Das Rezept ist denkbar einfach, seine Umsetzung jedoch anspruchsvoll. Der erste Schritt fällt noch leicht: Man holt ein Kultauto aus der Vergangenheit zurück, entfernt alles Überflüssige, befreit seine Stimme – sprich die Abgasanlage –, optimiert das Fahrwerk und erhöht die Sicherheit.
Anschliessend braucht es eine professionelle Organisation, eine Mischung aus etablierten Fahrern und vielversprechenden Nachwuchstalenten, eine strikte Kostenkontrolle sowie ein Höchstmass an Fahrspass und Wettbewerbsfähigkeit. In zwei Sätzen ist damit zusammengefasst, was Motor Sponsor für 2022 vorbereitet. Ein „voller Teller“ mit einem Namen: Civic Atomic Cup.
Wir fuhren nach Estoril, um die erste „Vorspeise“ dieses Menüs zu testen, das die „Chefköche“ André Marques und Ricardo Leitão von Motor Sponsor mit technischer Unterstützung von TRS – Touge Racing Service zubereitet haben. Von dieser Kostprobe berichte ich in den folgenden Zeilen.
Wenn es mir gelingt, das Gefühl am Steuer des Civic Atomic Cup zu vermitteln, werden Sie am Ende vermutlich selbst teilnehmen und Sponsoren für eine Saison suchen wollen – besuchen Sie dafür die Website hier; Motor Sponsor hilft bei allen Fragen weiter.
Das Leben geht auch nach 8000 U/min weiter …
Bevor wir näher auf meine Erfahrung im Civic Atomic Cup in Estoril eingehen, lohnt ein Blick auf das Basismodell. Wer vor der Jahrtausendwende geboren wurde, erinnert sich sicherlich an die Einführung des Honda Civic Type R EP3. Er war der erste Type R, der offiziell in Europa verkauft wurde. Obwohl seine Karosserieform an eine Mischung aus Van und Hatchback erinnerte, handelte es sich um einen hervorragenden Sportler.
Die japanischen Ingenieure stimmten das Fahrwerk tadellos ab. Zwar bot er nicht exakt das Fahrerlebnis des unvergesslichen Honda Integra Type R, doch von diesem japanischen „Monster“ war er keineswegs Welten entfernt. Die Lenkung des EP3 hätte zwar etwas mehr Rückmeldung vertragen können, beeinträchtigte das Fahrerlebnis aber nicht entscheidend.
Dann war da noch der Motor: der legendäre K20A2. Ein Triebwerk mit Charakter und einem enormen Appetit auf Drehzahlen. Der 2,0-Liter-Vierzylinder-Saugmotor leistete 200 PS, stellte 196 Nm maximales Drehmoment bereit und „sang“ mit grosser Entschlossenheit bis 8100 U/min. Heute wirken diese Werte vielleicht gewöhnlich, doch an einem VTEC-Motor der „alten Schule“ ist nichts gewöhnlich – danke, Honda!
Noch besser … in jeder Hinsicht
Wie bereits deutlich geworden sein dürfte, bringt der Honda Civic Type R EP3 alles mit, um eine ausgezeichnete Basis für den Rennsport zu sein. Er ist leicht, konstruktiv überzeugend und sein Motor hält selbst härtester Beanspruchung stand. Schon bei seiner Markteinführung entstanden in ganz Europa zahlreiche Markenpokale auf Grundlage dieses japanischen Modells – Portugal bildete dabei keine Ausnahme.
Knapp 20 Jahre später kehrt der EP3 dank des Civic Atomic Cup zurück. Motor Sponsor hat sich auf die wesentlichen Änderungen beschränkt und daraus ein fantastisches Fahrzeug gemacht.
Was wurde verändert? Verbaut wurden ein Quaife-Sperrdifferenzial, Bilstein-Rennsportdämpfer, Bremsen mit Rennsportbelägen, eine leistungsorientierte Abgasanlage sowie der vorgeschriebene, FIA-homologierte Überrollkäfig samt Feuerlöschsystem. Im Innenraum wurde alles entfernt, was nicht notwendig ist.
Auf der Rennstrecke sind sämtliche Änderungen spürbar und auch auf der Stoppuhr nachweisbar. Eine Runde auf dem Circuito do Estoril gelingt in etwa 2 Min. 04 Sek.
Durch den fehlenden Dämmstoff und die neue Abgasanlage dringt der „Schrei“ des Motors stärker als je zuvor in den Innenraum. Dank der Gewichtsreduzierung entfalten die 200 PS zudem eine völlig neue Wirkung.
Auch die Bremsanlage profitierte von den Umbauten. Obwohl es sich um das Seriensystem handelt, überstand es zehn kompromisslose Angriffsrunden auf dem Circuito do Estoril standhaft – ohne Ermüdungserscheinungen. Weniger positiv fiel das ABS auf, das beim Bremsen mit gleichzeitigem Herunterschalten zu stark eingriff.
Ansonsten fährt man ihn so, wie ein Fronttriebler gefahren werden sollte: mit nicht zu stark eingeschlagenem Lenkrad, sauberer Linie und einem Heck, das bei Lastwechseln mithilft. Dazu kommt ein Feld mit erfahrenen Fahrern und jungen Talenten, alle unter identischen Voraussetzungen. Mit einem Wort: grossartig.
Die Kosten rauben niemandem den Schlaf
Verglichen mit ähnlichen Meisterschaften kostet der Civic Atomic Cup weniger als die Hälfte. Der grösste Anteil der Investition entfällt zweifellos auf den Kauf eines Honda Civic Type R (15 000 Euro). Die übrigen Kosten betragen 200 €/Veranstaltung für Benzin, 750 €/Veranstaltung für die Einschreibung und 480 €/Veranstaltung für Reifen: Toyo R888R in der Dimension 205/40/R17, geliefert von Dispnal.
Die von Atomic Shop gelieferten Bremsen vorne und hinten halten jeweils zwei Veranstaltungen und kosten 106,50 Euro beziehungsweise 60,98 Euro. Abschliessend kostet die FPAK-Lizenz (Nacional B) 200 €/Jahr, während der technische Pass bei 120 Euro liegt.
Bei Berührungen und kleineren – oder auch grösseren – Schäden, die im Rennsport bisweilen unvermeidlich sind, bleiben auch die Ersatzteilkosten sehr wettbewerbsfähig. Das Angebot an Ersatzteilen für dieses Modell ist umfangreich, und selbst nach einem Unfall werden die Preise niemandem den Schlaf rauben.
Aus all diesen Gründen nimmt das Starterfeld des Civic Atomic Cup zunehmend Gestalt an. Mehr als 12 Teams haben ihre Teilnahme an der Saison 2022 bereits bestätigt – und diese Zahl steigt weiter. Ich werde jetzt jedenfalls nach einem Type R suchen und bin gleich wieder da – einige gibt es hier.
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