Als Markku Alén am Mittwoch, dem 4. März 1981, um 12:13 Uhr mit seinem Fiat 131 Abarth zur vierten Wertungsprüfung auf der Peninha in der Serra de Sintra стартete, deutete nichts darauf hin, dass sich einer der Momente anbahnte, aus denen eine der legendärsten Aufholjagden im Rallyesport entstehen sollte.
Kurz nachdem der Finne die Prüfung begonnen hatte, kam sein Fiat 131 Abarth spektakulär von der Strecke ab und prallte mit voller Wucht gegen einen Felsen.
Durch den Aufprall wurden das rechte Vorderrad samt Bremse und Aufhängung sowie Teile der Karosserie abgerissen.
Das Aus für Alén? Danach sah es zunächst aus – doch letztlich kam es anders.
Markku Alén hatte zu diesem Zeitpunkt bereits drei Siege bei der Rallye Portugal errungen. Insgesamt sollten es fünf werden, eine Bestmarke, die nur Sébastien Ogier ebenfalls erreichte. Damit gehörte er bei der Ausgabe 1981 zu den großen Favoriten auf den Gesamtsieg.
Nach dem Unfall schien ein Erfolg vollkommen ausgeschlossen. Doch genau in diesem Augenblick begann eines der „goldenen Kapitel“ der Rallye-Weltmeisterschaft.
Den Sieg rückwärts beginnen
Nach dem heftigen Unfall tat Alén das Unvorstellbare: Die letzten Kilometer der Prüfung absolvierte er im Rückwärtsgang. Am Ende der Wertungsprüfung hoffte Markku Alén, dass die Mechaniker seines Teams „ein Wunder vollbringen“ könnten. Dann bestätigte sich jedoch sein schlimmster Albtraum: Ausgerechnet der Fiat-Service war am Ziel der Prüfung nicht vor Ort.
Wie der Journalist Santos Neves von A Bola damals berichtete: „Alén, völlig verzweifelt, dreht das Auto nach vorn und setzt seine Fahrt auf der Verbindungsetappe fort. Einige Kilometer weiter, in Murches, trifft Alén auf den Servicewagen, der nach ihm sucht.“
Nachdem das Serviceteam gefunden war, standen die Fiat-Mechaniker vor einer gewaltigen Aufgabe: Den Fiat 131 Abarth wieder auf vier Räder zu stellen. Dafür blieben ihnen nur magere zwei Stunden – jene Zeit, die eigentlich für die 70 km lange Verbindungsetappe zur nächsten auf dem Montejunto ausgetragenen Wertungsprüfung vorgesehen war.
Eine fast unmögliche Mission mit dem Fiat 131 Abarth
In seiner letzten Einsatzsaison hatte der Fiat 131 Abarth für die Mechaniker aus Turin keine Geheimnisse mehr. Das zeigte sich eindrucksvoll bei der Rekonstruktion von Markku Aléns Fahrzeug.
Noch bevor eine Stunde vergangen war, machte sich Markku Alén in seinem „kampfverletzten“ Fiat 131 Abarth mit der Startnummer 1 auf den Weg zum Montejunto. Er erreichte den Start der nächsten Wertungsprüfung rechtzeitig und erhielt keine Strafzeit.
Nach dieser Prüfung setzte das Fiat-Team die Instandsetzungsarbeiten am 131 Abarth fort.
Von da an startete Markku Alén eine bemerkenswerte Aufholjagd und setzte sich gegen Fahrer wie Henri Toivonen und Michèle Mouton durch. Mouton fuhr einen Audi Quattro, das erste Rallyeauto mit Allradantrieb, das dort seinen offiziellen Einstand auf Schotterprüfungen gab.
Am Ende gewannen Markku Alén und sein Fiat 131 Abarth entgegen aller Erwartungen die Rallye Portugal 1981. Neun Sekunden vor Henri Toivonen im Talbot Sunbeam Lotus, der Zweiter wurde, überquerten sie die Ziellinie. Eine Leistung, die noch heute beeindruckt.
Was geschah mit dem verlorenen Rad?
Das berühmte Foto des Unfalls stammt vom portugiesischen Fotografen Jorge Cunha. Seinen Angaben zufolge warfen er und seine Freunde das Rad mitsamt einem Teil der Fiat-Aufhängung nach dem Unfall und nachdem der Fiat 131 Abarth wieder fahrbereit gemacht worden war – rückwärtsfahrend – in eine Böschung. Sie wollten später zurückkehren, um es wieder einzusammeln.
Als sie zurückkamen, war das Rad bereits verschwunden. Erst 25 Jahre später tauchte es wieder öffentlich auf, wie in der untenstehenden Reportage von RTP zu sehen ist.
Dabei wurde bekannt, dass der Besitzer eines Restaurants das Rad gefunden und zwei Jahrzehnte lang aufbewahrt hatte. Anschließend wurde es für fünftausend Euro verkauft und von Markku Alén persönlich signiert.
Zuletzt meldete sich das Rad von Aléns Fiat 131 Abarth 2019 erneut zurück, als es bei eBay angeboten wurde. Der verlangte Preis lag bei 18.000 Pfund, umgerechnet mehr als 21.000 Euro.
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