Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bietet nicht nur auf dem Platz Unterhaltung, sondern auch für Fans neuer Technologien. Ein vernetzter Ball, eine POV-Kamera am Helm der Schiedsrichter und eine Kühlweste für die Spieler: Willkommen bei der technologisch fortschrittlichsten WM der Geschichte.
Noch nie wurde eine Fußball-Weltmeisterschaft in drei Ländern ausgetragen. Zugleich gab es bei einem WM-Turnier noch nie eine derart grosse Zahl neuer Technologien. Adidas, die FIFA und ihre Technologiepartner nutzen diese XXL-Ausgabe, um eine Vielzahl von Innovationen einzuführen. Einige verändern, wie Spieler sich auf Partien vorbereiten und sie erleben, während andere dem Fernsehpublikum neue Perspektiven auf das Ereignis eröffnen.
Auf dem Programm stehen ein Ball mit Chip, eine am Schiedsrichter befestigte Kamera und ein Kühlsystem aus der Formel 1. Wir erklären, was dahintersteckt.
Adidas Trionda: Der Ball, der alles weiss – und seine Daten teilt
Bei jeder Weltmeisterschaft inszeniert Adidas den offiziellen Spielball als Kunstwerk. 2026 überzeugt der Trionda nicht nur durch sein Erscheinungsbild – seine vier Segmente greifen Farben und Muster der drei Gastgeberländer sowie eines vierten symbolischen Landes auf –, sondern ebenso durch die integrierte Technik.
Im Inneren des Balls sitzt eine vom deutschen Unternehmen Kinexon entwickelte Inertialmesseinheit (IMU), die Geschwindigkeit, Distanz und Rotation jedes Schusses in Echtzeit erfasst. Völlig neu ist das Prinzip nicht: Bereits bei der WM 2022 kam eine Variante für automatisierte Schiedsrichterentscheidungen zum Einsatz. In diesem Jahr geht Adidas jedoch einen Schritt weiter. Spieler können die Daten nun über eine App abrufen, um ihre eigene Leistung nach jeder Partie auszuwerten. Adidas hat zudem einen Teil der Werte öffentlich gemacht.
Die Daten aus der ersten Turnierwoche zeigen sehr genau, welche Informationen das System liefert. Der Ägypter Emam Ashour erzielte bis zu diesem Zeitpunkt das schnellste Tor des Turniers: Im Spiel Belgien gegen Ägypten wurde sein Schuss mit 123,4 km/h gemessen. Dahinter folgen Harry Kane (ENG vs. CRO, 121,6 km/h) und Kylian Mbappé (FRA vs. SEN, 121,2 km/h). Die gesamte Top 5 liegt über 120 km/h. Bei der Distanz setzt sich Mbappé mit seinem Treffer aus 28 Metern gegen Senegal klar ab, vor dem Australier Metcalfe (23,4 m gegen die Türkei).
Adidas veröffentlichte ebenfalls die Statistiken von Lionel Messi. Beim Hattrick des Argentiniers gegen Algerien, durch den er zum besten Torschützen der WM-Geschichte wird, zeichnete der Trionda sämtliche Daten auf: Sein erstes Tor erzielte er aus 21 Metern mit 109,4 km/h, einem Effet von 0,8 Metern und einer Rotation von 16,8 Umdrehungen pro Sekunde. Auch seine beiden weiteren Treffer wurden ebenso präzise analysiert.
Über diese Statistiken hinaus unterstützt der Chip im Trionda die Schiedsrichter bei Entscheidungen. Abseitspositionen und das Überschreiten der Torlinie lassen kaum Raum für Diskussionen, weil sich der Trionda unter Berücksichtigung der Position jedes Spielers räumlich exakt bestimmen lässt.
@pressecitron
„⚽️ Wir haben den neuen Adidas-Ball der Weltmeisterschaft ausprobiert – und er steckt voller Technologien #adidas #wm2026“
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Der Schiedsrichterhelm: Bilder aus einer bislang unbekannten Perspektive
Wer die ersten Spiele des Turniers verfolgt hat, dürfte das neue Zubehör auf dem Kopf der Hauptschiedsrichter bemerkt haben. Bei dieser Ausgabe tragen sie einen Helm mit einer kleinen Kamera und einem Mikrofon. Das System wurde erstmals bei der FIFA Club World Cup 2025 in den USA getestet und kommt nun bei der Weltmeisterschaft flächendeckend zum Einsatz.
Damit soll das Fernsehpublikum eine subjektive Perspektive (POV) vom Spielfeld erhalten, genau so, wie der Schiedsrichter das Geschehen mitten in der Aktion wahrnimmt. Die FIFA genehmigte das Konzept 2025 und sieht darin eine neue Möglichkeit, das Zuschauererlebnis zu erweitern und Schiedsrichterentscheidungen transparenter zu machen. Die POV-Aufnahmen können zudem bei VAR-Eingriffen verwendet werden.
Die grösste technische Hürde war die Bildstabilisierung. Schiedsrichter laufen, drehen sich und wechseln permanent ihr Tempo, wodurch Aufnahmen schnell stark verwackeln. Ingenieure von Lenovo lösten dieses Problem mit einem Algorithmus zur Verringerung von Bewegungsunschärfe, der auf schnelle Bewegungen zugeschnitten ist und den Bildern ihre flüssige Darstellung verleiht.
Die Bildqualität bleibt allerdings durchschnittlich, und die Audiokommunikation zwischen den Unparteiischen wird nicht übertragen. Trotz ihrer Bemühungen konnte die FIFA für diese Turnierausgabe keine Einigung über die Tonübertragung erzielen. Zu hören ist daher die Stadionatmosphäre, nicht aber der Austausch der Offiziellen. Positiv ist, dass sich dies bei künftigen Wettbewerben ändern könnte.
Die Kühlkleidung: Technologie direkt aus der Formel 1
Miami, Dallas und Monterrey: Mehrere WM-Spielorte erreichen zu dieser Jahreszeit regelmässig 30 °C, wobei die Luftfeuchtigkeit die gefühlte Temperatur zusätzlich erhöht. Solche Bedingungen bleiben für den Körper der Spieler natürlich nicht folgenlos. Adidas entwickelte deshalb das CLIMACOOL SYSTEM, ein dreiteiliges Kühlsystem, das allen Partnerverbänden der Marke zur Verfügung gestellt wird.
Die Technik stammt unmittelbar aus den Cockpits der Formel 1. Ursprünglich wurde sie entwickelt, damit die Fahrer des Mercedes-AMG Petronas F1 Team die extreme Hitze während der Rennen besser aushalten können. Anschliessend passte man sie gemeinsam mit Vereinen wie Manchester United, Juventus und Arsenal an den Fussball an.
Das System setzt sich aus drei Komponenten zusammen. Die Kühlweste, die über dem Trikot getragen wird, enthält ein spezielles Gel, das vor dem Einsatz eingefroren wird. Während des Aufwärmens taut es langsam auf und leitet Kälte an Brust, Bauch und Rücken weiter.
Darüber wird eine Isolierweste angezogen. Durch ihre luftdichte Konstruktion hält sie die kalte Luft zurück und verdoppelt die Kühlwirkung nahezu. Zusammen können beide Teile die Körperkerntemperatur um 0,5 °C und die Hauttemperatur um 13 °C senken. Zuletzt reduziert der kühlende Überschuh, der direkt über dem Schuh angebracht wird, die Temperatur der Füsse in nur 7 Minuten um 2 °C, ohne das für technische Bewegungen notwendige Gefühl zu beeinträchtigen. Magisch, oder?
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