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Warum der Dakar Rallye Defender D7X-R fast wie ein Standard-Defender aussieht

Geländewagen fährt schnell durch Sanddünen und wirbelt Staubwolken hinter sich auf.

Möchten Sie wissen, weshalb der neue, für die Dakar Rallye gerüstete Defender D7X-R einem gewöhnlichen Defender so ähnlich sieht? Weil er im Grunde einer ist. Die Vorschriften der „Stock“-Klasse der World Rally-Raid Championship (W2RC) 2026, in der der D7X-R antreten soll, sind ausgesprochen strikt: Die Fahrzeuge müssen der Serienklasse entsprechen und dieselbe unveränderte Karosseriestruktur, denselben Motor sowie denselben Antriebsstrang besitzen – keine unkenntlichen Rohrrahmen-„Prototypen“, an deren Front ein Defender-Kühlergrill befestigt wurde. Zum Glück gibt es bereits einen ab Werk teilweise rallyetauglichen Defender: den Defender OCTA (D7X). Und obwohl der R im Wesentlichen „nur“ ein Defender 110 ist, bringt er einige rallyespezifische Verbesserungen mit. Hier erfahren Sie, welche das sind.

Spezifischeres Fahrwerk für den Defender D7X-R

Der D7X-R nutzt dieselben Fahrwerksaufnahmen wie der OCTA, wie es das Reglement verlangt, erhält aber durch Technikpartner Bilstein – derselbe Zulieferer der Serienfahrzeuge – zusätzliche Rallye-Reserven. Das Dakar-Paket umfasst vorne ein einzelnes Coilover-Fahrwerk und hinten parallel angeordnete Doppelstoßdämpfer. Sie sind sowohl für die unablässigen Schläge der Wüste als auch für das Gewicht des 550-Liter-Kraftstofftanks ausgelegt, unabhängig davon, ob er voll oder leer ist. Das macht einen spürbaren Unterschied: Zu Beginn der längsten Dakar-Etappen befinden sich deutlich mehr als eine halbe Tonne Kraftstoff an Bord.

Robuster als ein Hochlandrind

Beim D7X-R wurden die Türverkleidungen angepasst und die Schweller verbreitert, um zusätzlichen Unterbodenschutz zu verdecken. Dieser soll Schläge durch die Landschaft verkraften, die die meisten Autos nach wenigen besonders harten Kilometern zerlegen würden. Ganz unverwüstlich ist er nicht – aber er kommt dem sehr nahe. Optisch bleibt er klar ein Defender: Der Radstand entspricht dem Serienmodell, doch dank des kräftigeren Fahrwerks, größerer 35-Zoll-Reifen und einer für mehr Stabilität leicht verbreiterten Spur ist er etwas höher und breiter. Vorn und hinten kommen außerdem leicht veränderte Stoßfänger zum Einsatz, die bessere Böschungs- und Rampenwinkel ermöglichen – entscheidend, wenn man in der Wüste über Dünen gleitet.

Ein deutlich größerer Kraftstofftank

Im Heck des Dakar Defender ist eine Kraftstoffzelle in der Größe eines Swimmingpools befestigt: exakt 550-Liter nachhaltiger, hochoktaniger Kraftstoff. Das entspricht etwa 120 imperial gallons, womit man in einem serienmäßigen Defender OCTA mit 4.4-Liter-V8 möglicherweise … zweieinhalbtausend Meilen weit käme. Bei der Dakar geht es deutlich energischer zu, daher reicht das nur für etwa ein Viertel dieser Distanz – dennoch ist es notwendig, denn die längste Etappe der Rallye im vergangenen Jahr umfasste ungefähr 500-Meilen Rallyefahrt ohne Unterbrechung. Würde man den D7X-R hingegen mit der durchschnittlichen britischen Jahresfahrleistung nutzen, müsste man ihn nur dreimal jährlich betanken.

Buchstäblich wesentlich kühler

Und zwar im wörtlichen Sinn. Der Kühlergrill des D7X-R ist offener gestaltet, um den Luftdurchsatz zu erhöhen, während der dreiteilige Kühler des Serienwagens durch eine einzige riesige Einheit ersetzt wird. So bleibt der Motor auch bei 45-Grad möglichst entspannt. Vier elektrische Lüfter sorgen zusätzlich dafür, dass die Kühlluft selbst dann weiterströmt, wenn das Fahrzeug nicht mit voller Geschwindigkeit unterwegs ist. Die Motorhaube besitzt weitere Entlüftungsöffnungen, und verschiedene Wettbewerbsfilter verhindern, dass der Motor etwas anderes als Luft ansaugt. Diese wird durch einen Ansaug-Luftmengenbegrenzer geführt, der die Leistung entsprechend dem Reglement limitiert. Offenbar sind die serienmäßigen 626bhp des OCTA für die Regeln etwas zu viel.

Auf dem Dach wurden zudem Lufteinlässe für den Innenraum ergänzt, die den Menschen Frischluft zuführen – direkt neben den Zusatzscheinwerfern. Und Zusatzscheinwerfer sind immer cool.

Umfangreichere Sicherheitsausstattung

Normale Airbags eignen sich nicht besonders für die Dakar: Die meisten Fahrer nehmen Einschläge in Kauf, bei denen ein Airbag in einem Straßenfahrzeug vor lauter Panik auslösen würde. Die Dakar-Ausführung setzt stattdessen stärker auf pure Stabilität. Ein vollständiger Überrollkäfig durchzieht den Innenraum, hinzu kommen spezielle Rennsitze, Sechspunkt-Renngurte, mehrere Feuerlöscher und die übliche Ausstattung für eine extreme Langstrecken-Rallye. Schließlich benötigt man für den Weg zum Einkaufen normalerweise weder Satellitentelefone noch komplette medizinische Ausrüstungen. Natürlich befinden sich auch stets acht Liter Frischwasser an Bord, damit die menschliche Fracht fit und gesund bleibt. Zudem wurden die Bremsen verbessert – vermutlich der am meisten unterschätzte Teil der gesamten „Sicherheits“-Ausstattung.

Der Defender D7X-R als mobile Werkstatt

Mitten im vom Sand gepeitschten Nirgendwo müssen mechanische Probleme eigenständig gelöst werden können. Deshalb ist der D7X-R praktisch seine eigene mobile Werkstatt. Zunächst verfügt er über ein integriertes Wagenhebersystem, mit dem er sich selbst aus dem Sand anheben kann, um Reparaturen zu erleichtern. Das serienmäßige, im Kofferraum untergebrachte Ersatzrad des Defender entfällt: Anstelle der Rücksitze sind drei Ersatzräder sicher am Überrollkäfig befestigt. Darüber hinaus führt das Fahrzeug einen erstaunlich umfangreichen Werkzeugsatz, ein Druckluftsystem und eine Auswahl unverzichtbarer Ersatzteile mit. Während einer Etappe sind die Besatzungsmitglieder gleichzeitig Piloten, Mechaniker, Navigatoren und Logistikexperten.

Ein anderes Gehirn

Wer die Dakar bezwingen will, profitiert häufig von Einfachheit. Außerdem müssen nicht sämtliche üblichen Systeme für Dinge wie eine Vier-Zonen-Klimaanlage, Sitzheizung, elektrische Fensterheber und all die weiteren Annehmlichkeiten eines straßentauglichen Defender gesteuert werden. Der D7X-R erhält daher ein einziges Motorsport-Steuergerät als Gehirn, das über spezielle Rennkalibrierungen verfügt. Hinzu kommt ein von der Besatzung konfigurierbares Renncockpit mit zwei Touchscreens im Hochformat, einem massiven Gangwahlschalter und serienmäßigen Schaltwippen für das Achtgang-Automatikgetriebe. Außerdem gibt es ein wüstenspezifisches, FIA-reguliertes Navigationssystem mit eigenem Head-up-Display, damit der Fahrer den Blick nicht von der fehlenden Straße abwenden muss.

Er kann fliegen

Ein besonderer Bestandteil dieses cleveren Computersystems ist der neue „Flugmodus“. Und ja, das haben Sie richtig gelesen. Das Defender-Rallyeteam entwickelte ein Programm, das dem D7X-R bei den endlosen Dünsprüngen und Schwerelosigkeitsmomenten hilft, die bei der härtesten Rallye-Raid der Welt ständig auftreten. Vereinfacht gesagt passt der Flugmodus die Drehmomentabgabe vom Motor an die Räder an, sobald das Fahrzeug in der Luft ist. Dadurch soll es korrekt landen und der Antriebsstrang geschützt werden. Der Defender fliegt gerader und kontrollierter, zugleich wird verhindert, dass die gesamte Kraftübertragung einen heftigen Schlag erhält, wenn die Reifen wieder aufsetzen. Da die Dünen bis zu 250-Metres (820 feet) hoch werden, kann ein Fehler das Rallye-Aus bedeuten. Schließlich ist es nicht der Sturz, der einen umbringt – sondern die Landung.

Dakar-Rallye-Folierung statt Lackierung

Genauer gesagt handelt es sich um eine Folierung, denn Lack würde in der rauen Dakar-Umgebung ungefähr zehn Sekunden überstehen. In diesem Jahr heißt sie „Geopalette“ und orientiert sich an den trockenen Farbtönen – Sand, Stein und Erde – der Landschaft, die das Fahrzeug durchqueren wird. Das Ergebnis ist eine Art überurbaner geometrischer Camouflage-Look mit aquablauem Dach, das an eine Oase in der Wüste erinnert. Dieser Eindruck könnte allerdings eher eine Fata Morgana sein, denn dieser Defender wird zweifellos verschwunden sein, bevor man es bemerkt. Mit glänzend schwarzen Radhäusern, zwei Schnorcheln, Stoßfängern und Schwellern sowie schwarzen Rädern auf BF-Goodrich-Reifen hinterlässt er einen gewaltigen Eindruck. Die Petition, dies als Option für straßentaugliche Defender anzubieten, beginnt hier …

Großes Können am Steuer – und in der Basis

Es ist nicht so, dass Dakar-Fahrer keine serienmäßigen Defender fahren dürften, vielmehr darf nicht jeder mit einem D7X-R spielen. Dakar-Legende Stéphane Peterhansel und Mika Metge, Rokas Baciuška und Oriol Vidal sowie Sara Price mit Sean Berriman werden sich durch die 5,000km gewerteten Etappen kämpfen und dabei mehr als 80+ Stunden im Wettbewerbsmodus verbringen. Hinter den Rockstar-Fahrern und Navigatoren steht jedoch ein Team aus der besten Rallye-Unterstützung der Branche. Der Defender mag zwar die perfekte Grundlage für einen kompromisslosen Rallye-Raid-Wagen sein, doch erst die Supportteams, Mechaniker und Crews machen all das möglich.

Defender OCTA | Meister extremer Leistung, überall

4 Minuten 54 Sekunden

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