Bei einer von den Zeitungen Wolfsburger Nachrichten und Wolfsburger Allgemeine Zeitung veranstalteten Bürgerveranstaltung in Wolfsburg bestätigte Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, den Einstieg von Porsche und Audi in die Formel 1 im Jahr 2026.
Die seit Langem erwartete Bestätigung folgt auf zahlreiche Gerüchte und Spekulationen. Überraschend ist dabei, dass nicht nur eine, sondern gleich zwei Marken des deutschen Konzerns beteiligt sein sollen.
Dass der Einstieg erst 2026 erfolgen soll, hängt mit den für dieses Jahr geplanten neuen technischen Formel-1-Motorenregeln zusammen. Sie geben Porsche und Audi die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit den bestehenden Herstellern einzusteigen, die ebenfalls neue Antriebe entwickeln müssen.
Zwar sind noch verschiedene Punkte der neuen technischen Bestimmungen offen, die einzusetzende Technologie steht jedoch bereits fest: Die 1,6 V6 Turbo bleiben erhalten, werden aber mit zu 100 % nachhaltigen Kraftstoffen betrieben. Zugleich wird die elektrische Einheit vereinfacht: Das MGU-H entfällt, während die Leistung des MGU-K auf 350 kW (476 PS) steigt.
„Im Motorsport zählt nur die Formel 1“
Allein diese Aussage von Diess würde eine solch bedeutende Entscheidung erklären, doch er nannte mehrere Gründe für den Formel-1-Einstieg von Porsche und Audi.
„Die Formel 1 wächst weltweit. Das Marketing hat zusammen mit Netflix zu einem Wachstum der Formel-1-Fangemeinde geführt, auch sehr deutlich in den USA. Asien wächst erheblich, auch bei den jüngeren Kundengruppen“, erklärte Diess.
Entsprechend sieht Diess „eine Gelegenheit, mit der Änderung der technischen Regeln einzusteigen. Die Formel 1 wird durch Elektrifizierung und synthetische Kraftstoffe umweltfreundlicher“.
Herbert Diess ist überzeugt, dass im Motorsport letztlich nur die Formel 1 zählt und sie sich immer stärker abhebt. „Wenn man Motorsport betreibt, sollte man in der Formel 1 dabei sein, denn dort ist die Wirkung am größten“, schloss Diess.
Porsche und Audi in der Formel 1: Noch ist nicht alles entschieden
Trotz der Aussagen von Herbert Diess ist die Teilnahme von Porsche und Audi an der Formel 1 noch nicht endgültig besiegelt. Beide Marken könnten sich weiterhin gegen dieses Vorhaben entscheiden.
Die endgültige Entscheidung hängt von den finalen Regeln für 2026 ab, die von der FIA im Juni verabschiedet werden sollen. Einige Fachleute gehen jedoch davon aus, dass sich die endgültige Genehmigung wegen mehrerer ungeklärter Fragen bis Oktober verzögern könnte.
Erst danach werden Porsche und Audi ihren Einstieg in die Formel 1 verbindlich verkünden. Dass er erfolgt, gilt jedoch als wahrscheinlicher denn je. Hinter den Kulissen sind bereits die Schritte bekannt geworden, mit denen beide Marken in der Formel 1 vertreten sein könnten.
Porsche hat mit Red Bull bereits eine nahezu ausgehandelte Vereinbarung, nachdem beide Seiten schon 2018 kurz vor einer Zusammenarbeit standen. Die deutsche Marke will weder ein Team kaufen noch ein neues gründen, sondern strebt stattdessen eine Partnerschaft und eine Beteiligung am Team an.
Red Bull Powertrains würde die Entwicklung des Verbrennungsmotors übernehmen, während Porsche sein technologisches Know-how zur Unterstützung bei der Entwicklung der elektrischen Einheit einbringen würde.
Bei Audi sind die Pläne noch nicht so klar umrissen. Die Marke mit den vier Ringen möchte eine deutlich aktivere Rolle einnehmen und unterbreitete McLaren zwei Angebote, um Zugang zum Formel-1-Team zu erhalten – der britische Hersteller lehnte beide ab.
Bekannt wurden zudem Gespräche mit Aston Martin, Williams und Sauber, das derzeit unter der Marke Alfa Romeo fährt. Letzteres gilt als der wahrscheinlichste Kandidat, künftig zum Audi-Umfeld zu gehören.
Audi möchte außerdem die gesamte Antriebseinheit von Grund auf selbst entwickeln und damit die Entwicklung fortsetzen, die ausgerechnet Porsche begonnen hatte. Porsche bereitete sich 2018 auf einen Formel-1-Einstieg mit … Red Bull vor, sagte das gesamte Projekt jedoch in letzter Minute ab.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen