Was ist die „Dakar“ eigentlich?
Ganz direkt gesagt: Sie ist die härteste Rallye-Raid-Veranstaltung der Welt – und diejenige, die einem bei Kennern dieses Sports sofort Respekt verschafft. Nur wenige schaffen es bis ins Ziel; wer durchkommt, gehört zur Elite, zur Delta Force beziehungsweise zum SAS des Offroad-Rennsports. Bei diesem Ausdauerwettbewerb treten Rallye-Piloten in einem regelrechten Zirkus unterschiedlichster Klassen an – von Autos und Klassikern über Motorräder bis zu Trucks – und versuchen, eine extrem anspruchsvolle Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Klingt zunächst simpel, doch der „Kurs“ erstreckt sich über Tausende Kilometer einer fahrzeugzerstörenden Höllenlandschaft aus Sanddünen, gefährlichen Felsen, Offroad-Albträumen, Schlamm, unerwarteten Schluchten und Schotter. Einzelne Etappen können dabei weit mehr als 800 km lang sein. An einem Tag. Nichts für schwache Nerven oder weiche Dämpfer.
Neben der Baja 1000 ist sie vermutlich das bekannteste Enduro-Rennen überhaupt. Ursprünglich hiess die Veranstaltung Le Rallye Paris-Dakar und wurde 1978 als Durchquerung von Paris nach Dakar im Senegal ins Leben gerufen – genau, wie der Name vermuten lässt. Seither ist die Rallye etwas umgezogen und findet heute in Saudi-Arabien statt, trägt aber weiterhin ihren legendären Namen.
2026 startet ein heimischer Held in einer neuen Kategorie
Man könnte meinen, eine Rallye wie die Dakar sei für eine Marke wie Defender geradezu naheliegend. Dennoch tritt Defender 2026 zum ersten Mal offiziell an – und das Unternehmen nimmt die Sache offensichtlich ausgesprochen ernst: mit dem kompromisslosesten Defender 110 des Planeten. Er heisst Defender Dakar D7X-R und fährt in der überarbeiteten Kategorie „Stock“, die im Grunde für Fahrzeuge direkt aus der Serienfertigung steht, mit serienmässigem Motor, Getriebe, Antriebsstrang, Karosserie und Chassis.
Diese Klasse ist der echte Härtetest für ein Auto, das man tatsächlich durch eine Einkaufsstrasse fahren könnte. Zugegeben: Das Basisfahrzeug von Defender ist bereits der ziemlich extreme Defender OCTA mit 4,4-Liter-V8. Abgesehen von einem enormen Kraftstofftank, verstärktem Fahrwerk und der Sicherheitsausstattung ähnelt der Rennwagen jedoch tatsächlich dem Modell, das man kaufen kann. Genau diese Aussicht hat „Mr.Dakar“ Stephane Peterhansel offenbar dazu bewegt, erneut bei der Dakar zu starten – was vermutlich alles Wichtige sagt.
So sieht die Dakar 2026 aus
Die 48. Ausgabe der Dakar besteht in diesem Jahr aus einer gewaltigen Schleife über 8.000 km. Am 1. und 2. Januar steht in Yanbu, einer Stadt am Roten Meer nördlich von Dschidda, die technische Abnahme an. Die Eröffnungsfeier und der „Prolog“ folgen am 3. Januar, ehe die Rallye am 4. Januar richtig beginnt. Die Route führt über Alula, Hail, Riad, Wadi-Ad-Dawasir, Bisha und Al Henakiyah, bevor sie wieder in Yanbu endet. Jeder dieser Orte hält für die Teilnehmer seine ganz eigene neue Hölle bereit.
Auch das Wetter ist ein Faktor: Wer hier ausschliesslich Sonne und Sand erwartet, liegt falsch. Regen, Schlamm, Sandstürme und allerlei naturkatastrophenartige Überraschungen können dazukommen. Nachts wird es zudem ziemlich kalt, während die Temperaturen tagsüber auf bis zu 45 Grad Celsius steigen können. In Riad ist am 10. Januar ein Ruhetag vorgesehen; die abschliessende Siegerehrung findet am 17. Januar statt. Dazwischen liegt der eigentliche Leidensweg.
Wer sind die weiteren Teilnehmer?
Für die Dakar 2026 sind 325 Fahrzeuge in einer breiten Auswahl an Klassen mit unterschiedlichsten Radständen und Rädern gemeldet. Dazu gehören Challenger-Fahrzeuge, also speziell gebaute leichte Buggys, SSVs als serienbasierte Side-by-Sides, T1 Ultimate – Rohrrahmen-Monster mit nur wenigen konstruktiven Einschränkungen –, Quads, Trucks, Stock-Fahrzeuge wie der Defender Dakar D7X-R, Dakar Classic für ältere Modelle mit festgelegtem Stichtag in den 1980er- und 1990er-Jahren, bei denen Ausdauer stärker zählt als absolute Geschwindigkeit, sowie Mission 1000 für CO2-neutrale und neue Technologien.
Hinzu kommen etwa 118 Motorräder, die stets wie die denkbar unerquicklichste Art wirken, die Dakar zu bestreiten. Die Fahrer sind ganz offensichtlich verrückt.
Warum ist sie so schwer?
Die Dakar ist besonders, weil sie absolut unerbittlich ist: Tausende Kilometer und mehr als 80 Stunden Wettbewerbsfahrt kommen zusammen, zusätzlich zu den Transfers zwischen den Etappen auf öffentlichen Strassen, auf denen die normalen Verkehrsregeln gelten. Nach 12 Stunden im Renntempo durch die Wüste wieder herunterzukommen, ist ziemlich schwierig – und Adrenalin ist ein stiller Killer. Die sechste Etappe umfasst insgesamt 925 km, davon 336 km gegen die Uhr; das wäre für sich genommen bereits eine normale Rallye.
Die wirklichen Hirnzermürber sind jedoch die zweitägigen Marathonetappen 4 und 9. Dort ist jede externe Unterstützung verboten, und während eines 48-stündigen Rennzeitraums darf man ausschliesslich am eigenen Fahrzeug arbeiten. Um 16 Uhr hält man an einem vorgeschriebenen „Biwak-Zufluchtsort“, wo als Luxus eine Matratze, ein Schlafsack, ein Zelt sowie eine Essensration für Abendessen und Frühstück warten – sonst nichts. Um 7 Uhr geht es wieder auf die Strecke, wobei man kaum Schlaf bekommen haben dürfte, wenn Reparaturen nötig waren. Und Reparaturen werden nötig sein. Einer der grössten Gegner bei der Dakar ist nicht die Geografie. Es ist die Erschöpfung.
Für die Teams wird die Erholung 2026 etwas leichter
Damit soll nicht gesagt sein, dass die Dakar 2026 in irgendeiner Form weniger traumatisch als andere Jahrgänge wird. Sie ist jedoch etwas stärker auf echte Erholung ausgerichtet. Im siebten Jahr der saudischen Abenteuer haben die Organisatoren die Abläufe etwas gestrafft – denn die Logistik eines Rennens über 8.000 km ist nun einmal ziemlich komplex. Die Hafenstadt Yanbu dient sowohl als Start als auch als Ziel. Es gibt sechs Biwaks in der offenen Wüste und ein weiteres in Riad, wo am Ruhetag eine Verschnaufpause möglich ist.
Ausserdem stehen vier „Rundkurs“-Etappen auf dem Programm. Das bedeutet: Während sich alle Teilnehmer weiter durch die Landschaft prügeln, müssen Teams und Servicecrews nicht jedes einzelne Mal mitziehen. Das macht den Transport zumindest ein wenig weniger brutal.
Ist es wirklich so schlimm?
2026 gibt es ein neues Konzept mit einigen „Mid-Stage Service“-Punkten, die gezielt dazu beitragen sollen, dass mehr Teilnehmer die Rallye tatsächlich beenden. Denn die Ausfallquote der Dakar ist absolut gnadenlos. Im vergangenen Jahr erreichten nur 175 Fahrzeuge erfolgreich das Ziel, obwohl 335 gestartet waren. Die besondere Herausforderung der Dakar liegt in den extremen Distanzen und dem Gelände, den harten körperlichen und mentalen Belastungen, den technischen und navigatorischen Aufgaben sowie der ständigen Gefahr eines Defekts.
Dazu kommt, dass Sand an Stellen landet, an denen er natürlicherweise nicht vorkommt. Kombiniert mit der enormen Bedeutung von Eigenständigkeit und den Marathonetappen ergibt das ein Rezept für leises Weinen und leichtes PTBS.
Wie wird ermittelt, wer führt?
Mithilfe von GPS und einer Menge Mathematik. Vermutlich auch mit mehr als ein paar Stoppuhren. Die Dakar umfasst pro Tag eine Etappe mit mindestens einer „Sonderprüfung“, auf oder abseits befestigter Strassen, und erstreckt sich über mehrere Wochen statt über die bei einer weniger brutalen Rallye üblichen zwei oder drei Tage. Die Reihenfolge ergibt sich aus den Zeiten der Sonderprüfungen abzüglich möglicher sportlicher Strafen – etwa wenn man auf den Verbindungsstrecken wegen zu schnellen Fahrens erwischt wird.
Und die Navigatoren sitzen nicht bloss als Ballast im Auto: Navigiert wird über GPS-Sender und Roadbook, doch die Route wird erst unmittelbar vor Beginn der Etappe ausgegeben. Bis zur Übergabe bleibt sie also geheim. Anschliessend müssen Wegpunkte passiert werden, damit niemand eine freche Abkürzung nimmt. Zudem kann man nicht einfach den sichtbaren Spuren folgen: Man weiss nie, ob a) sie tatsächlich in die richtige Richtung führen oder b) die Spur, der man folgt, in einer Schlucht endet. Direkt auf demjenigen, dem man hinterhergefahren ist.
2026 gelten neue Regeln
Tatsächlich werden einige Starts in diesem Jahr aufgeteilt, damit Teilnehmer nicht einfach den Motorradspuren folgen können. Die Organisatoren gehen davon aus, dass leicht unterschiedliche – und jeweils genauso tödliche – Routen riskante Überholmanöver verringern, die Zeit für das Fahren bei Tageslicht für Autos verlängern – Motorräder starteten oft zuerst – und die besten Navigatoren in den Auto- und Buggy-Klassen belohnen werden.
Man kann zudem nicht an einem Tag bewusst Zeit liegen lassen, um am Folgetag später zu starten und dann einer bereits vorhandenen Spur zu folgen. Die geteilten Starts sind nämlich in zwei aufeinanderfolgende Paare gegliedert: Zeit, die am ersten Tag gewonnen wird, geht am zweiten wieder verloren.
Ist die Dakar ein Einzelereignis?
Sie ist zweifellos einzigartig, doch die Dakar eröffnet zugleich die ganzjährige World Rally Raid Championship (W2RC), an der auch Defender teilnimmt. Seit 2022 bringt diese Serie die Besten der Besten im Offroad-Rallye-Raid rund um die Welt, um Punkte zu sammeln und sich selbst sowie ihre Maschinen an unterschiedlichsten Gelände-Ambossen zu zerbrechen. Weil die Dakar so lang und so fordernd ist, zählt sie im Kalender sogar doppelt – weshalb ein gutes Ergebnis dort besonders wertvoll ist.
Auf wen würde man setzen?
Hat man sich im Rallyesport einmal als wirklich, wirklich gut erwiesen, wird die Dakar fast zwangsläufig zum nächsten Ziel, schliesslich ist sie der Höhepunkt dieses Formats. In der Teilnehmerliste finden sich einige bekannte Namen: Didier Auriol, Colin McRae, Jacky Ickx, Carlos Sainz (der OG), Ari Vätanen, Nasser Al-Attiyah, Juha Kankkunen und Sebastien Loeb. Ein Mann ist allerdings eine eiskalte Legende – und er fährt beim allerersten offiziellen Einsatz von Defender: Stephane Peterhansel, auch bekannt als „Mr.Dakar“. Oder korrekter: „Monsieur Dakar“.
Er hat 14-mal gewonnen: sechsmal in den 1990er-Jahren auf Motorrädern und achtmal in Autos, zuletzt 2021 in einem Mini JCW Buggy. In diesem Jahr sitzt er im neuen Defender Dakar D7X-R der Kategorie „Stock“, also im Wesentlichen in einem Defender OCTA mit einigen Dakar-Anpassungen. Er wird nicht das schnellste Fahrzeug im Feld sein, kommt einem Dakar-Einsatz in einem Auto, das man tatsächlich kaufen kann, jedoch so nah wie möglich. Das fühlt sich bereits zu Beginn wie ein moralischer Sieg an. Und wenn es jemand schaffen kann, dann Peterhansel.
Defender OCTA | Meister extremer Performance, überall
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