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Michel Platini sagt OM als Präsident ab

Mann mit blauem Pullover steht an Tisch mit Schal, Ordner und Magazin, im Hintergrund Stadion und zwei Männer im Anzug.

10 Rückkehrer haben das Wasser aufgewühlt.

Die künftige Führung von Olympique de Marseille ist in Frankreich zu einem heissen Thema geworden: Pablo Longoria wurde ins Abseits gedrängt, Medhi Benatia gestärkt, während im Hintergrund immer wieder ein riesiger Name kursierte: Michel Platini. Einige Anhänger wagten es für wenige Tage sogar, von einem Einstieg des früheren UEFA-Präsidenten im Vélodrome zu träumen. Die Realität hat jedoch eine ganz andere Richtung eingeschlagen.

Longoria abgesetzt, Benatia gestärkt: OM im Umbruch

Das Eingreifen von Frank McCourt hat das Organigramm bei OM neu geordnet. Pablo Longoria, einst einflussreicher Präsident und öffentliches Gesicht des Projekts, wurde von seinem Posten entbunden. Nach einem unruhigen Jahr mit sportlichen Enttäuschungen und dem abrupten Abschied von Trainer Roberto De Zerbi musste er die Konsequenzen tragen.

Kurzfristig soll Alban Juster, bislang Generaldirektor, die Kontinuität sichern. Er bildet die Verbindung zwischen der scheidenden Ära Longoria und der noch offenen Zukunft. Parallel dazu wurde Medhi Benatia, der zeitweise über einen Rücktritt von seiner sportlichen Funktion nachgedacht hatte, endgültig bestätigt und mit grösseren Kompetenzen für das operative Fussballgeschäft ausgestattet.

Die Eigentümer von OM wollen sportliche Stabilität, obwohl der Präsidentensessel weiterhin die grösste ungeklärte Frage des Vereins ist.

Diese zweigleisige Strategie – Kontinuität hinter den Kulissen bei gleichzeitiger Suche nach einer langfristigen Galionsfigur – schuf ein Vakuum. Und genau darin gewann ein bekannter Name erneut an Dynamik: Michel Platini.

Warum Michel Platini bei OM immer wieder genannt wird

Für viele in den Gängen von Marseille verkörpert Platini eine Art Traumszenario. Er lebt in Cassis, etwa 30 Kilometer von der Stadt entfernt. Seine Ausstrahlung als dreifacher Ballon-d’Or-Gewinner, seine Jahre bei der UEFA und seine umfassende Kenntnis des europäischen Fussballs beflügeln die Vorstellungskraft.

Sein Name war schon bei früheren Führungswechseln bei OM aufgekommen, nach den Präsidentschaften von Vincent Labrune und Jacques-Henri Eyraud. Immer wenn der Verein führungslos wirkte, machten Platinis Nähe und seine Verfügbarkeit ihn zu einem naheliegenden Gesprächsthema.

  • Einwohner der Region mit weltweiter Ausstrahlung
  • Seit 2015 von offiziellen Aufgaben entbunden
  • Umfangreiche politische und sportliche Erfahrung im Fussball

Für einen Teil der Fans besitzt die Idee grossen Reiz: eine französische Legende an der Spitze des leidenschaftlichsten Klubs des Landes. Auch aus Sicht der Markenwirkung liegt der Anreiz auf der Hand: Sponsoren, Sender und internationale Zuschauer würden Gesicht und Namen sofort erkennen.

Platini äussert sich: eine eindeutige Absage

Die Spekulationen veranlassten Platini selbst, sich zum Thema zu äussern. In dieser Woche antwortete der frühere französische Nationalmannschaftskapitän im französischen Radiosender RMC direkt auf die Frage, ob er OM übernehmen würde. Seine Antwort liess kaum Spielraum für Deutungen.

Platini erklärte, dass er nicht in institutionelle Funktionen im Fussball zurückkehren werde – weder bei Vereinen noch bei Verbänden.

Er betonte, dass Zeit vergangen sei und ihn eine Rückkehr in die politische Schusslinie des Fussballs nicht mehr anziehe. Mit 71 Jahren fühlt er sich nicht mehr im Einklang mit dem täglichen Druck und den Intrigen der Führung eines modernen Vereins – erst recht nicht eines so intensiv beobachteten Klubs wie Marseille.

Vom Kampf in den Führungsetagen zur Weitergabe von Wissen

Das bedeutet nicht, dass Platini alle Verbindungen zum Fussball kappen möchte. Vielmehr deutete er eine andere Form des Engagements an. Er erklärte, dass er bereit sei, seine Fussballvision mit jüngeren Generationen, insbesondere mit Kindern, zu teilen – dort, wo die Freude am Spiel wichtiger sei als wirtschaftliche und politische Interessen.

Körperlich, räumt er ein, kann sein Körper nicht mehr mithalten: Laufen, Tacklings und Schüsse sind schwierig geworden. Geistig und taktisch sieht er das Spiel nach eigener Einschätzung jedoch weiterhin klar. Dieser Wunsch, Wissen weiterzugeben, passt eher zu Trainingscamps, Akademien oder beratenden Bildungsprojekten als zu Posten in Vorständen oder Präsidien.

Eine schwierige Vergangenheit mit Fussballinstitutionen

Platinis Zurückhaltung hat auch mit seinen schmerzhaften Erfahrungen an der Spitze der weltweiten Fussballverwaltung zu tun. Während der Ära von Sepp Blatter wurde er 2015 vom Fussball suspendiert; seine Ambition, FIFA-Präsident zu werden, zerbrach inmitten juristischer und ethischer Turbulenzen. Kürzlich wurde er in einem Betrugsverfahren freigesprochen, das seine letzten Jahre im Amt überschattet hatte.

Der frühere UEFA-Chef hat das Gefühl, während seiner juristischen Schwierigkeiten vom Französischen Fussballverband und vom französischen Staat im Stich gelassen worden zu sein.

Er hat öffentlich eingeräumt, keinen Kontakt mehr zum FFF zu haben. Sein Vertrauen in die grossen Fussballinstitutionen ist stark beschädigt, und dieses Misstrauen erstreckt sich inzwischen auch auf die Vorstellung, ein prominentes Vereinsprojekt zu führen. Aus seiner Sicht würde eine Rückkehr in ein Präsidentenamt bedeuten, erneut in jenes politische Umfeld einzutreten, das er heute ablehnt.

Was das für die Suche von OM bedeutet

Für OM ist Platinis kategorische Haltung zugleich Klarstellung und Rückschlag für die Träumer. Der Vorstand muss sich nun anderweitig nach einem langfristigen Präsidenten umsehen, der McCourts finanzielle Kontrolle, Benatias Sportprojekt und den unablässigen Druck der Fans ausbalancieren kann.

Intern könnte eine Option darin bestehen, die Macht um Benatia und Juster zu bündeln und eine kollektivere Führung ohne Präsidenten mit Starstatus aufzubauen. Extern könnte der Klub einen geschäftsorientierten Manager mit Verbindungen zu amerikanischen Fonds suchen, der Marseilles emotionale Intensität mit einer kontrollierteren wirtschaftlichen Strategie verbinden kann.

Szenario Vorteile Risiken
Ikonischer ehemaliger Spieler als Präsident Sofortige Glaubwürdigkeit, mediale Aufmerksamkeit, Begeisterung der Fans Fehlende moderne Managementkompetenzen, politische Angriffsfläche
Erfahrener externer Manager Professionelle Struktur, Vertrauen der Investoren Gefahr der Entfremdung von lokaler Kultur und Fans
Interne Beförderung (Achse Juster/Benatia) Kontinuität, Kenntnis des aktuellen Kaders und der Finanzen Begrenzte symbolische Wirkung, könnte die Unruhe unter den Anhängern nicht beruhigen

Warum grosse Namen selten gut in Vereinspräsidien passen

Die Platini-Episode verweist auf eine übergeordnete Entwicklung. Viele frühere Stars zögern, Führungsaufgaben bei Vereinen zu übernehmen. Ein modernes Präsidentenamt verlangt Finanzverständnis, juristisches Bewusstsein, Medienmanagement und dauerhafte politische Verhandlungen mit Beratern, Ligen und Sponsoren.

Für legendäre Ex-Spieler können solche Aufgaben sehr weit von der Freude am Fussball entfernt wirken. Zudem steht ihr Ruf auf dem Spiel. Eine gescheiterte Präsidentschaft kann ein über Jahrzehnte aufgebautes heroisches sportliches Bild beschädigen. Gegenüber ruhigeren Tätigkeiten als Berater oder Botschafter erscheint das Verhältnis von Risiko und Nutzen oft wenig attraktiv.

Bei OM ist das Umfeld noch anspruchsvoller. Der Klub ist ein politischer Akteur im gesellschaftlichen Leben Marseilles. Jede Aussage, jeder Transfer und jede Trainerverpflichtung werden seziert. Präsidenten sind bisweilen Idole, bisweilen Sündenböcke – und nur selten lässt man sie in Ruhe.

Was „Präsident“ im heutigen europäischen Fussball tatsächlich bedeutet

Im französischen Kontext kann der Titel Präsident irreführend sein. Bei vielen Vereinen verteilen sich Sport und Finanzen in Wirklichkeit auf mehrere Akteure: einen Eigentümer, einen Präsidenten, einen Geschäftsführer und einen Sportdirektor. Der Präsident wird häufig eher zum öffentlichen Gesicht als zum alleinigen Entscheidungsträger.

In Marseille, wo ein amerikanischer Milliardär den Klub aus der Ferne besitzt, ist diese Trennung besonders ausgeprägt. Jeder neue Präsident müsste mit Budgets arbeiten, die in Boston festgelegt werden, die Erwartung von Titeln in einer von PSG dominierten Liga steuern und eine ungeduldige Anhängerschaft besänftigen.

Bei dieser Aufgabe geht es weniger um romantische Führung als um Krisenmanagement, Kommunikation und die Wahrung eines fragilen Gleichgewichts zwischen sportlichem Anspruch und finanzieller Realität.

Vor diesem Hintergrund klingt Platinis Antwort beinahe logisch. Nach Jahren an der UEFA-Spitze und in juristischen Auseinandersetzungen zieht er es vor, solchen Druckzonen fernzubleiben und seine Fussballideen zu vermitteln, ohne sich erneut dem politischen Kreuzfeuer auszusetzen.

Wie es für OM und Platini weitergeht

Für OM werden die kommenden Monate entscheidend sein. Der Klub muss seine Befehlskette klären, den Spielern Sicherheit vermitteln und die bevorstehenden Transferfenster mit einer schlüssigen Strategie vorbereiten. Die Unterstützer werden genau darauf achten, ob sich Anzeichen für ein langfristiges Projekt zeigen oder lediglich für ein weiteres kurzlebiges Experiment.

Für Platini dürfte das nächste Kapitel ruhiger verlaufen. Er könnte Akademien beraten, Breitensportprogramme unterstützen oder an Initiativen zur Fussballbildung mitwirken. Solche Rollen würden ihm ermöglichen, mit dem Spiel verbunden zu bleiben, das er liebt, ohne in die institutionelle Arena zurückzukehren, die er inzwischen mit Misstrauen betrachtet.

Für Fans, die versuchen, die Zukunft zu deuten, bietet sich ein Blick auf mögliche Szenarien an. Ernennt OM einen weniger prominenten, aber kompetenten Manager, könnte sich der Verein schrittweise stabilisieren – allerdings mit weniger Glanz. Setzt der Vorstand erneut auf eine Persönlichkeit mit grosser Strahlkraft, könnte die Achterbahnfahrt weitergehen, mit Höhepunkten der Begeisterung und tiefen Krisentälern.

In beiden Fällen hat Platini selbst die Platini-Hypothese beendet. Seine Haltung erinnert zugleich daran: 2026 liegt die tatsächliche Macht im Fussball tendenziell weniger bei den Legenden der Vergangenheit als bei Investoren, Strategen und jenen, die bereit sind, dauerhaft in der Schusslinie zu stehen.

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