Ein Fernschuss aus grosser Distanz des einstigen „hässlichen Entleins“ Éder bescherte Portugal vor 10 Jahren den Europameistertitel bei der Euro2016 – den grössten Erfolg in der mehr als hundertjährigen Geschichte der portugiesischen Fussballnationalmannschaft. Blättern Sie in der Fotogalerie nach rechts, um die Bilder vom Moment des Triumphs zu sehen.
Nach einer Reihe von Enttäuschungen, insbesondere der im heimischen Estádio da Luz in Lissabon gegen Griechenland verlorenen Euro2004-Endspiel, durfte Portugal seinen Namen endlich in die Siegerliste eines Wettbewerbs für A-Nationalteams eintragen. Zuvor hatte das Land vor allem im Nachwuchs grosse Erfolge gefeiert, darunter zwei U20-Weltmeistertitel (1989 und 1991).
Portugals Weg zur Euro2016
Am 10. Juli 2016 entschied der 28 Jahre zuvor in Guinea-Bissau geborene Stürmer, der zunächst auf der Ersatzbank gesessen hatte, das Endspiel gegen Gastgeber Frankreich im Stade de France in Saint-Denis. Éder, der sich „mit Glauben erfüllte“, traf in der 109. Minute der Verlängerung.
Es war ein Schuss für die Geschichtsbücher in einem nervenaufreibenden Finale, das für Portugal denkbar schlecht begonnen hatte: Bereits nach 25 Minuten musste „Kapitän“ und Führungsspieler Cristiano Ronaldo verletzt vom Platz. Auslöser war ein hartes Einsteigen von Dimitri Payet.
Die Auswahl mit dem Wappenschild überstand diesen Rückschlag jedoch ebenso wie alle anderen Hindernisse auf einem Weg, der stets vom „Glücksstern“ begleitet schien – auch durch jene Gegner, auf die sie traf oder eben nicht traf.
Die Geschichte des Erfolgs bei der Euro2016 nahm am 7. September 2014 in Aveiro ihren Anfang. Portugal verlor zum Start der Qualifikation überraschend gegen Albanien (0-1), woraufhin Nationaltrainer Paulo Bento seinen Posten verlor.
Fernando Santos übernahm als Nachfolger und blieb in den folgenden 21 Monaten in jedem Pflichtspiel ungeschlagen, bis zum Ruhm von Saint-Denis. Dazu gehörten sieben Siege in sieben Qualifikationspartien; der sechste sicherte bereits das Ticket für das Turnier in Frankreich.
Trotz der überzeugenden Qualifikation verlief Portugals Auftakt bei der Euro2016 in Saint-Étienne alles andere als überzeugend. Gegen Island reichte es nur zu einem 1-1, obwohl Nani seine Mannschaft zunächst in Führung gebracht hatte.
Auch am zweiten Spieltag blieb die Mannschaft ohne Sieg und kam gegen Österreich nicht über ein 0-0 hinaus. Cristiano Ronaldo vergab dabei in der 79. Minute einen Elfmeter, als sein Schuss an den rechten Pfosten ging.
Wieder ein Unentschieden
Im dritten Spiel folgte das nächste Remis, diesmal ein 3-3 gegen Ungarn. Ronaldo glänzte mit zwei Toren und einer Vorlage für Nani und verhinderte damit einen Sieg der Ungarn, die bereits mit 1-0 und 2-1 geführt hatten.
Portugal drohte erstmals in der Gruppenphase einer Europameisterschaft auszuscheiden. Der dritte Platz dieser Ausgabe reichte allerdings für das Weiterkommen. Zudem traf Island im parallelen Gruppenspiel gegen Österreich in der 90+4. Minute zum Sieg, wodurch Portugal auf die „gute“ Seite des Turnierbaums gelangte.
Statt auf England zu treffen – danach wären Frankreich und Deutschland mögliche Gegner gewesen –, spielte die Nationalmannschaft im Achtelfinale gegen Kroatien. Nach 90 Minuten stand es erneut 0-0, ehe Ricardo Quaresma in der 117. Minute die Qualifikation sicherte.
Im Viertelfinale brachte Lewandowski die Polen früh in Führung. Renato Sanches, der beste junge Spieler der Euro2016, glich noch vor der Pause aus; beim 1-1 blieb es bis zum Elfmeterschiessen.
Torhüter Rui Patrício wurde zum „Helden“, als er den achten Schuss der Serie von Jakub Blaszczykowski parierte. Berühmt wurde in diesem Elfmeterschiessen Ronaldos Aufforderung „Schieß du, du schießt gut“ an João Moutinho, der zum 3-2 traf – am Ende stand ein 5-3.
Éder krönt Portugal im Finale der Euro2016
Portugal stand damit im Halbfinale und bekam es mit Gareth Bales Wales zu tun, das noch nie in dieser Phase eines grossen Turniers gewesen war. Die portugiesische Mannschaft nutzte diese Unerfahrenheit und feierte ihren einzigen klaren Sieg innerhalb von 90 Minuten.
Cristiano Ronaldo traf in der 50. Minute per Kopf aus luftiger Höhe, Nani legte fünf Minuten später nach. Beide kamen damit auf jeweils drei Turniertore und führten Portugal nach 12 Jahren wieder in ein Endspiel.
Frankreich war im eigenen Land der Favorit, nachdem es im Halbfinale auch Deutschland souverän mit 2-0 bezwungen hatte. Doch Portugal widerstand dem Druck, obwohl Ronaldo früh ausgefallen war, und holte den Sieg. Éder besiegelte ihn – und ist auch 10 Jahre später noch immer der Schütze des wichtigsten Tores in der Geschichte Portugals.
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