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Ford Fiesta RX2 auf Eis: Der rasante Eisrennwagen

Rallye-Auto fährt mit hoher Geschwindigkeit auf verschneiter Winterstrecke, Schnee spritzt hinter den Reifen auf.

Oh, sieh an: ein Ford Fiesta auf Eis.

Beim genaueren Hinsehen ist es allerdings kein Ford Fiesta. Zwar lassen Scheinwerferform, Kühlergrill und Karosserieteile genau darauf schliessen, doch dabei handelt es sich lediglich um GFK-Verkleidungen. Darunter steckt etwas wesentlich Exklusiveres: ein RX2-Eisrennwagen mit Gitterrohrrahmen-Chassis.

RX2? Das kommt mir bekannt vor ...

Gut möglich: RX2 ist die Nachwuchsserie für die World Rallycross. In dieser Einheitsmeisterschaft treten identische Autos an, die alle auf dieser Plattform basieren. Das schwedische Unternehmen Olsbergs MSE entwickelt und baut sie als kostengünstigere Basis für aufstrebende Fahrer.

RX2 auf Eis: Supercar Lites von Olsbergs MSE

Moment mal, dieses Auto fährt doch auf Eis.

Olsbergs MSE ist schwedisch und fragte sich offenbar, was mit den Rennwagen geschehen sollte, wenn keine Rallycross-Rennen stattfanden. Daraus entstand Supercar Lites – im Grunde RX2 auf Eis. Die Fahrzeuge sind dieselben, nur der Untergrund ist ein anderer. Man könnte umfangreiche Umbauten erwarten, doch die fallen erstaunlich gering aus: Es gibt lediglich eine beheizbare Frontscheibe und einen anderen Reifensatz. Olsbergs zufolge ist auf Eis nichts schneller als dieses Auto.

Wow, wie viel Leistung hat es?

Rund 310 bhp liefert der 2.4-Liter grosse, saugende Mountune-Ford-Vierzylinder. Das klingt womöglich nicht nach besonders viel, wenn die grossen Rallycross-Autos mit ihren Turbomotoren etwa 600bhp aufbieten.

Klingt nicht danach. Weshalb baut man nicht einen solchen Motor ein? Dann wäre er schneller.

An dieser Stelle kommt Kevin Eriksson ins Spiel, einer der Stammfahrer von Olsbergs MSE – und der Mann hinter diesem spektakulären Überholmanöver. „Das dachten wir auch, deshalb haben wir vor ein paar Jahren eines der Turbo-World-RX-Autos auf Eisspezifikation umgerüstet. 600bhp. Und weisst du was? Es war langsamer! Die Leistung liess sich einfach nicht so präzise auf den Boden bringen wie mit dem Saugmotor; es gab zu viel Radschlupf, das Auto war zu schwer kontrollierbar.“

Technik des RX2-Eisrennwagens

Erzähl mir mehr über die technische Spezifikation.

Das Mindestgewicht beträgt 1,200kg. Der Motor sitzt längs hinter dem Cockpit und treibt über ein sequentielles Sadev-Sechsganggetriebe alle vier Räder an. Da sich die Formel noch in der Anfangsphase befindet und die Kosten niedrig bleiben sollen, gibt es weder Allradlenkung noch ausgeklügelte Differenziale; auch die Einstellmöglichkeiten des Fahrwerks sind begrenzt.

Extrem schmale 110/65 DR16-Reifen, die jeweils mit ungefähr 360 Spikes bestückt sind, sorgen dafür, dass möglichst wenig Leistung verpufft.

Nimmt man die vordere Clamshell-Verkleidung ab, findet sich darunter nur hauchdünnes Rohrmaterial, das ausschliesslich dazu dient, die GFK-Teile in Position zu halten. Als Crashstruktur habe ich schon wirksamere Spinnweben gesehen. Dieser Aufbau ermöglicht Olsbergs jedoch, das Auto allein durch andere Karosserieteile vom Fiesta in einen Peugeot 208 oder etwas Beliebiges zu verwandeln. Bei manchen Fahrzeugen ist selbst das überflüssig: Andere Aufkleber für Scheinwerfer und Kühlergrill reichen aus, damit sie anders aussehen.

Lässt er sich leicht fahren?

Verglichen mit den meisten modernen Rennwagen: absolut. Im Cockpit gibt es ein Lenkrad, einen Zug-/Druckschalthebel, eine weit herausragende hydraulische Handbremse sowie ein kleines Feld mit Kippschaltern, Sicherungen und Drehreglern. Viel kann man hier nicht falsch machen. Ausser beim Gaspedal.

Ich versuche mich zu erinnern, ob ich jemals ein Auto mit einem noch nervöseren rechten Pedal gefahren bin. Schon die geringste Berührung mit der Schuhsohle lässt die Drehzahl bis in den Begrenzer schnellen. Hilfreich ist auch nicht gerade, dass draussen minus 15 Grad herrschen und ich Wanderstiefel trage ...

Mit feinfühligeren Eingaben sowie entschlossenen Stössen und Zügen am Schalthebel geht es hinaus aufs Eis. Dort wird mir klar, dass der RX2 unfassbar komisch ist und weder eine Autosammlung noch ein Fahrerlebnis vollständig sein kann, ohne einmal so etwas ausprobiert zu haben. Langsam über Eis zu fahren, hat natürlich seinen Reiz: Es ist wunderbar, ein Auto elegant zwischen Unter- und Übersteuern gleiten zu lassen, fast wie bei einem Ballett. Eis jedoch völlig zu missachten und einfach mit voller Wucht loszustürmen – das ist schlicht absurd.

Fahren auf Eis: laut, hektisch und süchtig machend

Macht also Spass?

Eher süchtig. Im blechernen Cockpit geht es völlig hektisch zu. Während andere Autos nahezu lautlos über die Fläche rutschen, kreischt und bellt der RX2 aus voller Kehle: Die Gänge klacken, Differenziale heulen, die Drehzahl schiesst hoch, das Eis quietscht, alles vibriert und lärmt. Und mittendrin sitze ich, vom Krach beinahe taub, aber dem Angriff entgegen lachend.

Solange der Antriebsstrang unter Zug bleibt, funktionieren Hoch- wie Herunterschalten ohne Kupplung. Die Übersetzung ist derart kurz und die Lenkung so direkt, dass man praktisch mit einer Hand am Lenkrad fahren kann, während die andere schon am Hebel bereitliegt, den nächsten Gang hineinzuschlagen. Die Kurvengeschwindigkeiten sind jenseits von lächerlich: Man wirft ihn hinein, tritt aufs Gas, der Motor dreht begeistert hoch, alle vier Räder drehen durch – und am Kurvenausgang steht das Auto exakt auf Linie. In jeder Kurve. Mich erinnert das an den Hyundai-WRC-Wagen, den ich vor einigen Jahren gefahren bin: verblüffende Agilität, Reaktionen wie am Abzug, aber zugleich das Gefühl, dass er auf einen aufpasst.

Die Gewichtsverteilung ist hecklastig, dennoch fängt sich das Auto selbst aus absurden Winkeln wieder ein. Es lässt sich bedenkenlos mit dem skandinavischen Pendelwurf herumwerfen und findet Traktion sowie Kontrolle, wo man beides niemals vermuten würde. Es will regelrecht geworfen werden, während man am Lenkrad sägt und auf die Bremse hämmert – so energiegeladen und lebendig ist es.

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Ganz genau: Man stelle sich nur ein Startfeld voller dieser kleinen Schreihälse vor. Die Saison 2018 in Schweden und Norwegen ist gerade zu Ende gegangen – sie muss schliesslich abgeschlossen sein, bevor das Eis schmilzt –, doch im nächsten Jahr kehrt sie zurück. Und du dachtest, die Motorsportsaison beginne mit der F1 ...

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