Ferrari 1965, Ford 1966, Porsche 1982, Audi 2010: Keiner von ihnen hat es besser gemacht als wir. Der Zieleinlauf in Formation. Gut, der Renault hinkt ein wenig hinterher, aber bitte – wir waren völlig fertig. Und ehrlich gesagt auch etwas überrascht von unseren ersten drei Plätzen. Denn 24 Stunden zuvor war der Megane das einzige Auto auf unserem Radar, dem wir realistische Chancen auf einen Platz im Siegerkreis eingeräumt hatten.
Unsere Einschätzung vor dem Test sah auch den Porsche Cayman GT4 und den McLaren 720S Spider weit vorn. Doch keiner der beiden begeisterte uns so sehr, wie er es hätte tun sollen: Beim McLaren lag es daran, dass wir im Grunde alles schon kennen (Tom Harrisons Einwand zur eingebauten Obsoleszenz trifft den Punkt); beim Cayman hatten wir alle das Gefühl, dass der erste GT4 noch eine Spur kompromissloser und reizvoller war.
- Text: Ollie Marriage
- Fotografie: Richard Pardon
AMG GT R Pro und Tesla Model 3 im Vergleich
Beide mussten sich dem AMG GT R Pro geschlagen geben. Gewiss, gegenüber dem regulären GT R, der 2017 dem 720S Coupé unterlag, handelt es sich nur um eine leichte Weiterentwicklung. Doch hier entscheiden Nuancen. Zudem vermittelt die Anwesenheit des Tesla Model 3 den Eindruck, dass die Zeit für laute, unverfälschte V8-Motoren langsam abläuft – und wir sie feiern sollten, solange es sie gibt.
Der AMG mit seiner langen Motorhaube gehörte nie zu meinen absoluten Favoriten, aber ich kann nicht leugnen, dass er mit zunehmendem Alter immer besser wird. Einen schnelleren, zugänglicheren oder verspielteren Frontmotor-Sportwagen kann ich mir kaum vorstellen. Er ist eine Granate. Und der Tesla? In Ordnung, aber ein Ein-Trick-Pony, das emotional kaltlässt. Der A45 wirkt überkompliziert; der Focus ST ist in vielerlei Hinsicht der vollständigere und mitreißendere Hot Hatch, schlicht weil er sich natürlicher verhält.
Renault Megane Trophy R: Bremsen und Fahrwerk
Dem Megane war der Erfolg nicht zu nehmen. Abgesehen von den Rennwagen besaß er das beste einzelne Bauteil aller hier versammelten Autos: seine Bremsen. Sie waren unglaublich und beinahe so wirkungsvoll wie jene des 935. Dazu kommt ein Fahrwerk mit dem gewohnt schwindelerregenden Talent. Ein Fronttriebler, der auf der Rennstrecke unterhaltsamer und lohnender ist als ein Cayman GT4? Ja. Ich kann kaum glauben, dass ich das gerade geschrieben habe.
Dann gab es noch die Autos, die einige liebten und andere nicht. Allen voran der Jaguar Project 8: ein großes, bulliges Auto, das manche faszinierend fanden, das sich für mich jedoch schwer anfühlte und sich in Kurven zu stark neigte. Zuvor bin ich ihn bereits auf der Straße gefahren und halte ihn dort nach wie vor für besser aufgehoben. Dasselbe gilt für den Aston Martin DBS Volante – wobei man das schon beim Anblick wusste. Was für ein wunderschönes Auto, das in seinem natürlichen Umfeld so erfüllend zu fahren ist. Auch der Toyota Supra funktioniert auf der Straße besser. Seine Performance in Portimão wurde von „schwammig“ geprägt; ihm fehlte die Präzision, die wir uns alle wünschten.
Ariel Atom 4 und die Rennwagen außer Konkurrenz
Einen Konsens zu finden, ist schwierig. Häufig endet es in Streiterei. Als Faustregel gilt jedoch: Die erfahreneren Fahrer – sprich: die weniger Fantasievollen – mögen meist härtere, präzisere Autos lieber als jene, die genau vor Augen haben, welche Delle sie in die Leitplanken schlagen werden, wenn sie in Galp einen Fehler machen. Deshalb hatte ich nicht erwartet, dass der Ariel Atom 4 herausragen würde. Zu haarsträubend, dachte ich. Doch weit gefehlt. Alle kamen mit glänzenden Augen und voller Euphorie zurück und schwärmten von ihm. So hervorragend abgestimmt, so gut kontrollierbar – bis ans Limit und darüber hinaus.
Einen Konsens zu finden, ist schwierig. Häufig endet es in Streiterei.
Abgesehen vom Atom mussten wir die Rennwagen natürlich aus der endgültigen Wertung herausnehmen. Unter extremem Selbstverzicht und mit zusammengebissenen Zähnen musste ich jede Vorstellung aufgeben, den Hyundai i20 WRC zu unserem Sieger zu küren. Dasselbe gilt für den VW ID.R und den Porsche 935. Sie sind entweder nicht erhältlich oder so außergewöhnliche Sonderfälle, dass sie keine Relevanz besitzen. Sie hier zu haben und sie mit Ihnen teilen zu können, ist ein gewaltiges Privileg. Hiermit startet meine Kampagne für eine Auszeichnung als Rennwagen des Jahres. Bald folgt ein Anruf bei Mercedes F1.
Ein Sieger also. In den vergangenen Jahren gab es stets einen Helden – ein Auto, das neue Maßstäbe setzte. Kurz gesagt: Nichts ragte so deutlich heraus wie der Alpine A110 des vergangenen Jahres, und darüber hinaus entstand der Eindruck, dass der Jahrgang 2019 nicht ganz so hell strahlte. Vielleicht liegt es daran, dass uns einige Autos nicht so begeistert haben, wie wir erwartet hatten, oder daran, dass uns die Rennwagen verwöhnt haben – einen WRC-Renner zu fahren, hat meine Perspektive jedenfalls kräftig verzerrt. Doch das schmälert die Leistung unseres Siegers nicht.
Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Nach 15 Uhr gehörte uns die Strecke, und am Abend gingen wir noch fahren. Das Auto, das die Menschen weiterhin überraschte, das unglaublich unmittelbar und belohnend war und auf die oberste Stufe des Podiums steigen darf, war der Megane Trophy R.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen