Eine erhebliche Bedrohung für sämtliche Nutzer von Piratenangeboten.
Wie angekündigt, kommt die neue scharfe Waffe gegen IPTV in Frankreich zur Fußball-Weltmeisterschaft zum Einsatz. Falls Sie bislang nichts davon gehört haben: Gemeint ist die Echtzeit-Sperrung von IP-Adressen pirateriebetriebener Übertragungen. Sie wird während dieser gesamten Weltmeisterschaft sowie beim heutigen Spiel Frankreich–Irak eingesetzt.
Konkret werden die Server illegaler IPTV-Angebote und von Piraten-Streamingseiten unverzüglich gesperrt. Die Rechteinhaber M6 und beIN Sports, die Internetanbieter sowie die französische Regulierungsbehörde für audiovisuelle und digitale Kommunikation Arcom erproben dieses neue Instrument bereits jetzt.
IPTV: So funktionieren die Echtzeit-Sperren
Im Einzelnen sollen die Rechteinhaber Piratenangebote besonders genau aufspüren. Anschließend müssen die Internetanbieter auf deren Antrag hin die jeweilige IP-Adresse blockieren. Arcom wiederum überwacht den gesamten Ablauf.
Die stellvertretende Generaldirektorin von Arcom, Pauline Combredet-Blassel, erläutert den neuen Mechanismus gegenüber Radio France so: „Der Vorteil der IP-Sperrung besteht darin, dass sie die Server trifft. Wenn man die Quelle trifft, wird es deutlich schwieriger, neue Plattformen aufzubauen.“ Ihrer Ansicht nach sei es zwar vergleichsweise leicht, „so viele Internetadressen zu erstellen, wie man möchte; sobald die Server jedoch nicht mehr erreichbar sind, ist es erheblich schwieriger, sich zu vervielfältigen.“
beIN begrüßt diese Maßnahmen offenbar, würde jedoch noch weiter gehen wollen. Sarah D’Arifat, die Justiziarin des Senders, betont dazu: „Heute sperren sie in Spanien an einem einzigen Spieltag 10.000 Adressen von Piratenangeboten. Das ist die Zahl, die wir in Frankreich in einem Jahr sperren.“
Riskante Sperrungen?
beIN fordert deshalb ein automatisiertes Sperrsystem, das ohne menschliches Eingreifen auskommt. Die französischen Gesetzgeber scheinen diesem Ansatz gegenüber recht aufgeschlossen zu sein: In drei Wochen soll die Nationalversammlung einen entsprechenden Gesetzesentwurf beraten.
Legale Websites könnten ebenfalls betroffen sein
So attraktiv diese Idee für Rechteinhaber auch sein mag, sie birgt Risiken. Auf ein und demselben Server können sich illegale Angebote befinden, aber auch vollkommen legale und für Bürger unverzichtbare Websites. Bereits im vergangenen Jahr berichteten wir über die Probleme in Spanien, das dieselbe Strategie eingesetzt hat. Dort trifft die Maßnahme unbeabsichtigt zahlreiche rechtmäßige Websites und Plattformen, die bei diesem Anbieter gehostet werden.
Immer mehr Unternehmen und Nutzer legen Protest ein und prangern ungerechtfertigte Abschaltungen an, die bestimmte Grundrechte beeinträchtigen. Ofelia Tejerina, Anwältin und Vorsitzende der Vereinigung der Internetnutzer, formuliert es gegenüber El Pais unmissverständlich: „Das beeinträchtigt die Informationsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die unternehmerische Freiheit.“ Weitere Informationen dazu finden Sie hier in unserem vorherigen Artikel.
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