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Radfahren: Vorteile für Gehirngesundheit und Langlebigkeit

Frau mit Helm fährt Fahrrad auf Weg entlang eines Flusses, im Hintergrund zwei weitere Radfahrer.

Am 19. August rückt der Nationale Tag des Radfahrers das Fahrrad in einen grösseren Zusammenhang: als Verkehrsmittel, Form körperlicher Aktivität und möglichen Verbündeten für die Gesundheit während des gesamten Lebens. Aktuelle Forschung liefert zusätzliche Hinweise darauf, dass Bewegung nicht nur mit mehr Selbstständigkeit im Alltag verbunden ist, sondern auch mit besseren Werten für Langlebigkeit und den Erhalt der Gehirnfunktion.

Die in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlichte Studie „Aktive Fortbewegungsart, neu auftretende Demenz und Gehirnstruktur“ zeigte, dass Wege mit dem Fahrrad – allein oder in Kombination mit anderen aktiven Verkehrsmitteln – mit einem um 19 % niedrigeren Risiko für Demenz jeglicher Ursache sowie einem um 22 % niedrigeren Risiko für Alzheimer verbunden waren. Der Neurologe Dr. Philipe Marques da Cunha, Dozent an der Afya Educação Médica Belo Horizonte, erklärt, dass dafür mehrere körperliche und geistige Mechanismen zusammenspielen.

„Neben den bereits bekannten Vorteilen körperlicher Aktivität, etwa der Verbesserung der Gehirndurchblutung, der Verringerung von Faktoren, die mit Entzündungen zusammenhängen, und der Anregung der Ausschüttung von Stoffen, die die Plastizität der Nervenzellen fördern, verlangt das Fahrradfahren auch Gleichgewicht, motorische Koordination, Aufmerksamkeit und Planungsfähigkeit. Radfahren bietet somit gleichzeitig körperliche und kognitive Reize“, sagt er.

Gesunde Gewohnheiten schützen das Gehirn ein Leben lang

Der Studie zufolge lag die damit verbundene Risikoreduktion bei früh einsetzender Demenz, die vor dem 65. Lebensjahr diagnostiziert wird, bei 40 %; bei spät einsetzender Demenz ab 65 Jahren betrug sie 17 %. Dr. Philipe Marques Cunha betont, dieses Ergebnis sei besonders wichtig, weil es die Bedeutung des Lebensstils für die Gehirngesundheit während des gesamten Erwachsenenlebens unterstreiche – nicht erst im höheren Alter.

Nach Angaben des Arztes hängen viele Alzheimer-Fälle mit fehlenden gesunden Gewohnheiten in der Jugend zusammen. „Jüngere Menschen mit Übergewicht sollten beispielsweise aufmerksam sein, denn dabei handelt es sich um eine chronische metabolische und entzündliche Erkrankung, die verschiedene Organe einschliesslich des Gehirns beeinträchtigen kann. Fettgewebe, insbesondere im Bauchbereich, produziert entzündungsfördernde Stoffe und verändert hormonelle sowie metabolische Mechanismen, welche beeinflussen, wie das Gehirn Glukose verwertet und auf Insulin reagiert“, ergänzt er.

Vorteile des Radfahrens über die Mobilität hinaus

In Brasilien ist die Gewohnheit, Fahrrad zu fahren, bereits fest im Alltag verankert. Eine Erhebung des Unternehmens für saubere Energie Descarbonize ergab, dass sieben von zehn Radfahrenden das Verkehrsmittel mindestens einmal pro Woche nutzen und im Durchschnitt drei Mal wöchentlich in die Pedale treten.

Die Untersuchung zeigte zudem, dass 8 % der Bevölkerung das Fahrrad täglich als ihr wichtigstes Verkehrsmittel einsetzen. Ausserdem nehmen 75 % der Brasilianerinnen und Brasilianer täglich Radfahrende auf ihren städtischen Wegen wahr.

Um die positiven Wirkungen auf den Körper näher zu erläutern, nennt Dr. Melissa Ulhôa, Dozentin für Physiologie an der Afya Ipatinga, die wichtigsten gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens für Körper und Geist:

1. Verbesserte Herz-Lungen- und Stoffwechselfunktion

Das Herz arbeitet effizienter, die Fähigkeit zur Sauerstoffverwertung steigt und Ermüdung nimmt ab. Regelmässiges Training unterstützt darüber hinaus die Kontrolle des Blutdrucks und verbessert, wie die Muskeln Glukose verwerten.

2. Muskelkräftigung und Selbstständigkeit

Beim Radfahren sind Oberschenkel, Gesäss und Waden fortlaufend aktiv. Gerade für ältere Menschen ist der Erhalt der Belastbarkeit der unteren Gliedmassen entscheidend, um beim Gehen und bei alltäglichen Tätigkeiten selbstständig zu bleiben.

3. Psychische Gesundheit und soziales Wohlbefinden

Das Verlassen der eigenen vier Wände und Aktivitäten im Freien fördern soziale Kontakte. Studien wie „Die Wirkung des Radfahrens auf kognitive Funktionen und Wohlbefinden bei älteren Erwachsenen“, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Plos One, weisen darauf hin, dass bereits acht Wochen Radfahren im Freien die kognitiven Funktionen unterstützen können. Dieser Nutzen zeigte sich auch bei Elektrofahrrädern, die eine ausgezeichnete Alternative für Menschen mit körperlichen Einschränkungen darstellen.

4. Geringere Sterblichkeit bei älteren Menschen

Ergebnisse der von Forschenden der Universität Tsukuba durchgeführten und in der Fachzeitschrift Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour veröffentlichten Studie „Veränderungen beim Radfahren sowie das Auftreten funktioneller Einschränkungen und die Sterblichkeit bei älteren japanischen Erwachsenen“ zeigten, dass regelmässiges Fahrradfahren die Sterblichkeitsrate und den Bedarf an Langzeitpflege im höheren Alter deutlich senkte und damit die Fähigkeit zur Fortbewegung sicherte.

„Für ältere Menschen ist Regelmässigkeit wichtiger als Intensität. Man muss nicht kräftig in die Pedale treten, um davon zu profitieren, sondern konsequent Rad fahren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass das Fahrrad kein Krafttraining ersetzt, das weiterhin unverzichtbar ist, um Stürzen vorzubeugen und im Alter eine schnelle Muskelreaktion zu ermöglichen“, schliesst Dr. Melissa Ulhôa.

Von Matheus Garcia

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