Wissenswert: 1985 erwog Toyota, den MR2 zu einem Gruppe-B-Rallyewagen umzubauen. Eine Reihe von Prototypen entstand gerade noch rechtzeitig, bevor die legendär wilde Rennserie eingestellt wurde. Ich dachte nicht, dass ich den ursprünglichen MR2 noch mehr lieben könnte – bis ich auf dieses kleine Detail stiess.
Noch eine bemerkenswerte Tatsache: Lotus übernahm die Abstimmung des Fahrwerks für den ersten MR2. Als ich das erfuhr, war alles klar, denn dieser kleine Wagen fährt sich einfach wunderbar. Doch bevor wir dazu kommen, weshalb bedeutet mir dieses kantige kleine Coupé so viel?
Toyota MR2: Erinnerungen aus der Studienzeit
Mitte der 1990er-Jahre schrieb ich während meines Studiums eine Autokolumne für die Studentenzeitung. Freunde um eine kurze Probefahrt mit ihrem Nova, Fiesta oder dem klapprigen Volvo ihrer Mutter zu bitten, hätte jedoch unangenehme Fragen zur Versicherung aufgeworfen. Also fuhr ich zu den Gebrauchtwagenhändlern im nahen Stoke-on-Trent und schaute, was sich organisieren liess.
Fotografie: Dean Smith
Ein Fiat Coupé Turbo blieb besonders in Erinnerung – vor allem wegen meiner ersten Lektion über Antriebseinflüsse in der Lenkung. Dazu kam ein entsprechender Beinahe-Zusammenstoss mit einer Verkehrsinsel, die mich aufforderte, links zu bleiben. Ich versuchte zwar, beim Herausfahren aus dem Kreisverkehr auf meiner Spur zu bleiben, doch das Auto schien davon deutlich weniger überzeugt. Der junge Verkäufer fragte mit zittriger Stimme, ob wir nun bitte wieder zurückfahren könnten, vielen Dank.
Nach diesem Denkzettel hielt ich jedes Auto mit mehr als 100bhp für eine völlige Gefahr und begegnete ihnen stets mit ebenso viel Nervosität wie Vorfreude. Dann fuhr ich einen zehn Jahre alten MR2. Was für ein Schatz. Er war so leichtfüssig und unkompliziert zu fahren, so zugänglich und präzise. Er sprach mit mir und animierte mich zum Fahren – auf eine Art, wie es mein VW Scirocco nie getan hatte.
Seitdem bin ich keinen mehr gefahren. An die nahezu senkrechte Handbremse und den wie ein erhobener Daumen geformten Schalthebel erinnerte ich mich noch, nicht aber an das prägendste Detail des Innenraums: die massiven Dreh- und Hebelregler auf den Verkleidungen beiderseits des Lenkrads. Hübsch sind sie nicht, ergonomisch jedoch hervorragend.
Das kantige Design und das Lotus-Fahrwerk des MR2
Abgesehen davon erkennen eigentlich nur die Luftausströmer und das Lenkrad irgendwo im MR2 an, dass es Kurven gibt und Linien nicht zwingend gerade sein müssen. Das Interieur besteht aus einer Ansammlung von Kästen, die Karosserie aus einem Keil.
Optisch ist er etwas unbeholfen – man versteht, weshalb der niedliche MX-5 dort erfolgreich war, wo dieser Wagen es nicht war. Zugleich zeigt der Toyota, dass der Mazda nicht aus dem Nichts kam. Dieses fünf Jahre ältere Auto dürfte Mazda den Weg zum Erfolg gewiesen haben – und auch den Weg nach Norfolk. Toyota beauftragte Lotus lediglich damit, den MR2 zu verfeinern, während Mazda den ursprünglichen Elan komplett kopierte.
Der 1,6-Liter-Twincam-Vierzylinder sitzt quer direkt an der hinteren Spritzwand und schickt 122bhp über ein Fünfgang-Schaltgetriebe an die Hinterräder. Er klingt drehfreudig und zieht bei einem Gewicht von ziemlich genau einer Tonne kräftig über 7.000rpm hinaus. Das Ergebnis ist ein lebhaftes, unterhaltsames Auto. Natürlich neigt er sich spürbar in Kurven, doch er verliert weder die Fassung noch wird er unberechenbar.
Die zweite MR2-Generation verlor anfangs ihren Kurs. Erst mit dem Roadster der dritten Generation im Jahr 1999 erlangte der MR2 seinen Ruf für exzellentes Handling zurück. Zu diesem Zeitpunkt war es allerdings zu spät, und 2007 fiel endgültig der Vorhang.
Meist erinnern sich die Menschen an die zweite Generation des MR2, gefeiert werden sollte aber dieser hier. Genau wie der AE86 zeigte der MR2 der Welt auf leise Weise, dass Toyota weit mehr sein sollte als ein langweiliger Hersteller von Corollas und Carinas.
Vielleicht hätte das Gruppe-B-Programm ihm mehr Ansehen verschafft: Der Prototyp soll ein mit Koenigsegg vergleichbares Leistungsgewicht von 1:1 gehabt haben, mit 750bhp bei 750kg. Angeblich war er eine komplette Gefahr – ganz wie ich damals in jenem Fiat.
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