watkins und allen zu verdanken, die seinen Kampf für mehr Sicherheit im Motorsport fortgesetzt haben.

Sein Vermächtnis lässt sich nicht in einem einzigen Text erfassen. Dieser englische Neurochirurg führte jedoch die ersten entscheidenden Auseinandersetzungen, um Sicherheitsstandards im Motorsport verbindlich zu etablieren und durchzusetzen. „Nein, er war kein Fahrer, nein, er war kein Ingenieur und auch kein Konstrukteur, er war Arzt. Und man kann mit Recht sagen, dass er über viele Jahre hinweg mehr als jeder andere dafür getan hat, die Formel 1 so sicher zu machen, wie sie heute ist“, erklärte Ron Dennis 2012 nach dem Tod von „The Professor“, wie Sid Watkins im Paddock genannt wurde.

Sid Watkins und die Sicherheitsmassnahmen in der Formel 1

Auf Einladung von Bernie Ecclestone kam Sid Watkins 1978 in die Formel 1. Sein Auftrag war eindeutig: die Todesfälle in der Formel 1 zu stoppen. Allein zwischen 1967 und 1978 hatte die Königsklasse des Motorsports 14 Fahrer das Leben gekostet.

Die medizinische Versorgung war nahezu nicht vorhanden und vor allem unzureichend. Watkins sorgte dafür, dass medizinische Abläufe und Sicherheitsstandards in der Formel 1 institutionalisiert wurden. Schnelleinsatzfahrzeuge, Hubschrauber, feste medizinische Teams und Einrichtungen an den Rennstrecken – kurz: all das, was heute als selbstverständlich gilt.

Verbindliche Vorgaben für Rennstrecken

Wie weit reichte sein Einfluss? Ohne die Zustimmung von Sid Watkins wurde kein Grand Prix ausgetragen. Dabei handelte es sich keineswegs um eine reine Formalität. Die Anforderungen, welche die Rennstrecken erfüllen mussten, waren streng. So streng, dass traditionsreiche Formel-1-Strecken wie Brands Hatch ausgeschlossen wurden, bis seine Forderungen umgesetzt waren: ein Krankenhaus an der Rennstrecke zu bauen. Diese kompromisslose Haltung brachte Watkins bei Streckenpromotoren in aller Welt zahlreiche Gegner ein.

Das Fahrzeug, das Romain Grosjean unmittelbar nach dem Unfall an diesem Wochenende versorgte, wurde von Sid Watkins eingeführt. Doch am besten lässt man die Beteiligten selbst zu Wort kommen:

Ein besonders bekanntes Ereignis spielte sich ebenfalls 1978 ab. Beim Deutschland-GP sassen bereits 85.000 Menschen auf den Tribünen, als Bernie Ecclestone klarstellte, dass es kein Rennen geben werde, falls nicht einer der Ärzte aus Sid Watkins’ Team im Raum der Rennleitung anwesend sein dürfe – also an dem Ort, an dem schlechte Nachrichten am schnellsten eintreffen.

Die Rennleitung wehrte sich zunächst, musste letztlich aber nachgeben: „Ich will, dass ihr euch _____, entweder lasst ihr den Arzt herein, oder alle fahren nach Hause“, entgegnete Bernie Ecclestone. Ja, das Rennen wurde an jenem Wochenende ausgetragen. Und ja, ein Arzt befand sich im Raum der Rennleitung.

„The Prof“ („der Professor“), wie er ebenfalls genannt wurde, trug ausserdem dazu bei, das Leben des zweifachen finnischen Weltmeisters Mika Häkkinen, des Brasilianers Rubens Barrichello und des Österreichers Gerhard Berger zu retten. Wie viele Leben sein Einsatz für eine sicherere Formel 1 insgesamt bewahrt hat, lässt sich jedoch nicht beziffern.

Der Unfall, der die Formel 1 veränderte

Eines der prägendsten Ereignisse seiner Laufbahn ereignete sich 1994 in Imola, in jenem tragischen Formel-1-Jahr, das von mehreren Katastrophen überschattet wurde – darunter die Todesfälle von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger.

Watkins war von Natur aus unbeirrbar und liess in seinem Bestreben, die Formel 1 sicherer zu machen, niemals nach. Unmittelbar nach diesem Wochenende richtete die FIA das Expert Advisory Safety Committee ein und ernannte Watkins zum Vorsitzenden. Die seit 1994 geltenden Sicherheitsstandards führten dazu, dass die Formel 1 seit 1994 keinen Todesfall mehr auf der Rennstrecke verzeichnete – obwohl Jules Bianchi mehrere Monate nach seinem Unfall beim Grossen Preis von Japan seinen Verletzungen erlag. Dies trug zur Entwicklung des Halo-Sicherheitssystems bei, mit dem die Monoposti der Rennserie heute ausgestattet sind.

Neben dieser Gruppe verantwortete Sid Watkins auch Sicherheitsverbesserungen im Kartsport und im Rallyesport. Im Jahr 2004 wurden die drei Arbeitsgruppen in einer einzigen Organisation zusammengeführt, dem FIA Institute for Motor Sport Safety. Der bedeutende englische Arzt blieb dort bis 2011 an der Spitze.

Ohne seinen Beitrag wäre die Sicherheit der Formel 1 heute sehr wahrscheinlich nicht auf dem aktuellen Niveau. Wie wir an diesem Wochenende gesehen haben, zählt bei der Sicherheit jedes Detail. Es gibt keine Zeit zu verlieren.


ABSCHLIESSENDE ANMERKUNG. Dies ist der erste Beitrag einer neuen Artikelserie, die Razão Automóvel über die Sicherheit in der Formel 1 veröffentlichen wird. Bleiben Sie dran.

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