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Ayrton Senna: Der legendäre Test im Penske PC21 der Formel Indy

Gelber Formel-Rennwagen mit der Aufschrift „SENNA92“ in moderner Ausstellungshalle, frontal fotografiert.

Ayrton Senna braucht keine Vorstellung – ebenso wenig wie seine Formel-1-Karriere. Dennoch schloss der brasilianische Fahrer einen Wechsel in eine andere Rennserie keineswegs aus.

Nach dem Saisonende 1992 war für Ayrton Senna offen, wie es im folgenden Jahr weitergehen würde. Zu den denkbaren Szenarien gehörte ein Verbleib bei McLaren, das künftig ohne Honda-Motoren auskommen musste, ebenso wie ein möglicher Wechsel zu Williams, das die Meisterschaft zu dieser Zeit dominierte.

Doch es gab noch eine weitere Option: die Indy. Noch vor Jahresende nahm Senna deshalb eine Einladung an und reiste in die USA, um erstmals ein Formel-Indy-Auto zu testen.

Bei dem Fahrzeug handelte es sich um einen Penske PC21, einen Monoposto mit aufgeladenem Chevrolet-Motor. Es war also genau das Auto, das Emerson Fittipaldi in der vorherigen Formel-Indy-Saison gefahren hatte.

Auf Initiative von Marlboro und Emerson Fittipaldi nahm Ayrton Senna die Einladung an. Am 20. Dezember 1992 erschien er auf dem Firebird Raceway in Phoenix, um den Test zu absolvieren.

Die Strecke war laut Fittipaldi sehr kurz und kurvenreich, beinahe wie eine Kartbahn. Zugleich erklärte der brasilianische Fahrer, Ayrton Senna „liebte diese technisch anspruchsvolleren Strecken“.

Wer war schneller?

Bevor Ayrton Senna ins Cockpit stieg, drehte Emerson Fittipaldi einige Runden im Penske PC21. Der Tag war sehr kalt, und den Angaben zufolge brauchten die Reifen lange, um Temperatur aufzubauen: Fast zehn Runden waren nötig, ehe sie richtig funktionierten. Trotzdem erzielte Emerson Fittipaldi eine Zeit von 49,7s.

Zurück in der Box war es Zeit, den „Staffelstab zu übergeben“ und Ayrton Senna ans Steuer zu lassen. Der Sitz wurde gegen einen ausgetauscht, der besser zur Statur des Fahrers passte, während die ersten Runden in gemäßigtem Tempo erfolgten. Das genügte dem Brasilianer jedoch, um das Auto zu verstehen.

Ayrton Sennas außergewöhnliches Gefühl für das Auto

Kurz darauf kam Senna wieder an die Box und bat das Team um einige Anpassungen. Insbesondere sollte die Hinterradaufhängung weicher abgestimmt werden, damit das Auto mehr Traktion entwickeln konnte. Roger Penske, Eigentümer des Penske-Teams, berichtet davon selbst in einem Video:

Anschließend fühlte sich Senna auf der Strecke bei seinem ersten Einsatz in einem Formel-Indy-Auto sofort wohl.

Auch die Stoppuhr bestätigte diesen Eindruck: Ayrton Sennas schnellste Runde betrug 49,09s und war damit sechs Zehntelsekunden schneller als Fittipaldis Bestzeit. Dabei kannte Ayrton Senna das Auto erst seit wenigen Minuten, während Fittipaldi eine komplette Saison damit gefahren war.

Die Rundenzeiten beeindruckten das gesamte Team erwartungsgemäß. Fittipaldi zufolge war es „nur eine Frage der Zeit“, bis Ayrton Senna die Formel 1 gegen die Formel Indy eintauschen würde. Der Unfall, bei dem der brasilianische Fahrer einige Jahre später ums Leben kam, lässt diese Frage leider für immer offen.

Wie wir wissen, hatte Ayrton Senna der Formel 1 noch sehr viel zu geben. Dieser Test verfolgte zunächst nur ein unmittelbares Ziel: etwas „Druck“ auf Ron Dennis auszuüben, den damaligen „Chef“ von McLaren, damit er eine Entscheidung über die Zukunft des Fahrers und des Formel-1-Teams treffen würde.

Was hätte sein können

Fünfundzwanzig Jahre nach diesem berühmten Ayrton-Senna-Test wurde an diesen „besonderen“ Tag in einer kurzen Dokumentation erinnert, an der einige Menschen mitwirkten, die diesen Moment unmittelbar erlebt hatten.

Hätte Ayrton Senna die Gelegenheit zu einem Wechsel in die IndyCar erhalten, hätte dort ein noch größeres Kapitel beginnen können: die Triple Crown des Motorsports zu gewinnen. Das bedeutet, den Großen Preis von Monaco, die Indy 500 und die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen.

Bis heute hat nur Graham Hill diese drei Rennen gewonnen. Angesichts von Ayrton Sennas Kampfgeist und seinem unbestreitbaren Talent stellt sich bei einem hypothetischen Sieg bei der Indy 500 die Frage: Hätte er anschließend die 24 Stunden von Le Mans in Angriff genommen?

Wir werden die Antwort nie erfahren. Doch wenn wir hätten wetten müssen, hätten wir niemals gegen Ayrton Senna gesetzt. Gegen einen Champion wettet man nicht.

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