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Honda Civic Type-R: Erste Fahrt im Prototyp

Schwarzer Honda Civic fährt auf Landstraße vor bewaldetem Hügel im Sonnenlicht.

Nachdem Honda der Formel 1 und schnellen Autos den Rücken gekehrt hatte, als ein Haufen Bankidioten 2008 offenbar die Welt in die Steinzeit zurückbefördern wollte, verliefen die folgenden rund fünf Jahre ausgesprochen glanzlos. Doch mit dem neuen NSX, der in etwa einem Jahr erwartet wird, und dem ab 2015 fest vereinbarten Formel-1-Motorenvertrag mit dem langjährigen Partner McLaren ist der verlorene Schwung eindeutig wieder da.

Auch abseits der Rennstrecke gibt es Erfreuliches. Wer Hondas großartigen Film zum Civic Type-R vor einigen Monaten gesehen hat, dürfte zwei wesentliche Erkenntnisse mitgenommen haben. Erstens: Nach einigen Jahren im Fegefeuer kommt tatsächlich ein neuer Civic Type-R. Zweitens: Er sieht aus und klingt, als wäre er ein herrlich durchgeknallter Turbo-Irrer alter Schule.

Honda Civic Type-R: erster Eindruck vom Prototyp

Jetzt wissen wir es genauer: topgear.com durfte einen Prototypen vier Runden über Hondas Teststrecke in Tochigi bewegen. Und wenn wir dabei nur eines herausgefunden haben, dann dies: Der Wagen ist ein hervorragendes Mittel gegen Jetlag. Eigentlich ist er weniger ein Auto als eine Naturgewalt.

Die Japaner mögen mitunter schwer zu durchschauen sein, doch der Auftrag des neuen Civic Type-R könnte kaum eindeutiger formuliert sein: Seine Entwickler geben keine Ruhe, bevor er der schnellste Kompaktsportler auf dem Nürburgring ist. Genauer gesagt wollen sie erst dann nach Hause gehen, wenn er die Nordschleife in weniger als acht Minuten umrundet. WTCC-Pilot Gabriele Tarquini nähert sich diesem Ziel bereits an – eine enorme Leistung für einen frontgetriebenen Kompaktwagen mit 2,0-Liter-Motor.

Die höllische Vielfalt an Kurven und Richtungswechseln der Nordschleife steht uns heute zwar nicht zur Verfügung. Die Stärke des neuen Type-R zeigt sich jedoch sofort, sobald der Fuß das Kupplungspedal berührt. Allein die Tatsache, dass es ein Kupplungspedal statt Schaltwippen gibt, zählt dabei schon. Sein Ansprechen sowie die Betätigungskräfte aller übrigen Hauptbedienelemente wirken angenehm direkt und entschlossen. Type-R-Fans werden außerdem begeistert sein, dass der Schaltknauf aus Titan zurückkehrt, während die stark stützenden Semi-Rennsitze ebenfalls überzeugen. Kurz gesagt: Alles fühlt sich richtig an.

Turboantrieb mit mindestens 280bhp

Unter der Haube arbeitet ein völlig neuer 2,0-Liter-Vierzylinder mit Direkteinspritzung, einem Turbolader, VTEC und variabler Steuerzeitenregelung. Er leistet – und das ist der entscheidende Punkt – mindestens 280bhp. Projektleiter Suechiro Hasshi lässt sich auf keine präzisere Angabe festnageln. „Wie viel Leistung? Es sind 280bhp. Tatsächlich mehr als 280. Die Leute sagen, das sei wegen der aktuellen Fahrwerkstechnik und der Performance die Grenze. Aber mehr ist … nicht unmöglich.“

Damit wäre diese Frage also keineswegs abschließend geklärt.

Um den Type-R sauber vom Start weg in Bewegung zu setzen, braucht es genau das richtige Maß an Feingefühl – ein weiterer Hinweis darauf, dass dies ein echtes Fahrerauto ist. Das Getriebe lässt sich locker aus dem Handgelenk schalten, auch wenn es nicht die Mechanik eines Gewehrverschlusses besitzt, und bei niedrigen Drehzahlen macht sich etwas Turboloch bemerkbar. Danach erwacht der Motor allerdings wie ein kleines Tier, dem etwas Scharfes auf den Hintern gestrichen wurde. Zwischen 2000 und 5000 U/min liegen knapp 407 Nm Drehmoment an, und die rote Linie nähert sich auf süchtig machende, turbogeladene Weise. Ein von Grün auf Rot wechselndes Lichtband im Kombiinstrument kündigt sie an. Von Antriebseinflüssen in der Lenkung ist kaum etwas zu spüren, also muss Hondas Arbeit an der Vorderachse effektiv sein. (Auch darüber verrät Hasshi nichts.) Der Motor schiebt enorm kräftig und druckvoll an.

Fahrwerk, R-Modus und Aerodynamik

Der Type-R behält die Verbundlenker-Hinterachse des Serienmodells. Das dürfte ihm letztlich die letzte Ausgewogenheit eines Focus ST oder Golf GTI mit Mehrlenkerkonstruktion verwehren. Entsprechend straff wirkt er selbst auf dem glatten Asphalt von Tochigi – wie sich das auf einer aufgeplatzten britischen Landstraße anfühlen wird, weiß der Himmel. Dafür besitzt er eine fantastisch präzise Vorderachse, lenkt hervorragend ein und vermittelt ein ausgesprochen stimmiges Gesamtgefühl. Drückt man die kleine „R“-Taste neben der Lenksäule, werden die Lenkung schwerer, die Gasannahme schärfer, die Eingriffsschwelle der Traktionskontrolle niedriger und die Dämpfer noch weniger nachgiebig. Plötzlich erscheint eine Zeit von unter acht Minuten auf der Nordschleife durchaus erreichbar.

Auch optisch macht der Type-R einiges her: kantig, angriffslustig und regelrecht bösartig, besonders im mattschwarzen Finish des Entwicklungsfahrzeugs. Offenbar ist viel Entwicklungsarbeit in die Aerodynamik geflossen. Laut Hasshi-san läuft sie weiter, um die optimale Balance und Stabilität zu erzielen. Form und Gestaltung des Heckflügels werden noch angepasst, und obwohl das Testfahrzeug auf 19-Zoll-Felgen mit Continental-Reifen der Größe 235/35 unterwegs ist, entwickelt Honda für das Serienmodell neue Reifen.

Noch einige weitere Details: Trotz Hondas Kompetenz auf diesem Gebiet stand ein Hybridantrieb nie zur Debatte. Um Gewicht zu sparen, wird das finale Auto einige Aluminiumteile erhalten. Zudem strebt der Civic Type-R die besten CO2-Werte seiner Klasse an.

„Er wird noch aggressiver werden“, ergänzt Hasshi lächelnd.

Soweit wir erkennen können, gibt es nur einen Nachteil: Der verdammte Wagen kommt erst Mitte 2015 in den Handel.

**Bilder:* Jamie Lipman*

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