James Hunt war ein Formel-1-Fahrer, wie es nur wenige gab. Während Piloten wie Fangio, Senna oder Schumacher vor allem wegen ihres fahrerischen Könnens Anerkennung fanden, bleibt Hunt in erster Linie wegen seines Lebensstils in Erinnerung. Rebell und Playboy, provokant und charmant – um diese vielschichtige Persönlichkeit zu beschreiben, brauchte es all diese Eigenschaften.
1976 gewann er die Formel-1-Weltmeisterschaft. Dieses Jahr prägte die Rennserie derart nachhaltig, dass daraus sogar ein Film entstand: Rush.
Hier sind einige Gründe, weshalb James Hunt als einer der charismatischsten Fahrer gilt, die die Formel 1 je erlebt hat.
Unberechenbare Aussagen
Heute sind farbige Aussagen und Antworten in den sorgfältig kontrollierten Auftritten von Formel-1-Fahrern eher selten. Bei James Hunt waren jedoch nicht nur seine Worte, sondern auch seine Handlungen stets für Überraschungen gut.
Die folgenden Beispiele zeigen es: eine Zigarette nach einem Rennen oder seine Antwort auf die Frage eines Journalisten. Andere Zeiten …
Ein harter, respektvoller Rivale
Hunt war für seine kompromisslose Fahrweise und sogar für von ihm verursachte Unfälle bekannt, was ihm den Spitznamen James „Shunt“ einbrachte. Dennoch konnte er seinen Gegnern mit Respekt begegnen.
Das galt besonders für Nikki Lauda. Der österreichische Fahrer und Hunt lieferten sich bereits seit ihrer Formel-3-Zeit auf der Rennstrecke Duelle. Das erklärt möglicherweise die gegenseitige Wertschätzung, die sie füreinander empfanden – obwohl ihre Persönlichkeiten kaum unterschiedlicher hätten sein können.
Diese beinahe legendäre Rivalität kam 2013 mit Ron Howards Film Rush auf die Leinwand. Der Film erzählt vom Kampf um den Titel in der Saison 1976. Diese Saison wurde auch durch die Debatte über die Sicherheit der Formel-1-Autos berüchtigt: In jenem Jahr hatte Nikki Lauda seinen Unfall, der ihn fast das Leben kostete.
Der Film zeigt eine Seite von Hunt, die nur wenige kannten, und die gegenseitige Achtung der beiden wird in der Schlussszene dargestellt.
Wie nah blieb der Film an den tatsächlichen Ereignissen? Lauda zufolge waren 80% des Films recht originalgetreu, während die übrigen 20% typisch Hollywood seien.
Immer vom Wettbewerb getrieben
Bevor James Hunt eine Karriere im Motorsport einschlug, spielte er Squash und Tennis. Auch in diesen Sportarten zeigte sich sein ausgeprägter Ehrgeiz. Selbst nachdem er sich den Monopostos verschrieben hatte, betrieb er beide Disziplinen weiterhin mit grosser Entschlossenheit.
Playboy und Rebell
James Hunts Lebensstil brachte ihm womöglich noch mehr Bekanntheit ein als seine Formel-1-Laufbahn. Er rauchte viel, trank reichlich – sogar vor einem Grand Prix – und war stets von Frauen umgeben. Unterhaltung war bei ihm garantiert. Menschen aus seinem engen Umfeld berichten jedoch, dass er trotz mancher übertriebener Verhaltensweisen von Natur aus ein ruhiger und entspannter Mensch gewesen sei.
Seine häufig exzessive Lebensweise könnte zu seinem frühen Tod beigetragen haben. James Hunt starb im Alter von nur 45 Jahren an einem Herzinfarkt.
James Hunt blieb sich auch ohne Helm treu
1979 beendete James Hunt seine Karriere in der Formel 1. Noch im selben Jahr lud ihn die BBC ein, die Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft zu kommentieren. Er nahm das Angebot an und blieb bis zu seinem Tod 1993 bei dem Sender.
Wer einen gemässigteren James Hunt erwartete, lag falsch. Seine Kommentare und Kritiken waren stets direkt und bisweilen ausgesprochen scharf, weshalb sie immer wieder für Kontroversen sorgten.
Ein Beispiel dafür lieferte der Grosse Preis von Monaco 1989. Während des Rennens hörte Hunt seinem Kommentatorenkollegen Murray Walker zu, der die Erklärungen des französischen Fahrers René Arnoux für dessen fehlendes Tempo wiedergab. Arnoux sagte, er sei an Turbomotoren gewöhnt und nicht an die Saugmotoren, die in diesem Jahr zurückgekehrt waren. Hunt konnte sich nicht zurückhalten.
Das Einzige, was er zu dieser Ausrede des Fahrers sagen konnte, war … „bullshit“. Typisch …
Unvergessen
Noch immer erinnern sich viele Fahrer an James Hunt und ehren sein Andenken. Vielleicht keiner mehr als Kimi Räikkönen, der die Formel 1 ebenfalls bereits verlassen hat. Der finnische Fahrer ist nicht gerade für seine Wortgewandtheit bekannt – nun, man kennt ihn als Ice Man, den „Eismann“ – doch er bekennt sich offen als Bewunderer von James Hunt und des Lebensstils der Rennfahrer aus den 1970er-Jahren.
Er nahm nicht nur unter dem Namen des britischen Fahrers als Gorilla verkleidet an Schneemobilrennen teil, sondern trug beim Grossen Preis von Monaco 2012 auch einen Helm, auf dem Hunts Name in besonders grossen Buchstaben stand.
Mehr als der Fahrer selbst wird Hunts Art, mit dem Leben umzugehen, in Erinnerung bleiben. James Hunt nahm sich nicht allzu ernst, kostete das Leben voll aus – vielleicht sogar zu sehr … – und veränderte sich bis zu seinen letzten Tagen kaum. Echtheit scheint heutzutage nicht nur in der Formel 1 eine seltene Eigenschaft zu sein.
Mach’s gut, James Hunt …
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