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FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026: Die Klimakosten der Fanreisen

Junger Mann mit Reisepass und Wasserflasche am Flughafen vor Fenster mit Landkarte, Fußball und Flugzeugen.

Die grösste Klimabelastung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 dürfte nicht durch die Spiele selbst entstehen, sondern durch die Anreise von Millionen Fans zu den Stadien.

Eine neue Studie veranschlagt die Emissionen des Turniers auf rund 4,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Mehr als 80 % dieser Emissionen dürften auf die Reisen der Zuschauerinnen und Zuschauer entfallen, überwiegend auf Flugreisen.

Das Ergebnis bietet Veranstaltern eine Grundlage, um den Nutzen eines Events gegen die verursachten Klimaschäden abzuwägen und zu bestimmen, wer die Kosten tragen sollte.

Zugleich wird deutlich: Die grössten Emissionsminderungen betreffen weder Bühne noch Spielfeld, sondern die Art, wie Fans anreisen.

Quellen der Emissionen

Grosse internationale Veranstaltungen stehen seit Langem wegen ihres hohen CO₂-Fussabdrucks in der Kritik. Besonders häufig richtet sich diese Kritik gegen das wichtigste Fussballturnier der Welt.

Ein Team von Ökonomen wollte genau quantifizieren, woher diese Klimaschäden stammen.

Professor Shaun Larcom von der University of Cambridge entwickelte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine Methode, um die tatsächlichen Emissionen einer Veranstaltung zu ermitteln.

Erprobt wurde sie anhand zweier sehr unterschiedlicher Beispiele: der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko sowie Coldplays Europatournee 2024.

Bei der Weltmeisterschaft entsteht fast der gesamte Schaden durch den Transport von Menschen, nicht durch Bau, Betrieb oder Infrastruktur.

Die hohen Kosten des Fliegens bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026

Reisen verursachen etwa 82 % der erwarteten Emissionen, wobei internationale Flüge den grössten Einzelposten bilden.

Der verbleibende Anteil fällt kaum ins Gewicht: Stadien, Hotels und Verpflegung machen zusammen weniger als ein Fünftel aus.

Auch pro Person ist das Ausmass deutlich. Im Durchschnitt werden Besuchende für rund 1,8 Tonnen Kohlendioxid verantwortlich sein – ungefähr ein Drittel dessen, was ein durchschnittlicher Europäer in einem gesamten Jahr ausstösst.

Coldplays Tournee zeigt dasselbe Muster noch ausgeprägter. Rund 97 % ihrer Emissionen gingen auf die Anreise der Fans zurück, während der Tourbetrieb der Band selbst nur etwa zwei Prozent verursachte.

Dieses Muster ist gut belegt. Eine Untersuchung zu deutschen Fussballfans ergab, dass allein die Spieltagsfahrten einer Saison Hunderttausende Tonnen Kohlenstoff verursachten, grösstenteils durch Autofahrten.

Wert im Verhältnis zum Schaden

Um zu beurteilen, ob der Nutzen einer Veranstaltung ihren Klimaschaden rechtfertigt, benötigten die Forschenden einen Wert für den geschaffenen Nutzen.

Diesen leiteten sie aus den Märkten für weiterverkaufte Tickets ab. Zahlen Fans deutlich mehr als den Nennwert, zeigt die Differenz, welchen Wert ihnen das Erlebnis tatsächlich hat.

Bei Coldplay lagen die Wiederverkaufspreise im Schnitt fast beim Fünffachen des ursprünglichen Ticketpreises. Die Nachfrage der Fans war offensichtlich hoch.

Bei 1,9 Millionen Tickets entspricht das einem zusätzlichen Wert von ungefähr 860 Millionen US-Dollar über den gezahlten Preis hinaus – eine Summe, welche die Klimakosten der Tournee weit übertrifft.

Dem steht der Preis des ausgestossenen Kohlenstoffs gegenüber. Ökonomen schätzen die „sozialen Kosten von Kohlenstoff“ als Dollarbetrag für die Schäden, die jede Tonne durch Hitze, Ernteverluste und steigende Meeresspiegel verursacht.

Klimaschäden berechnen

Fast überall auf der Welt verlangen Märkte deutlich weniger als diese geschätzten Kosten. Eine häufig zitierte Studie setzte den Wert bei etwa 185 US-Dollar pro Tonne an, also ungefähr beim Dreifachen dessen, was US-Behörden damals ansetzten.

Mit diesen Werten berechnet, beläuft sich der Klimaschaden der Weltmeisterschaft auf rund 790 Millionen US-Dollar; Coldplays nicht reduzierte Tournee käme auf nahezu 20 Millionen US-Dollar.

Verglichen mit dem Wert, den Fans dem Besuch beimessen, liegen beide Veranstaltungen dennoch deutlich vorn.

Der Nutzen von Coldplays Tournee übersteigt ihre Klimakosten um ungefähr das 50-Fache. Bei der Weltmeisterschaft ist der Vorsprung mit etwa drei zu eins wesentlich kleiner.

Dieser geringere Abstand macht das Turnier anfälliger für höhere CO₂-Preise.

Sobald Kohlenstoff mit rund 550 US-Dollar pro Tonne bewertet wird, kippt das Turnier in einen Nettoverlust – nahe dem oberen Ende veröffentlichter Schätzungen.

Coldplays Tournee müsste dagegen mit einem um ein Vielfaches höheren Wert rechnen, um denselben Punkt zu erreichen.

Verantwortung teilen

Der Grossteil dieses Schadens ergibt sich aus Entscheidungen, die Fans selbst treffen. Sie wählen etwa den Abflughafen oder entscheiden, ob sie mit dem Auto fahren oder den Zug nehmen.

Dadurch ist es schwierig, Verantwortung eindeutig zuzuweisen. Würde man sie jedoch vollständig den Fans übertragen, könnten Veranstalter die Emissionen ignorieren, die ihr Event überhaupt erst verursacht.

Larcom und seine Kolleginnen und Kollegen sind der Ansicht, dass beide Seiten die Last teilen sollten. Coldplay veranschaulicht, wie das aussehen kann.

Die Band verringerte ihren gesamten Fussabdruck um fast die Hälfte, doch fast keine dieser Einsparungen stammte aus einer Bereinigung des eigenen Betriebs.

Umweltfreundlichere Anreise

Die entscheidenden Verbesserungen entstanden, weil Fans mit einer App zu klimafreundlicheren Reisen bewegt wurden, die CO₂-ärmere Wege belohnte.

Die Sorge über die Klimafolgen grosser Veranstaltungen nimmt zu. Eine Analyse kam zu dem Ergebnis, dass die Ausrichtung Olympischer Spiele die Emissionen eines Landes messbar beeinflusst.

Bei der Weltmeisterschaft ist der Veranstaltungsort der wichtigste Hebel, weil rund 82 % der Emissionen auf Reisen zurückzuführen sind.

Der Veranstaltungsort ist entscheidend

Etwa 40 % der internationalen Fans reisen aus Europa an. Würde ein grösserer Teil des Turniers dort stattfinden, liessen sich Langstreckenflüge deutlich reduzieren.

Die Schäden direkt bezahlen zu lassen, ist schwieriger gerecht zu gestalten. Würden die vollständigen CO₂-Kosten in die Ticketpreise eingerechnet, kämen auf einen Coldplay-Platz etwa 11 US-Dollar und auf ein Weltmeisterschaftsticket rund 114 US-Dollar hinzu.

Eine solche Pauschale belastet günstigere Tickets besonders stark. In den niedrigsten Kategorien der Weltmeisterschaft könnte sie den Betrag übersteigen, den viele Fans zu zahlen bereit wären.

Kompensationszahlungen für CO₂-Emissionen setzen die Forschenden ans Ende ihrer Liste: Sie seien nur für Emissionen sinnvoll, die sich auf keine andere Weise vermeiden liessen.

Veränderungen sind möglich

Die Studie verdeutlicht einen Punkt: Das Klimaproblem von Mega-Events sitzt auf den Rängen, nicht auf dem Spielfeld.

Nun gibt es eine einheitliche Methode, diesen Schaden dem Wert gegenüberzustellen, den Menschen ihrer Teilnahme beimessen. Veranstalter müssen nicht länger schätzen, ob ein Event seinen ökologischen Fussabdruck rechtfertigt.

Daraus ergeben sich praktische Möglichkeiten. Die FIFA könnte die von Coldplay genutzten Reiseanreize übernehmen, Fans für klimafreundlichere Wege belohnen und Spiele räumlich bündeln, um Flugstrecken zu verkürzen.

Der knappe Vorsprung des erweiterten Turniers ist zugleich eine Warnung. Eine grössere Weltmeisterschaft schafft zwar zusätzlichen Wert, doch ihre Klimakosten überwiegen ihren Nutzen.

Die übergeordnete Erkenntnis ist einfach: Unterhaltung klimafreundlicher zu machen, hängt weniger von der Show als von der Reise dorthin ab.

Bei Veranstaltungen, die Menschen über Ozeane hinweg anziehen, liegt der sicherste Gewinn darin, diesen Menschen eine andere Anreise zu ermöglichen oder das Event näher an den Orten auszurichten, an denen sie bereits leben.

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