Liberty Walk ist kein Unternehmen, das davor zurückschreckt, anzuecken. Über die Jahre hat der legendäre Tuner Wataru Kato mit dem Winkelschleifer, Nieten und Breitbau-Kits höchst umstritten alles bearbeitet – vom Ferrari F40 über den Lamborghini Miura bis hin zu Nissan Skylines für Lando Norris. Nun betritt er jedoch Neuland – und möglicherweise sein bislang kontroversestes: die Formel E.
Liberty Walk beim Tokyo E-Prix
An diesem Wochenende setzt Andretti beim Tokyo E-Prix zwei Formel-E-Autos im Liberty-Walk-Look ein, denn offenbar drohte ein Doppelrennen bei Nacht in Japan allzu zurückhaltend zu werden. Wen ruft man also, wenn etwas mehr Würze gefragt ist? Kato-san.
Die technischen Regeln der Formel E zeigen sich allerdings wenig begeistert von Radhäusern mit eigenem Wettersystem und so viel negativem Sturz, dass man damit Käse schneiden könnte. Gründer Wataru Kato musste sich deshalb darauf beschränken, die Fahrzeuge zu folieren.
Das Liberty-Walk-Design stammt von einem R34 GT-R und verströmt einen alles andere als dezenten Fast and Furious-Eindruck: Chrom und Blau. Aufgetragen wurde es auf die Andretti Porsche 99X Electric GEN3 Evo von Jake Dennis, dem britischen Formel-E-Champion, sowie Formel-E-Neuling Felipe Drugovich. Beim Double-Header an Tokios neonbeleuchteter Bucht soll das Chromfinish unter den Flutlichtern von Tokyo Big Sight besonders aufflammen, wo die Formel E ihr erstes Nachtrennen in Japan veranstaltet.
Formel E GEN4: mehr Leistung für 2026/27
Diese Zusammenarbeit kommt für die Formel E zu einem günstigen Zeitpunkt. Der kommende GEN4-Rennwagen hatte beim Goodwood Festival of Speed ein ungewöhnlich öffentliches Wochenende: Dan Ticktum wurde im Timed Shootout mit einer Runde von 42.46 Sekunden Zweiter und rückte die Formel E damit weiter ins Rampenlicht.
Der GEN4, der später in diesem Jahr für die Saison 2026/27 kommt, leistet im Renntrimm 50 per cent mehr als der GEN3 Evo: 450kW – etwa 603bhp. Im Attack Mode steigt die Leistung auf 600kW beziehungsweise rund 804bhp; das sind 71 per cent mehr, als das aktuelle Auto liefern kann. Goodwood zeigte, wie schnell er tatsächlich ist: Der Sieg wurde um weniger als eine halbe Sekunde verpasst, zugleich fuhr das Auto die fünftschnellste Shootout-Zeit in der Geschichte Goodwoods. Noch besser: Es sieht nun wie ein echtes Rennauto aus – ein enormer Gewinn.
Enger Titelkampf vor Tokio
Der vorletzte Einsatz der aktuellen Fahrzeuggeneration könnte mindestens ebenso spannend werden, denn die Meisterschaft ist zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich offen. Pascals Wehrlein von Porsche führt mit 141 Punkten, doch Jaguars Mitch Evans liegt nur neun Zähler zurück. Oliver Rowland ist mit 114 Dritter, vor António Félix da Costa mit 111, Jake Dennis mit 109 und Edoardo Mortara mit 103.
Damit trennen die ersten sechs lediglich 38 Punkte, während allein bei den beiden Tokio-Rennen 58 zu holen sind. Eine schlechte Qualifying-Session, ein Kontakt mit der Betonmauer oder ein ungünstig eingesetzter Attack Mode könnte die Tabelle vor der Ankunft aller Beteiligten in London vollständig auf den Kopf stellen. Auf wen setzt du?
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