Auf dem großen Rechtsbogen vor der Kurve Follow Through – wie auch immer dieser Abschnitt heißen mag – kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich festlegen und das Auto einfach machen lassen muss. Es ist eine Vertrauensübung bei mehr als 145 km/h: Den weichen, verletzlichen Körper überlässt man einem Ingenieur, der nicht einmal den eigenen Namen kennt. Der Porsche 911 GT3 zuckt nicht einmal. Könnte ein Auto mit den Schultern zucken und fragen: „War das schon alles?“, hätte dieser hier schwere Rückenprobleme; Runde für Runde habe ich ihn schneller hineingeworfen, und wie ein weiß glühender Bumerang hat er Dunsfold zerschnitten. Bis es natürlich zu regnen begann. Dann setzte der Wagen ziemlich heftig zum Aquaplaning an, und in diesem völlig stillen Augenblick, wenn der Grip buchstäblich davonschwimmt und Vorder- wie Hinterachse zugleich leicht werden, dachte ich nur noch: Alles im Universum ist eine schlechte Idee.
Zum Glück bietet Dunsfold genug Auslauf. Für einige sich wie Jahre anfühlende Sekunden war ich lediglich Beifahrer, bevor ich die Haltung des Autos wieder einfing und so tat, als hätte ich den Wagen absichtlich rund 23 Meter in die falsche Richtung rutschen lassen. Das merkt doch niemand. Woher sollten sie es wissen?
„Kleiner Moment eben im GT3?“, knisterte es amüsiert aus einem der Funkgeräte.
Ach so.
Fotos: Johnny Fleetwood/Mark Riccioni
Porsche 911 GT3 und Aston Martin Vantage F1 Edition auf der Rennstrecke
Wäre dies ein Wettbewerb für Autos, die man zur Rennstrecke fährt, dort gnadenlos fordert, einige der schnellsten Rundenzeiten abliefert und anschließend wieder nach Hause fährt, hätte der Porsche 911 GT3 den Sieg praktisch sicher. Sein klarer, ansteigender Schrei des Sechszylinder-Boxermotors gurgelt bis etwa 9.000 U/min hinauf, die Schaltvorgänge des PDK-Paddelgetriebes knallen wie Peitschenhiebe, und Richtungswechsel lassen diesen Wagen wirken, als brächte er kaum mehr als eine Tonne auf die Waage. Näher an einen reinrassigen Trackday-Wagen kommt man kaum, ohne sich dabei die Wirbelsäule zu ruinieren oder taub zu werden. Kombiniert man das mit Zuverlässigkeit und Ergonomie, bei denen andere Hersteller wie begeisterte Amateure aussehen, wird klar, weshalb diese Modelle beinahe kultisch verehrt werden. Schon beim ersten Vollgasbeschleunigen in einer Kurve im dritten Gang merkt man: Das ist ein besonderes Auto.
[Knoten:Feld_Karussell-Thema]
Trotzdem hat der GT3 heute nicht alles für sich – und der Herausforderer kommt aus einer erwartbaren Richtung, liefert seine Leistung aber auf eine völlig andere Art ab, als man vermuten könnte. Denn der Aston Vantage F1 Edition ist weit mehr als ein Flügel und etwas Marketing. Er ist ein ernst zu nehmender Gegner. Und das ist, muss ich sagen, eine angenehme Überraschung.
Die naheliegenden Vergleiche liegen auf der Hand. Beide sind attraktive Sportwagen, beide leisten rund 500 bhp – der Aston etwas mehr, 528 gegenüber 503 bhp –, beide schaffen 0–62 mph in ungefähr 3,5 Sekunden und ihre Höchstgeschwindigkeiten kratzen leicht an der Unterseite der 200-mph-Marke. Nach der Stoppuhr ist der Porsche fast nicht wahrnehmbar schneller. Er hat einen etwas größeren Saug-Boxermotor als der Vantage mit Biturbo-V8 und ist deutlich schlanker gebaut. Den offiziellen Daten zufolge wiegt der GT3 135 kg weniger als der Aston F1 Edition.
Zwei Wege zu kompromissloser Fahrdynamik
Der GT3 folgt der vertrauten, rennstreckenorientierten Porsche-Formel. Im Innenraum gibt es einen halben Überrollkäfig, eine ganze Herde dessen, woraus Alcantara auch immer gemacht wird – im Grunde sexy Polyester –, und trotz seiner ernsten Absichten reichlich Haptik. Eine Olympiade der Verwindungssteifigkeit gibt es zwar nicht, doch der GT3 würde dort permanent Gold gewinnen. Selbst über eine sanfte Kuppe hebt er fröhlich ein Rad an und stellt es für alle sichtbar zur Schau. Eigentlich müsste das bedeuten, dass er überhaupt nicht federt und hart wie eine Marmorarbeitsplatte ist. Doch das ist er nicht. Wie Porsche echten Federweg in einen so winzigen Abstand zwischen Reifen und Radhaus gepackt hat, dürfte etwas mit Taschendimensionen und Doctor Who zu tun haben, denn die Physik scheint in diesen Raum nicht hineinzupassen.
Im Vergleich dazu wirkt der Aston größer. Sein Innenraum ist voluminöser und behaglicher, mit viel Leder und üppiger Polsterung; zudem sieht man deutlich mehr Motorhaube als im heck- beziehungsweise mittelheckmotorisierten Porsche. Zunächst ist auch das Fahrwerk weicher. Alles also ganz typisch Vantage. Doch genau hier macht die F1 Edition offenbar große Fortschritte, denn wie gesagt: Sie ist keine halbherzige Kopie des F1-Safety-Cars.
Ihre Karosserie ist steifer als bei jedem früheren Vantage, besonders vorn, um das Lenkgefühl zu verbessern. Hinten sind die Federn straffer, um noch mehr Grip herauszuholen, und die adaptiven Dämpfer arbeiten über einen größeren Bereich und geschmeidiger. Hinzu kommt Aerodynamik, deren unsichtbare Berührung den Abtrieb bei Höchstgeschwindigkeit angeblich um 200 kg steigert – obwohl ich schwören könnte, sie schon bei der halben Geschwindigkeit gespürt zu haben. Gegenüber dem Serienmodell gibt es nicht besonders viel zusätzliche Leistung, etwa 25 bhp, doch der Wagen wirkt bissiger, und das Getriebe schaltet präziser als mit den bisweilen etwas breiigen Wechseln eines normalen Modells. In der Welt sehr besonderer Sondereditionen klingen diese Änderungen klein, aber sie verwandeln den Vantage.
Wo sich der Standardwagen gelegentlich etwas träge anfühlt, lenkt die F1 Edition entschlossener ein, steuert präziser und greift beherzter zu. Sogar bei strömendem Regen. Natürlich lässt sie sich weiterhin problemlos provozieren, und ihre 505 lb ft Drehmoment erlauben es, auf der Drehmomentwelle leichter durch die Gänge zu surfen als im Porsche. Doch die F1 vermittelt deutlich mehr Vertrauen als der gewöhnliche Vantage. Ihre Lenkung besitzt noch immer nicht die Klarheit des 911, erledigt ihre Aufgabe aber ordentlich; man steigt aus der F1 Edition aus und denkt: „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Das ist ein gewaltiges Kompliment.
Sie ist in allen entscheidenden Punkten besser, besonders auf der Rennstrecke. Nur der Heckflügel ist eindeutig Geschmackssache. Er mag wirksam sein, aber ich hasse ihn absolut. Meiner Ansicht nach ist die Form schlicht zu schön, um sie mit einem technisch wirkenden Brett zu verunstalten. Der 911 trägt seine Aero-Anbauteile überzeugender, vielleicht aber nur, weil er sich vollständig zu seinem Schwanenhals-Flügel bekennt – oder weil ich große Flügel auf 911ern einfach eher gewohnt bin.
„Der GT3 ist ein Skalpell, die F1 Edition ein Hackmesser. Beide schneiden, und mit keinem von beiden möchte man sich anlegen.“
Skalpell gegen Hackmesser
An dieser Stelle könnte man natürlich die üblichen Vergleiche auspacken: Der 911 operiert chirurgisch, während der Vantage F1 eher wie ein Hammer vorgeht. Treffender ist jedoch dies: Der GT3 ist ein Skalpell, die F1 Edition ein Hackmesser. Beide schneiden, und mit keinem von beiden möchte man sich anlegen. Beim Fahrerlebnis sind sie allerdings eindeutig Äpfel und Birnen.
Im Vantage kann man eine Kurve mit einem Gang zu hoch anfahren, und er zieht sich brüllend wie ein Stier hindurch. Der Porsche mag einen zu hohen Gang nicht besonders, liebt jedoch – vergöttert geradezu – Drehzahlen. Deshalb kann man über den gesamten Kurvenbogen beschleunigen, und im Drehzahlmesser scheint stets noch mehr Höhe zu warten. Der Aston will früher übersteuern, lässt sich aber zumindest in meinen Händen leichter kontrollieren als der Porsche. Dieser scheint weniger Lust auf Spielereien zu haben, sofern man ihn nicht gezielt dazu zwingt.
Beide bieten mehr Grip, als man erwartet, vor allem an der Vorderachse. Und beide machen auf der Rennstrecke, das muss man sagen, enorm viel Spaß. Das klingt angesichts dieser Autos vielleicht banal, doch straßenorientierte Fahrzeuge funktionieren auf einem Rundkurs normalerweise nicht besonders gut. Nachgiebigkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit braucht eine kompromisslose Rennstreckenmaschine nicht – und dennoch bewältigen diese beiden Wagen beides. Auf einer verwinkelten Strecke würde einen ein Radical zwar immer noch gnadenlos verspeisen, aber beide Autos besitzen eine Tiefe ihrer Fähigkeiten, die tatsächlich selten ist.
Ein Urteil fällt schwer und hängt letztlich von der persönlichen Vorliebe ab. Ich möchte Aston-Schlüssel in der Tasche haben können, denn die Marke besitzt eine Romantik, die mich anspricht, und diese Ausführung des Autos wird ihrem Hype gerecht. Offenbar haben sich scheinbar kleine Änderungen zu einem Wagen summiert, der viel besser zu mir passt, als ich erwartet hatte. Selbst wenn er sich auf der Rennstrecke nicht absolut am schnellsten anfühlte: Er machte Spaß. Ich habe beim Fahren gelacht, und das passiert nicht besonders oft.
Andererseits muss man den GT3 auf der Rennstrecke bewegen, um die Tiefe seiner Fähigkeiten wirklich zu würdigen, und ich bin nicht gerade ein begeisterter Trackday-Fahrer. Aber verdammt noch mal: Wenn man es im GT3 richtig hinbekommt, diese eine Kurve exakt trifft, den Grip der Vorderachse spürt und hört, wie der Motor seine kolbengetriebenen Knöchel am Drehzahlbegrenzer klopfen lässt, versteht man wieder, weshalb sein Ruf so verdient ist. Und man fragt sich, warum man nicht mehr Trackdays fährt.
Man könnte argumentieren, dass die F1 Edition ohnehin genau das sein sollte, was der Vantage immer hätte sein müssen. Wahrscheinlich stimmt das auch. Der Porsche ist jedoch ein gutes Stück günstiger – solange man die Optionsliste meidet – und die Konsequenz seiner Konstruktion lässt sich einfach nicht leugnen: Sie steckt von Anfang an bis in die Knochen im Auto, statt eine so hervorragende Weiterentwicklung zu sein wie der Vantage in dieser Form. Das Herz sagt Aston, der Kopf Porsche. Ach. Gut, dass der Kontostand ohnehin bei beiden Nein sagt.
Aston Martin Vantage F1 Edition
£142,000
Motor: 3982cc V8 Biturbo
Getriebe: 8-Gang-Automatik, Frontmotor, Hinterradantrieb
Leistung: 528bhp @ 6,000rpm, 505lb ft Drehmoment
Fahrleistungen: 3.5 seconds 0-62mph, 195mph Höchstgeschwindigkeit
24.3mpg (kombiniert), 264g/km CO2
Gewicht: 1,570kg
Porsche 911 GT3
£127,820
Motor: 3996cc Sechszylinder-Boxermotor
Getriebe: 7-Gang-DSG, Heckmittelmotor, Hinterradantrieb
Leistung: 503bhp @ 8,400rpm, 347lb ft Drehmoment
Fahrleistungen: 3.4 seconds 0-62mph, 198mph Höchstgeschwindigkeit
21.7mpg (kombiniert), 293g/km CO2
Gewicht: 1,435kg
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