Vor einem Monat tauchten Erlkönigbilder eines Fahrzeugs auf, das wie ein Audi R8 LMS GT2-Rennwagen wirkte und auf öffentlichen Straßen unterwegs war. Ein durchaus surrealer Anblick, doch wir gingen natürlich davon aus, dass dieser Testprototyp vor dem Produktionsende des R8 in diesem Jahr dessen letzter, besonders radikaler „Abschiedsgruß“ sein würde.
Ganz falsch lagen wir damit nicht … Allerdings stammt der finale R8 nicht von Audi selbst, sondern vom bekannten deutschen Veredler ABT Sportsline: Das ist der ABT XGT.
Anders lässt es sich kaum ausdrücken: Der XGT ist im Kern ein Rennwagen mit Kennzeichen.
ABT XGT: Vom Audi R8 LMS GT2 auf die Straße
Als Basis dient genau der Audi R8 LMS GT2, den ABT gemeinsam mit Scherer Sport im Rennsport einsetzt. Nach einem erfolgreichen Rennen entstand bei den Führungskräften beider Unternehmen die Idee, den Wettbewerbssportler von der Rennstrecke auf die Straße zu bringen – eine alles andere als einfache Aufgabe angesichts der Homologationsvorschriften.
Mehr als 40 einzelne Zulassungsfreigaben waren letztlich erforderlich. Ingenieure beider Firmen mussten zusammenarbeiten, um das Projekt zu realisieren.
Was wurde verändert?
Äußerlich unterscheidet sich der ABT XGT, wie auf den Bildern erkennbar, kaum vom R8 LMS GT2. Ergänzt wurden im Wesentlichen lediglich Halterungen für die Kennzeichen und nur wenige weitere Details.
Unter der Karosserie arbeitet derselbe frei saugende 5,2-l-V10 wie im R8 LMS GT2. Er leistet 640 PS bei 8000 U/min und überträgt seine Kraft ausschließlich über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Hinterräder.
Zugleich ist er leichter als jeder andere R8 und bringt 1450 kg auf die Waage. Angaben zur Beschleunigung gibt es nicht, ABT nennt für den XGT jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h.
Renntechnik und Straßenausstattung
Im Innenraum fallen die Unterschiede stärker aus, bleiben aber ebenfalls überschaubar. So behält die Mittelkonsole ihr bekanntes Design, während das Lenkrad nahezu identisch ist.
Die Änderungen beschränken sich auf ein neues, besser für den Straßenbetrieb geeignetes Kombiinstrument. Zusätzlich kamen Bauteile wie eine Parkbremse, eine Wegfahrsperre, eine Zentralverriegelung und sogar eine Rückfahrkamera als Einparkhilfe hinzu.
Mehrere Bedienelemente wurden ebenfalls angepasst, darunter die elektrische Einstellung der Außenspiegel, die Klimaanlagensteuerung und sogar der Schalter für die „Blinker“.
Zu den technischeren Anpassungen zählen ein neues Wärmemanagement, eine spezielle Software sowie das Diagnosesystem des Fahrzeugs. Selbstverständlich musste auch die Abgasanlage überarbeitet werden, damit sie die für den öffentlichen Straßenverkehr geltenden Geräuschvorschriften erfüllt.
All diese Maßnahmen wurden jedoch mit großer Sorgfalt umgesetzt, stets mit dem Ziel, das Nutzungserlebnis eines Wettbewerbsfahrzeugs zu bewahren.
Dabei griff ABT auf die Erfahrung der DTM-Fahrer Kelvin van der Linde und Ricardo Feller zurück, ebenso wie auf Martin Tomczyk, Fahrer und Leiter der Motorsportabteilung von ABT.
Gemeinsam mit ihnen absolvierte der ABT XGT Tausende Kilometer auf Strecken wie der Nürburgring-Nordschleife, dem Sachsenring und dem Hockenheimring. Am Ende kamen alle Fahrer zum gleichen Urteil.
„Das Fahrverhalten auf der Straße, die Lenkpräzision und die Leistung lassen sich mit keinem Straßenfahrzeug vergleichen.“
Was kostet der ABT XGT?
Der ABT XGT wird in einer äußerst kleinen Serie von nur 99 Exemplaren gebaut. Jedes Fahrzeug hat einen Grundpreis von 598.000 Euro. Bestellungen sind bereits möglich und müssen direkt bei ABT oder Scherer Sport aufgegeben werden.
Für die Karosserie stehen vier Farbkonfigurationen mit verschiedenen Kontrasttönen zur Wahl. Dank der handwerklichen Arbeit von ABT können darüber hinaus individuelle Optionen nach den Wünschen jedes Kunden ausgewählt werden.
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