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Sprunggelenk im Alter: Warum Stabilität beim Gehen wichtiger wird

Älterer Mann in grauen Shorts geht im Park, im Hintergrund joggt ein weiterer Mann, auf Bank sitzt Person in Arztkleidung.

Das Sprunggelenk erfüllt gleichzeitig zwei Aufgaben: Beim Auftreten fängt es das Körpergewicht ab und vor dem nächsten Schritt sorgt es für den Vortrieb. Diese beiden Anforderungen stehen einander teilweise entgegen.

Die meiste Zeit des Lebens bewältigt das Sprunggelenk beide Funktionen problemlos.

Australische Forschende begleiteten 107 gesunde Erwachsene vom mittleren 20. bis zum mittleren 80. Lebensjahr. Dabei zeigte sich, dass sich das Gleichgewicht zwischen den beiden Aufgaben mit zunehmendem Alter unauffällig verschiebt: Das Sprunggelenk priorisiert zunehmend das sichere Auftreten gegenüber dem Abstoß.

Diese Entscheidung, die sich über Jahrzehnte bei jedem einzelnen Schritt wiederholt, erklärt zu einem großen Teil, weshalb ältere Menschen langsamer gehen und beim Gehen früher ermüden.

Mit dem Alter werden sichere Landungen bevorzugt

An der Flinders University in Adelaide erfasste und analysierte das Forschungsteam die Gehmechanik über sechs Jahrzehnte des Erwachsenenlebens hinweg.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Cody Lindsay, ist am Caring Futures Institute der Universität auf Sport- und Bewegungstechnologie spezialisiert.

Nach Einschätzung von Dr. Lindsay kommt dem Sprunggelenk dabei eine besonders wichtige Rolle zu. Es steuert zugleich Gleichgewicht und Vorwärtsbewegung; mit zunehmendem Alter gewinnt die Stabilität an Gewicht.

„Mit zunehmendem Alter beginnt der Körper, Stabilität gegenüber Effizienz zu bevorzugen“, sagte Dr. Lindsay.

Dieser Kompromiss hilft Menschen, aufrecht zu bleiben. Zugleich wird alltägliches Gehen dadurch anstrengender als früher.

Das Team gewann gesunde Erwachsene aus einer großen Altersspanne für die Untersuchung und maß detailliert, wie jede Person ging.

Die festgestellten Veränderungen waren geringfügig und für beiläufige Beobachter nicht sichtbar. Über die gesamte Zeitspanne von sechs Jahrzehnten hinweg traten sie jedoch durchgängig und messbar auf.

Muskeln versteifen das Sprunggelenk

Die Aufzeichnungen zeigten Folgendes: Mit dem Alter werden Muskeln auf gegenüberliegenden Seiten des Sprunggelenks zunehmend gleichzeitig aktiv, anstatt sich abzuwechseln.

Eine Muskelgruppe zieht den Fuß nach oben, die andere streckt ihn nach unten. Spannen sich beide zugleich an, wird das Gelenk genau dann steif, wenn der Fuß den Boden berührt.

Diese Versteifung ist keine Fehlfunktion, sondern eine gezielte Anpassung. Ein starres Sprunggelenk bietet mehr Stabilität, weshalb der Körper beim Aufsetzen der Ferse weniger leicht wegknickt oder ausrutscht.

Das Nervensystem scheint ein abgestütztes, festes Aufsetzen als lohnenswerte Priorität zu behandeln.

Dafür entsteht jedoch ein Preis. Wenn beide Muskelgruppen gleichzeitig gegeneinander arbeiten – ein Muster, das als Kokontraktion bezeichnet wird –, fließt offenbar ein großer Teil der Anstrengung in die Stabilisierung des Gelenks, statt den Körper nach vorn zu bewegen.

Die Muskeln leisten mehr Arbeit, erzeugen aber weniger nutzbringende Bewegung.

Dieses Muster war bei älteren Erwachsenen bereits in statischen Gleichgewichtsaufgaben beobachtet worden. Frühere Untersuchungen hatten es jedoch nicht über den gesamten Gangzyklus hinweg bei gesunden Erwachsenen dieser breiten Altersspanne verfolgt.

Der Abstoß lässt beim Gehen langsam nach

Die zweite Veränderung zeigt sich am anderen Ende jedes Schritts. Normales Gehen ist stark auf einen kräftigen Abstoß angewiesen, wenn der Fuß den Boden verlässt; dieser Impuls liefert den größten Teil des Vortriebs. Bei den älteren Teilnehmenden war dieser Abstoß deutlich schwächer ausgeprägt.

Ein geringerer Abstoß führt zu kürzeren Schritten und einem langsameren Tempo.

Forschende wussten bereits seit Langem, dass die Leistung des Sprunggelenks im Alter abnimmt und der Körper dies durch eine stärkere Nutzung der Hüfte ausgleicht – eine Verlagerung, die in früheren Arbeiten untersucht wurde.

Die Studie der Flinders University präzisiert dieses Bild, indem sie zeigt, wie der nachlassende Abstoß mit der Versteifung desselben Sprunggelenks zusammenhängt.

Beide Veränderungen ergeben gemeinsam ein stimmiges Gesamtbild: Beim Auftreten stützt sich das Sprunggelenk stärker ab, beim Abstoß gibt es dagegen einen Teil seines Vortriebs auf.

Das Nervensystem entscheidet sich für Stabilität

Der Mitautor Associate Professor Maarten Immink, Leiter des Active Lives Research Program am Institut, versteht die Ergebnisse als Teil einer umfassenderen Veränderung der Bewegungssteuerung im Alter.

Das Sprunggelenk verschleißt nicht einfach: Das Nervensystem kalibriert sich aktiv neu und setzt Stabilität vor Vorwärtsmomentum.

Dieser Instinkt schützt vor dem unmittelbarsten Risiko: einem Sturz. Doch diese Schutzstrategie bringt weniger auffällige Nachteile mit sich, die sich im Lauf der Zeit summieren.

Längere Spaziergänge beanspruchen Menschen stärker, und Erschöpfung tritt früher ein. Zudem kann der Körper sich nach einem Beinahe-Stolpern langsamer abfangen; eine verzögerte Erholung nach einem Wackler entscheidet oft darüber, ob jemand aufrecht bleibt.

Menschen könnten feststellen, dass sie sich auf unebenem Untergrund weniger sicher fühlen oder auf Flächen an Selbstvertrauen verlieren, die sie früher ohne weiteres Nachdenken begingen.

Was die Ergebnisse für die Sturzprävention ändern

Programme zur Sturzprävention betrachteten Muskelkraft bislang meist als zentrales Ziel: Werden die Muskeln gestärkt, folgt die Stabilität. Die Erkenntnisse aus Flinders machen dieses Bild komplexer.

Liegt das grundlegende Problem darin, wie Muskeln während jedes Schritts zusammenarbeiten – wann sie aktiviert werden, welche Gruppen gleichzeitig arbeiten und wie das Sprunggelenk seine gegensätzlichen Aufgaben steuert –, dann erfasst reiner Kraftaufbau nur einen Teil der tatsächlichen Veränderungen.

Die Forschenden sprechen sich daher für Übungen aus, die neben der Kräftigung des Unterschenkels auch Koordination und Gleichgewicht fördern. Dabei sollten der Zeitpunkt der Aktivierung und das Zusammenspiel der Muskeln berücksichtigt werden, nicht allein die Kraft.

Damit rückt ein anderer Schwerpunkt in den Vordergrund, als ihn die meisten aktuellen Programme setzen.

Regelmäßige Bewegung, Gleichgewichtsübungen wie Tai Chi und Aktivitäten, die die Koordination im Bereich der Unterschenkel fordern, unterstützen dieses Ziel.

Der allgemeine Nutzen eines gleichgewichtsorientierten Trainings bei älteren Erwachsenen wird durch eine eigene Evidenzbasis gestützt.

Kleine, kontinuierliche Gewohnheiten sind gelegentlichen intensiven Anstrengungen meist überlegen, wenn es darum geht, Koordination über Jahre zu erhalten statt nur für kurze Zeit Höchstleistungen zu erzielen.

Ein neues Ziel für gesundes Altern

Die Studie liefert eine genaue Erklärung dafür, wo diese Veränderung ihren Ursprung hat.

Die beiden Funktionen des Sprunggelenks – Belastungen abfangen und Vortrieb erzeugen – stehen von Natur aus miteinander im Widerstreit. Das Alter verschiebt dieses Verhältnis zugunsten der Stoßabsorption, und Forschende können diesen Wandel nun über den gesamten Schritt hinweg nachvollziehen.

Diese Genauigkeit eröffnet Behandelnden gezieltere Möglichkeiten. Rehabilitationsprogramme können die konkreten Koordinationsmuster angehen, die sich mit dem Alter verändern, anstatt langsameres Gehen als vage und unvermeidliche Folge des Älterwerdens zu behandeln.

Stürze bei älteren Erwachsenen zählen weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen und den Verlust von Selbstständigkeit. Die Veränderungen der Sprunggelenkmechanik, die einem Sturz vorausgehen, geben Forschenden nun jedoch einen konkreten Ansatzpunkt.

Für alle, die diese Veränderungen bei sich selbst oder einer bekannten Person beobachten, zeichnet die Studie kein Bild des Versagens, sondern der Anpassung.

Der Körper entscheidet sich beim gesunden Altern für Vorsicht statt Geschwindigkeit und bevorzugt den Schritt, der sicher landet, gegenüber dem Schritt, der am weitesten führt.

Zu wissen, wo dieser Kompromiss entsteht – und dass er trainiert werden kann –, verändert, was als Nächstes geschieht.

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