Kann sich die Elektrifizierung im Automobilbereich bei der härtesten Rallye der Welt, der Dakar, durchsetzen? Genau das möchte Audi mit dem RS Q e-tron beweisen: einem elektrischen Rennprototypen … allerdings mit einem Verbrennungsgenerator.
Der Audi RS Q e-tron wirkt beinahe wie eine Schöpfung von Dr. Frankenstein. Unter seiner Karosserie, die an andere Buggys erinnert und zugleich futuristische Akzente trägt, vereint er Komponenten aus grundverschiedenen Fahrzeugen.
Die insgesamt drei Elektromotoren stammen aus dem Formel-E-Einsitzer e-tron FE07 – einer Rennserie, aus der Audi aussteigen wird. Der Verbrennungsgenerator hingegen, der auf den langen Etappen die Batterien laden soll, ist der 2,0-Liter-TFSI-Vierzylinder aus dem Audi RS 5, der in der DTM, der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, eingesetzt wurde.
Batterie während der Fahrt laden
Während der zweiwöchigen Dakar wird es, wie leicht vorstellbar ist, kaum Möglichkeiten geben, den RS Q e-tron an eine Ladestation anzuschließen. Hinzu kommt, dass eine einzelne Etappe bis zu 800 km lang sein kann. Das ist eine zu große Distanz für die vergleichsweise kleine, intern entwickelte 50-kWh-Batterie, die 370 kg wiegt.
Um solche Distanzen bewältigen zu können, muss die Hochvoltbatterie unterwegs geladen werden. Deshalb kommt der aufgeladene 2,0-Liter-Motor zum Einsatz. Audi zufolge arbeitet der Verbrenner dabei zwischen 4500 U/min und 6000 U/min, also in seinem effizientesten Drehzahlbereich. Die CO₂-Emissionen sollen dadurch deutlich unter 200 Gramm je geladener kWh liegen.
Bevor die vom Verbrennungsmotor erzeugte Energie in die Batterie gelangt, muss sie zunächst in elektrische Energie umgewandelt werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Elektromotor, die MGU beziehungsweise Motor-Generator-Einheit. Zusätzlich unterstützt die Rekuperation beim Bremsen das Laden der Batterie.
Bis zu 500 kW (680 PS) Leistung
Für den Vortrieb des RS Q e-tron sorgen zwei Elektromotoren, jeweils einer an jeder Achse, womit das Fahrzeug über Allradantrieb verfügt. Laut Audi waren nur geringe Anpassungen an den aus den Formel-E-Einsitzern stammenden Aggregaten erforderlich, damit sie in dieser neuen Maschine eingesetzt werden können.
Obwohl beide Achsen angetrieben werden, besteht – anders als bei anderen Elektrofahrzeugen – keine mechanische Verbindung zwischen ihnen. Ihre Abstimmung erfolgt ausschließlich elektronisch. Das ermöglicht eine präzisere Verteilung des Drehmoments dorthin, wo es gebraucht wird, und simuliert die physische Funktion eines Mittendifferenzials, bietet bei der Abstimmung jedoch wesentlich mehr Freiheiten.
Insgesamt erreicht der Audi RS Q e-tron eine maximale Leistung von 500 kW, entsprechend 680 PS. Wie viele andere Elektrofahrzeuge kommt er ohne herkömmliches Getriebe aus und nutzt lediglich ein einstufiges Untersetzungsgetriebe. Wie viel dieser Leistung tatsächlich eingesetzt werden darf, wird allerdings erst nach den abschließenden Überarbeitungen des Reglements feststehen.
Ehrgeizige Ziele
Audi verfolgt mit dem RS Q e-tron ambitionierte Ziele: Die Marke will als erste die Dakar mit einem elektrifizierten Antriebsstrang gewinnen.
Angesichts der kurzen Entwicklungszeit des Projekts – noch keine 12 Monate sind vergangen, während die Dakar bereits im Januar 2022 beginnt – wäre jedoch schon das Erreichen des Ziels ein erster Erfolg. Darauf verweist Sven Quandt von Q Motorsport, dem Audi-Partner bei diesem Projekt, der das Audi-Vorhaben sogar mit der ersten Mondlandung vergleicht:
Audi hat bei erfolgreichen technologischen Premieren im Motorsport bereits Erfahrung: vom ersten Audi quattro im Rallyesport bis zum ersten Le-Mans-Sieg eines Prototyps mit elektrifiziertem Antriebsstrang. Ob die Marke dieses Kunststück auch bei der Dakar wiederholen kann?
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