Die letzte Austragung des Großen Preises von Portugal liegt weit zurück: Sie fand am 22. September 1996 statt. In jenem Jahr wurde der Audi A4 in Portugal zum Auto des Jahres gewählt, und ich selbst war gerade einmal ein Jahr alt, als die Formel 1 zum letzten Mal in unserem Land gastierte.
Als Austragungsort diente die Rennstrecke von Estoril, die zwischen 1984 und 1996 den „Zirkus der Formel 1“ in Portugal empfing. Zu Ehren ihrer Gründerin ist sie auch unter dem Namen Autódromo Fernanda Pires da Silva bekannt.
Im Fahrerlager standen damals Michael Schumacher, Damon Hill, Jacques Villeneuve und Mika Häkkinen im Mittelpunkt. Für die portugiesischen Fans zog jedoch womöglich ein anderer Fahrer noch mehr Aufmerksamkeit auf sich: Pedro Lamy. Im Minardi bestritt der Portugiese seine letzte Formel-1-Saison.
Portugal im Jahr 1996
Portugal unterschied sich 1996 in vielerlei Hinsicht deutlich vom heutigen Land. Bezahlt wurde noch mit dem Escudo; der Euro wurde erst am 1. Januar 2002 eingeführt. Jorge Sampaio war Präsident der Republik, während António Guterres das Amt des Premierministers innehatte (derzeit bei der).
Die Vasco-da-Gama-Brücke war noch nicht fertiggestellt. Ihre Eröffnung erfolgte erst im März 1998, rechtzeitig zur Expo 98. Insgesamt bestanden in Portugal damals acht Automobilwerke. Sie produzierten in diesem Jahr 233 132 Fahrzeuge, während die Verkäufe 306 734 Einheiten erreichten – der Auftakt zu einer Phase guter Ergebnisse für die Marken.
Portugals Automarkt vor dem SUV-Boom
Auf den Straßen prägten vor allem der erste Renault Clio, der erste Fiat Punto und der zweite Opel Corsa das Bild. Premiummarken standen noch lange nicht an der Spitze der Verkaufsstatistiken. Von SUVs hatte praktisch niemand gehört – stattdessen gab es Geländewagen.
Bemerkenswert ist, dass im Fußball, der beliebtesten Sportart des Landes, mit dem FC Porto derselbe Verein amtierender Meister war wie heute.
Der Große Preis von Portugal 1996
Wie bereits erwähnt, war ich beim letzten Formel-1-Gastspiel in Portugal erst ein Jahr alt. Die folgende Schilderung stützt sich daher auf Quellen aus jener Zeit.
Als vorletzte und zugleich 15. Runde der Formel-1-Weltmeisterschaft 1996 brachte der Große Preis von Portugal die beiden Williams auf die ersten Startplätze. Damon Hill sicherte sich die Poleposition, Jacques Villeneuve startete als Zweiter – entsprechend ihrer damaligen Positionen in der Fahrer-Weltmeisterschaft.
Williams vorn, Pedro Lamy im Minardi
Hinter den beiden Fahrern des damals besonders starken britischen Teams standen Jean Alesi im Benetton sowie Michael Schumacher im Ferrari. Schumacher hatte in diesem Jahr die lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Scuderia begonnen, für die er Alesi ersetzt hatte. Pedro Lamy ging dagegen von Startplatz 19 und damit vom vorletzten Rang ins Rennen, was die Grenzen seines Minardi deutlich machte.
Schon in der ersten Runde verlor Damon Hills Teamkollege und wichtigster Titelrivale Positionen: Villeneuve fiel hinter Jean Alesi und Michael Schumacher auf Rang vier zurück. Dort blieb er bis zur 15. Runde, als der Kanadier Schumacher in der Parabólica außen auf beeindruckende Weise überholte. Dieses Manöver zählt bis heute zu den besten Überholvorgängen der Formel 1. Wer es nie gesehen hat, sollte es unbedingt nachholen; wer damals schon dabei war, kann sich an diesen großartigen Moment erinnern.
Im weiteren Rennverlauf rutschte Alesi auf den vierten Platz ab. Gegen Ende sorgten Villeneuves Einsatz und Kupplungsprobleme bei Hill dafür, dass der Kanadier mit knapp 20s Vorsprung gewann und Williams den sechsten Doppelsieg der Saison bescherte. Den dritten Rang belegte Michael Schumacher.
Pedro Lamy kam bei seinem letzten Großen Preis von Portugal als 16. und Letzter ins Ziel. Damit gelang ihm etwas, das Fahrern wie Rubens Barrichello und Mika Häkkinen nicht gelang: das Rennen zu beenden.
Dank Villeneuves Ergebnis wurde der Kampf um den Fahrertitel gegen Damon Hill bis zum letzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Japan, offen gehalten. Der Ausgang dieses Duells ist allerdings eine andere Geschichte („Achtung, Spoiler: Villeneuve musste noch ein weiteres Jahr auf seinen Weltmeistertitel warten“).
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