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Olympische Spiele Paris: Eisbäder und Osteopathie unter wissenschaftlicher Kritik

Sportler taucht Bein in Eisbad, während Therapeut seine Schulter stützt im hellen Behandlungsraum.

Olympische Spiele als Bühne für alternative Medizin

Die Olympischen Spiele in Paris präsentieren nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern nach Ansicht von Fachleuten auch Behandlungen wie Eisbäder und Osteopathie, deren medizinischer Nutzen wissenschaftlich kaum belegt ist.

Olympische Spiele gelten seit Langem als fruchtbarer Boden für fragwürdige medizinische Methoden: Athletinnen und Athleten versuchen alles, um ihre Leistung zu steigern und Schmerzen zu lindern.

„Im Sport wird viel Propaganda für alle möglichen Formen der ,Alternativmedizin‘ gemacht – bei den Sportlern besteht eine große Nachfrage“, sagte der französische Neurologe und Schmerzspezialist Didier Bouhassira der AFP.

Bei den Spielen in Rio vor acht Jahren war Schröpfen der jüngste pseudowissenschaftliche Trend.

Obwohl Sportler wie der US-amerikanische Olympiasieger im Schwimmen Michael Phelps die Methode damals lobten, gibt es kaum wissenschaftliche Belege dafür, dass das Aufsetzen erhitzter Gläser auf die Haut mehr bewirkt als ein Placebo.

Bei den diesjährigen Spielen, die am Freitag in Paris begonnen haben, steht dagegen Eis besonders hoch im Kurs.

Zur Kryotherapie zählen Schwimmen in kaltem Wasser, Eisbäder und technisch aufwendigere Kältekammern. Sie soll Sportlern helfen, sich nach intensiver Belastung zu erholen.

Die neue Eiszeit

Laut einem kürzlich im British Journal of Sports Medicine veröffentlichten Leitartikel forderten die an den Pariser Spielen beteiligten Verbände zusammen mehr als 16.000 Tonnen Eis an. Die Kosten dafür wurden auf 2,5 Millionen Euro ($2.7 million) beziffert.

Kein Anbieter konnte eine derart große Eismenge liefern. Deshalb müssen die Olympischen Spiele laut dem Leitartikel mit 650 Tonnen auskommen. Das ist dennoch zehnmal so viel wie bei den Spielen in Tokio vor lediglich drei Jahren benötigt wurde.

Die Autoren des Leitartikels beanstandeten den routinemäßigen Einsatz von Kryotherapie zwischen Trainingseinheiten.

Eisbäder könnten zwar bestimmte Beschwerden behandeln, etwa einen Hitzschlag. Sportler nutzten sie jedoch häufig „um Vorteile zu erzielen, die nicht evidenzbasiert sind“, schrieben sie.

„Eis könnte den gegenteiligen Effekt haben wie erwartet, etwa eine verzögerte Geweberegeneration oder eine beeinträchtigte Erholung.“

Zugleich verwiesen die Autoren auf die Umweltauswirkungen, die mit Herstellung, Transport und Lagerung solch großer Eismengen verbunden sind.

Osteopathie: „Weit entfernt von Wissenschaft“

Auch Osteopathie, eine weitere von Sportlern nachgefragte Form der Alternativmedizin, ist bei Olympischen Spielen kein neues Phänomen.

Osteopathen gehören zum Personal der Verbände und sind in die Teams der offiziellen olympischen Klinik eingebunden, welche die Athletinnen und Athleten täglich betreut.

Die Osteopathie verspricht, Gesundheit durch Manipulationen am Körper wiederherzustellen. Ihre wissenschaftliche Grundlage ist jedoch schwach, und über ihre Wirksamkeit wird weiterhin intensiv gestritten.

Untersuchungen mit strenger Methodik kamen zu dem Schluss, dass große Bereiche dieser Disziplin – etwa die „kraniale“ oder „viszerale“ Osteopathie – schlicht keine Wirkung haben.

Andere osteopathische Manipulationen, die stärker den Techniken von Physiotherapeuten ähneln, scheinen gegenüber konventioneller, evidenzbasierter Physiotherapie keinen besonderen Vorteil zu bieten.

Eine 2021 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte randomisierte klinische Studie verglich bei 400 Patienten mit Rückenschmerzen osteopathische Manipulationen mit „Schein“-Behandlungen wie leichtem Berühren.

Der Unterschied zwischen beiden Ansätzen sei „wahrscheinlich klinisch nicht bedeutsam“, hieß es in der Studie.

Osteopathen vermittelten Athleten ein Gefühl des „Wohlbefindens ohne heilende Eigenschaften“, sagte Pascale Mathieu, Präsidentin des französischen Rats der Physiotherapeuten.

Mathieu betonte, sie sei nicht allzu besorgt darüber, dass Osteopathie bei den Olympischen Spielen eine Bühne erhalte, wo die regelmäßige Versorgung oft aus einer Mischung von Physiotherapie und Osteopathie bestehe.

„Wofür ich wirklich kämpfe, ist zu verhindern, dass Osteopathie in Krankenhäuser Einzug hält“, sagte sie.

Sanofi und das schmerzlindernde Pflaster Initiv

Einigen Unternehmen wird zudem vorgeworfen, die Olympischen Spiele zu nutzen, um Produkte mit zweifelhaftem medizinischem Nutzen zu vermarkten.

Der französische Pharmakonzern Sanofi geriet im Vorfeld der Spiele in die Kritik, weil er für ein „schmerzlinderndes“ Pflaster namens Initiv warb.

Sanofi bewirbt das Pflaster mit Unterstützung von Sportlern wie dem französischen Olympiateilnehmer Kevin Mayer. Das Unternehmen erklärt, es enthalte Partikel, die vom Körper abgegebene Infrarotenergie auf einen bestimmten Bereich zurückwerfen und dadurch Schmerzen lindern sollten.

Sanofi teilte der AFP mit, eine klinische Studie zu dem Pflaster sei „von der wissenschaftlichen Gemeinschaft positiv aufgenommen worden“.

Schmerzspezialist Didier Bouhassira zeigte sich davon jedoch nicht überzeugt.

„Ein Produkt wird als Wundermittel angepriesen, aber das ist reine PR und weit entfernt von Wissenschaft“, sagte er.

© Agence France-Presse

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