Herzlichen Glückwunsch an Ligier – die legendäre französische Motorsportschmiede und gelegentliche Erfinder teekannenartiger Rennwagen –, die in dieser Woche einen lange bestehenden Nürburgring-Rekord pulverisiert hat.
Die französischen Journalisten Nicolas Meunier und Martin Coulomb umrundeten die Grüne Hölle im Diesel-Mikroauto JS50 der Marke in 28 Minuten und 28,5 Sekunden. Ligier verkündet stolz, dies sei die langsamste offizielle Runde aller Zeiten auf dem Nürburgring. Damit unterbot man den mehr als sechs Jahrzehnte alten Rekord eines Trabant P60 um über zwölf Minuten.
Ligier JS50: Führerscheinfreies Mikroauto mit acht PS
In Frankreich ist der JS50 als „führerscheinfreies Auto“ eingestuft und darf dort bereits ab 14 Jahren ohne Führerschein gefahren werden. Seine Dieselversion leistet aus 500 cm³ Hubraum furchteinflößende acht PS und erreicht lediglich 45 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Nach Darstellung von Ligier erinnerte der Nürburgring-Rekord – vermutlich mit fest an die Wange gepresster Zunge – „an seine glorreiche Geschichte in der Formel 1“. Der Rekord-JS50 erhielt ein prächtiges Karosserie-Kit samt Dekorfolierung, die bekanntlich mindestens zehn Sekunden pro Runde bringt. Was, genau genommen, das Letzte gewesen wäre, das Ligier hier gebrauchen konnte.
Top Gear findet solche rekordjagenden Albernheiten großartig – ebenso wie das Video mit seinem wahrhaft epischen Soundtrack, mit dem Ligier die Leistung gefeiert hat.
Eine langsame Nürburgring-Runde – aber langsam genug?
Trotzdem muss Top Gear fragen: Hat Ligier sich dabei wirklich ausreichend angestrengt? 28 Minuten sind zweifellos eine beeindruckend gemächliche Zeit, besonders angesichts der Tatsache, dass ein Mercedes-AMG One die Nordschleife in sechseinhalb Minuten schafft.
Wenn die Mathematik von Top Gear stimmt, fuhr der JS50 auf der 20,8 km langen Grünen Hölle jedoch mit einem Durchschnittstempo von rund 44 km/h. Daraus folgt, dass die Herren Meunier und/oder Coulomb das Gaspedal während fast der gesamten Runde wohl bis zum Anschlag durchgedrückt hatten. Hätten sie nicht eine noch langsamere Zeit fahren können, indem sie – nun ja – langsamer gefahren wären? Oder indem sie irgendwo bei Pflanzgarten für ein entspanntes Picknick angehalten hätten?
Worauf wir hinauswollen: Mit etwas mehr Hingabe an extreme Trägheit hätte Ligier noch erheblich mehr Langsamkeit abschöpfen können. Vielleicht lag der Fehler darin, zwei ambitionierte Motorjournalisten ans Steuer zu setzen, statt etwa ein Mitglied eines abgelegenen Regenwaldstamms zu wählen, das zuvor noch nie einem Auto begegnet war. Oder ein besonders phlegmatisches Dreifingerfaultier.
Hätte Ligier eine noch spektakulärere Demonstration der Antriebslosigkeit hinbekommen können, indem man den Kofferraum des JS50 – sofern der JS50 überhaupt einen besitzt, was sich vermutlich schnell prüfen ließe, aber ach, das Leben ist zu kurz – mit Dachdeckerblei beladen hätte? Hätte man auf dem Dach eine Art primitive Segelkonstruktion errichten können, um den Luftwiderstand zu erhöhen? Oder hätte man, erneut gesagt, einfach etwas langsamer fahren können?
Rekord für die langsamste Nürburgring-Runde
Vielleicht hätte das nicht dem Geist fairen Wettbewerbs entsprochen. Doch wie Top Gear stets sagt: Wer sich im Bereich des behäbigen Motorsports wirklich einen Namen machen möchte, muss bereit sein, die Regeln ein wenig auszureizen.
Tatsächlich hat Ligier mit dem Anspruch auf die langsamste Nürburgring-Runde aller Zeiten vielleicht vorschnell gehandelt. Denn auf die Gefahr hin, zu philosophisch zu werden: Ist die langsamste Nürburgring-Runde nicht jene, die noch gar nicht beendet ist?
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