Zum Inhalt springen

Mathematik: Mit Basketball Brüche besser lernen

Ein Junge dribbelt Basketball in der Halle vor einem bunten Zahlenrad auf dem Boden.

Dänische Forschende haben gezeigt, dass bereits eine Stunde Basketball pro Woche ausreicht, damit Schülerinnen und Schüler bei Brüchen besser werden. Dieses Thema gilt als unerquicklich und hat vermutlich mehr wissenschaftliche Berufungen zunichtegemacht als jeder andere Abschnitt des Lehrplans der Sekundarstufe I.

Das Lernen von Brüchen, das tatsächlich schon in der Grundschule beginnt und in der weiterführenden Schule anspruchsvoller wird, ist ein entscheidender Übergang im Mathematikunterricht: weg von der konkreten Arithmetik hin zur mathematischen Abstraktion. An dieser großen Hürde sind viele von uns gescheitert. Unverdaulicher Unterricht, die Tyrannei des gemeinsamen Nenners, altmodische Textaufgaben über sich leerende Badewannen, monströse Brüche in Brüchen: Wer an diesem Punkt den Anschluss verliert, schleppt diese schwere Last mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die gesamte Schulzeit. Dabei bilden Brüche die Grundlage wissenschaftlichen Denkens.

Jacob Wienecke, Sportwissenschaftler an der Universität Kopenhagen, wollte diese Hürde nicht über die Klassenzimmertür, sondern mithilfe von Basketball angehen. In Verbindung mit dem Mathematiklernen verbessert diese Sportart die Leistungen mancher Schülerinnen und Schüler beim Verständnis von Brüchen deutlich, obwohl sie jahrelang daran gescheitert waren. Wienecke und sein Team veröffentlichten ihre Ergebnisse dazu am 6. Juni in der Fachzeitschrift Educational Psychology Review.

Mathematik: Skandinavisches Rezept für schwer verdauliche Brüche

An der Untersuchung nahmen mehr als 300 dänische Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis 13 Jahren teil. Sie wurden auf eine Gruppe verteilt, die den von den Forschenden organisierten Workshop besuchte, sowie auf eine Kontrollgruppe. Einmal wöchentlich spielten die Teilnehmenden des Workshops eine Stunde lang Basketball und beschäftigten sich dabei gleichzeitig mit Brüchen.

Die Schülerinnen und Schüler sollten zehnmal auf den Korb werfen, ihre Treffer zählen und das Ergebnis als Bruch darstellen – etwa 3/10 oder 7/10 –, bevor sie es in einen Prozentsatz umrechneten. Da der gemeinsame Nenner der Gesamtzahl ihrer gerade ausgeführten Würfe entsprach, wurde das Konzept für sie unmittelbar deutlich konkreter.

Basketball verbessert das Verständnis von Brüchen

Nach Abschluss des Experiments lagen die Ergebnisse der Workshopgruppe in den Tests zu Brüchen im Durchschnitt 15 % über denen der Kontrollgruppe. Für Wienecke deutet dies darauf hin, dass sich zwischen den beiden Disziplinen eine Brücke bauen lässt: „Ich bin überzeugt, dass Sport und körperliche Aktivität Schülerinnen und Schüler mit Mathematik versöhnen können, die sonst nichts dorthin zurückgebracht hätte“.

Brüche sind abstrakt, weil junge Menschen nicht länger Gegenstände zählen, sondern Beziehungen zwischen Zahlen denken müssen. Genau deshalb funktionierte Wieneckes Experiment so gut: Durch Handlung und unmittelbar erlebte Verhältnismäßigkeit erhält die Abstraktion einen Bezug zur Realität – etwas, das sich im Frontalunterricht nur sehr schwer oder gar nicht nachbilden lässt. Der Forscher erläutert: „Unsere Studie zeigt, dass es durchaus möglich ist, andere Disziplinen in den Sportunterricht einzuladen, und dass Kinder den Lernstoff auf grundlegend andere Weise erleben können, ohne ihre Motivation und ihre Freude am Lernen zu verlieren“.

Körperliche Aktivität und reflektierendes Denken verbinden

Natürlich müssten die untersuchten Schülergruppen ausgeweitet werden, um zu prüfen, ob sich diese Schlussfolgerung verallgemeinern lässt. Dennoch zeigt die Studie bereits, dass Bildungseinrichtungen durch die strikte Trennung von körperlicher Aktivität und reflektierendem Denken künstlich eine Spaltung zwischen Körper und Geist aufrechterhalten. Regelmäßig betriebener Sport fördert Konzentration, Arbeitsgedächtnis und die Plastizität des Gehirns. Diese kognitiven Funktionen sind beim Lernen naturwissenschaftlicher Fächer und erst recht in der Mathematik besonders stark gefordert.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen