Der Porsche 911 Dakar gehörte 2022 wohl zu den am schlechtesten gehüteten Geheimnissen der Branche. Dennoch sorgte er für Überraschung – nicht nur mit seinem Erscheinungsbild, seinen technischen Daten und seinen Fähigkeiten, sondern vor allem mit seiner Bezeichnung: Hätte er nicht 911 Safari heißen müssen?
Das war zumindest die Annahme fast aller Beobachter – einschließlich uns –, als die Erprobungsprototypen an verschiedenen Orten weltweit unterwegs gesichtet wurden.
Vom 911 Safari zum Porsche 911 Dakar
Die Bezeichnung Safari hätte zu diesem 911 mit „hochgekrempelten Hosenbeinen“ durchaus gepasst. Einerseits hätte sie an den 911 SC Safari von 1978 erinnert, der speziell für den Einsatz bei der Safari-Rallye entwickelt wurde. Andererseits gab es mit dem 2012 entstandenen 911 Vision Safari bereits einen weiteren Vorläufer.
Dieser auf der 911-Generation 991 basierende Prototyp legte den Grundstein für den 911 Dakar der Generation 992. Obwohl er bereits 2012 entworfen worden war, wurde er erst 2020 öffentlich gezeigt – gemeinsam mit 14 weiteren Prototypen und Modellen der Serie „Porsche Unseen“, die nie in Produktion gingen.
Thomas Krickelberg, Projektleiter des 911 Dakar, bestätigte dies gegenüber Edmunds. Dabei erklärte er auch, dass das Team beim Schritt zur Serienfertigung auf ein Hindernis stieß: Der Name Safari durfte nicht verwendet werden.
Die Nutzungsrechte für die Bezeichnung Safari lagen und liegen bei Tata, dem indischen Konzern, dem auch Jaguar Land Rover gehört. Tata vertreibt seit 1998 den Safari, ein mittelgroßes SUV, das 2021 eine vollständig neue Generation erhielt.
Laut Thomas Krickelberg wurde zwar mit Tata gesprochen, doch der Konzern erteilte keine Freigabe für den Namen. „Das war Option A. Danach wechselten wir zu Dakar“, sagte Krickelberg.
Option B: Dakar
Auch die Wahl des Namens Dakar ist in der langen Geschichte des 911 keineswegs willkürlich. 1984 gewann Porsche die Rallye Paris-Dakar mit dem 953, einem entsprechend „aufgerüsteten“ 911 für die härteste Rallye der Welt.
Doch ebenso wie Safari konnte auch Dakar nicht einfach frei genutzt werden, obwohl Dakar der Name einer Stadt und damit eigentlich gemeinfrei ist. Wie Porsche feststellen musste, liegen die Namensrechte bei der ASO (Amaury Sport Organization), dem Veranstalter der Rallye Dakar.
Die Gespräche zwischen ASO und Porsche verliefen … erfolgreich. Beide Unternehmen erzielten eine Vereinbarung – anders gesagt: Sie einigten sich auf einen Preis für die Nutzungsrechte an der Bezeichnung.
Der Porsche 911 Dakar stand lange auf der Kippe
Trotzdem sollte es noch viele Jahre dauern, bis der 911 Dakar tatsächlich vorgestellt wurde. Die Verantwortlichen sagen, dass er bereits 2016 hätte auf den Markt kommen können.
Verzögert wurde das Modell durch die Verantwortlichen der Vertriebs- und Marketingabteilungen von Porsche. Sie waren nicht davon überzeugt, dass ein Offroad-911 ausreichend Nachfrage erzeugen würde, und fürchteten fehlende Rentabilität – insbesondere bei einer limitierten Auflage.
Das Vorhaben wurde dadurch faktisch auf Eis gelegt, obwohl die Ingenieure seine Entwicklung nie unterbrachen. Da sich die neue 911-Generation 992 bereits in Entwicklung befand, musste das gesamte Projekt des 911 Dakar auf die neue Plattform übertragen werden.
Schließlich gaben die Vertriebs- und Marketingabteilungen grünes Licht, nachdem beschlossen worden war, die Stückzahl zu erhöhen – letztlich auf 2500 Exemplare. Zudem wurde ein Weg gefunden, die Entwicklungskosten zu senken. Und natürlich musste auch ein endgültiger Preis für den 911 Dakar festgelegt werden.
Wir möchten allerdings glauben, dass die entscheidende Überzeugungsarbeit durch die Einladung der Ingenieure gelang, die Testprototypen selbst zu fahren.
„Dann verstanden sie, wovon wir gesprochen hatten“, erklärte Achim Lamparter, Projektmanager des 911 Dakar. „Manchmal ist es für sie schwierig, auf einem Stück Papier zu erkennen, was wir sehen. Es hilft, wenn wir sie direkt ins Auto setzen.“
Quelle: Edmunds
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