Der T.50 sollte der geistige Nachfolger des McLaren F1 werden. Technisch ist er das auch weiterhin. Offenbar reichte das jedoch nicht aus. Der neue Gordon Murray S1 rückt dem ursprünglichen F1 so nahe, dass man fast wieder das alte Spiel „Finde die Unterschiede“ spielen möchte.
Der S1 wurde beim The Quail während der Monterey Car Week präsentiert. Er ist das jüngste Modell von Gordon Murray Special Vehicles (GMSV) und leitet sich unmittelbar vom 2025 enthüllten S1 LM ab.
Während der S1 LM den Charakter des McLaren F1 GTR wiederaufleben lassen sollte, der die 24 Stunden von Le Mans gewann, folgt der neue S1 einer anderen Vorlage: dem straßenzugelassenen McLaren F1. Ein Blick genügt, um das zu erkennen.
Noch mehr F1 als der T.50?
Als Gordon Murray 2020 den T.50 vorstellte, waren die Anleihen beim F1 allgegenwärtig: drei Sitzplätze, ein zentraler Fahrerplatz, ein V12-Saugmotor, Handschaltung und ein beinahe krankhafter Fokus auf Gewichtsreduzierung.
Der T.50 wollte allerdings nie wie ein F1 aussehen. Vielmehr sollte er dieselbe Grundidee mit weiteren drei Jahrzehnten an Erfahrung weiterentwickeln – auch bei der Aerodynamik, deren auffälligstes Element der große 400-mm-Hecklüfter war.
Der S1 verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Würde jemand ihn als Restomod des F1 bezeichnen, wäre das durchaus glaubhaft. Seine Proportionen, die Flächen der Karosserie, das abrupte Heck, die Dihedraltüren sowie selbst Form und Position der Leuchten machen die Verbindung zum F1 wesentlich deutlicher. Die Räder und die zusätzlichen Frontscheinwerfer orientieren sich am 1992 in Monaco vorgestellten Prototypen.
Vielleicht ist dies das Nächste, was Gordon Murray daran kommen konnte, den McLaren F1 erneut zu zeichnen, ohne den McLaren F1 tatsächlich erneut zu zeichnen.
Unter der Karosserie steckt die Plattform des S1 LM, doch sämtliche Außenverkleidungsteile wurden neu gestaltet. Der große feststehende Heckflügel, der vordere Splitter und die aggressiveren Seitenschweller sind verschwunden. Stattdessen ist nun aktive Aerodynamik in die Karosserie integriert. Im Mittelpunkt steht nicht mehr maximaler Abtrieb, sondern eine bessere Alltagstauglichkeit auf der Straße.
Gordon Murray S1: V12, Handschaltung und drei Plätze
Auch beim Antrieb gibt es kaum Überraschungen – zum Glück. Hinter dem Fahrgastraum sitzt ein 4,2-Liter-V12-Saugmotor von Cosworth, der aus derselben Motorenfamilie wie das Aggregat des S1 LM stammt. Er leistet 690 PS bei 12.100 U/min und entwickelt rund 500 Nm bei 7.000 U/min. Kombiniert wird er ausschließlich mit einem manuellen Sechsganggetriebe, dessen sechster Gang für Reisen länger übersetzt ist.
Trotz der extrem hohen Drehzahl liegen bereits ab 2.500 U/min 80 % des Drehmoments an. Auch das Fahrwerk wurde überarbeitet, die Bodenfreiheit um 10 mm erhöht. Hinzu kommen mehr Schalldämmung, komfortablere Sitze und sogar Seitenscheiben, die sich ganz normal herunterlassen lassen.
Wie der ursprüngliche F1 soll auch der neue Gordon Murray S1 also kein Spielzeug für Rennstrecken sein – ganz im Gegenteil. Murray beschreibt ihn als Auto, das die mehr als 500 km zwischen Los Angeles und Monterey bequem bewältigen kann und dennoch besonders bleibt, sobald die Straße spannender wird.
Was kostet er?
Vom S1 entstehen lediglich 64 Exemplare, einen Preis hat der Hersteller nicht genannt. Interessanterweise wurden in den 1990er-Jahren ebenfalls 64 straßentaugliche McLaren F1 in der ursprünglichen Konfiguration gebaut.
Zufall? Vielleicht. Doch beim Blick auf den S1 wirkt es, als seien Zufälle genau das, was Gordon Murray am wenigsten dem Zufall überlassen hat.
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