Warum bleiben manche Menschen aktiv, während es anderen schwerfällt, regelmässig Sport zu treiben? Eine neue Studie liefert eine einfache Erklärung: Der Wohnort hat grossen Einfluss darauf, wie aktiv jemand im Alltag ist.
Forschende der West Virginia University untersuchten, wie Erwachsene in den Vereinigten Staaten Sport und Bewegung in ihren Alltag einbauen.
Dabei zeigte sich, dass Gehen die verbreitetste Bewegungsform ist. Fast die Hälfte der Befragten gab an, am häufigsten zu Fuss unterwegs zu sein.
Spazierengehen ist unkompliziert, kostet nichts und setzt keine besonderen Fähigkeiten voraus. Es lässt sich überall ausüben – in einer Grossstadt ebenso wie in einer kleinen Gemeinde.
Spazierengehen reicht nicht immer für die Gesundheit
Obwohl viele Menschen regelmässig zu Fuss gehen, bedeutet das nicht zwingend, dass sie ausreichend körperlich aktiv sind. Die Forschenden stellten fest, dass viele Personen, deren wichtigste Aktivität das Gehen ist, grundlegende Gesundheitsziele dennoch nicht erreichen.
Fachleute empfehlen Erwachsenen etwa 150 Minuten Bewegung pro Woche. Zusätzlich sollten sie Kräftigungsübungen machen, etwa Gewichtheben oder Yoga. Viele Menschen, die hauptsächlich gehen, bleiben jedoch unter diesem Umfang.
„Wir erwarteten, dass Gehen weiterhin die häufigste Form körperlicher Aktivität sein würde. Überraschend war jedoch, dass fast 1 von 4 Erwachsenen, die Gehen als ihre Hauptaktivität angaben, keine der beiden Empfehlungen für körperliche Aktivität erfüllte“, sagte Christiaan Abildso, Hauptautor der Studie.
„Das heisst, sie gaben weniger als die empfohlenen 150 Minuten mässig intensiver aerober Aktivität pro Woche und weniger als die empfohlenen 2 Tage pro Woche mit muskelkräftigender Aktivität an, etwa Yoga oder Übungen mit Widerstandsbändern.“
Bewegung in Städten und ländlichen Regionen
Die Untersuchung machte ausserdem deutlich, dass Menschen je nach Wohnort unterschiedliche Aktivitäten bevorzugen.
In ländlichen Gebieten beschäftigen sich Menschen häufig mit Gartenarbeit, Landwirtschaft, Angeln oder Arbeiten rund um Haus und Grundstück. Diese Tätigkeiten gehören zum täglichen Leben und erfüllen oft einen konkreten Zweck, beispielsweise Lebensmittel anzubauen oder Land zu pflegen.
Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner gehen dagegen eher laufen, ins Fitnessstudio, fahren Rad oder tanzen. In Städten gibt es üblicherweise Parks, Fitnessstudios und Bewegungskurse, wodurch diese Aktivitäten leichter zugänglich sind.
Menschen in Städten erreichen die empfohlenen Bewegungsziele eher. In ländlichen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Menschen weniger aktiv sind.
Das bedeutet nicht, dass das Leben auf dem Land ungesund ist. Es zeigt vielmehr, dass Menschen dort in ihrer Freizeit möglicherweise nicht genügend Möglichkeiten oder Unterstützung haben, um aktiv zu bleiben.
Die Studie ergab zudem, dass Aktivitäten wie Laufen oder Krafttraining dazu beitragen, körperlich fitter zu bleiben. Einfache Tätigkeiten wie Spazierengehen oder Gartenarbeit reichen für sich allein möglicherweise nicht aus.
Zugang und Kultur prägen die körperliche Aktivität
Der Wohnort kann einen entscheidenden Unterschied machen. Städte verfügen oft über bessere Angebote wie Fitnessstudios, Spazierwege und Sportzentren. In ländlichen Gegenden fehlen solche Möglichkeiten möglicherweise.
Auch tägliche Gewohnheiten spielen eine Rolle. In ländlichen Regionen verbringen viele Menschen ihre freie Zeit mit nützlicher Arbeit statt mit Sport. Manche Berufe sind bereits körperlich anstrengend, sodass nach Feierabend die Motivation für zusätzliche Bewegung fehlen kann.
„Was wir bei diesen Unterschieden zwischen ländlichen und städtischen Gebieten in den Vorlieben beobachten, könnte einfach widerspiegeln, worauf Menschen Zugang haben oder was kulturell unterstützt wird“, stellte Abildso fest.
„Bei unserer Arbeit sehen wir die Notwendigkeit, unsere Partner in Kleinstädten und ländlichen Gebieten weiterhin zu unterstützen, indem wir körperliche, soziale und kulturelle Bedingungen schaffen, die körperliche Aktivität fördern.“
Das bedeutet, dass Menschen sich durch ihren Wohnort nicht eingeschränkt fühlen sollten. Mit der passenden Unterstützung können auch kleine Gemeinden aktiver werden. Selbst einfache Veränderungen können Bewegung im Alltag für alle leichter und angenehmer machen.
Praktische Massnahmen für mehr Bewegung
Abildso erklärte, dass dazu breitere Seitenstreifen an Landstrassen für Läuferinnen, Läufer und Radfahrende gehören könnten. Ebenso wären Bewegungsprogramme im Sitzen in Seniorenzentren sowie besser gestaltete Parkanlagen denkbar.
Weitere Massnahmen umfassen den Ausbau von Bahntrassenwegen, die Umwandlung leer stehender Gebäude in Bewegungszentren und die Öffnung von Schulanlagen für die Öffentlichkeit.
„Jeder muss fragen: ‚Wie beeinflusst das, was wir tun, die körperliche Aktivität?‘, damit wir Menschen helfen können, aktiver zu werden – häufiger und an mehr Orten“, sagte Abildso.
Kleine Veränderungen können helfen
Die Studie nennt einfache Ansätze, um Menschen zu mehr Aktivität zu verhelfen. Gemeinden können Parks, sichere Fusswege und offene Flächen für Bewegung schaffen. Schulen und lokale Einrichtungen können Gruppenangebote organisieren.
Auch die Kombination verschiedener Aktivitäten kann sinnvoll sein. So kann Spazierengehen zusammen mit einigen Kräftigungsübungen bessere Ergebnisse bringen als Gehen allein.
Gehen ist ein hervorragender Anfang, doch um Gesundheitsziele zu erreichen, brauchen Menschen eine Mischung verschiedener Aktivitäten. Mit besserer Unterstützung und einfachen Anpassungen können mehr Menschen aktiv bleiben und gesünder leben.
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