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Nissan Skyline GT-R GT1: Godzillas Rückkehr in Blyton Park

Rennwagen mit auffälligem Orange-Weiß-Lack und Sponsorenlogos driftet auf Rennstrecke, hinterlässt Rauchsäule.

Mit Blyton Park nahe Gainsborough in Lincolnshire verbinde ich viele glückliche Erinnerungen. Dazu zählen der Versuch, einen gewaltigen, bösartigen Porsche 997 GT2 RS zu zähmen, ebenso wie mein Abflug am Ende der Gegengeraden in einem Glickenhaus SCG 003-Rennwagen, während Jim Glickenhaus persönlich zusah. Nicht gerade mein glorreichster Moment. Dennoch ist es eine tolle kleine Strecke – auch wenn wohl die meisten einräumen würden, dass dieser schmale, flache und kurze Kurs Welten von der erhabenen Herausforderung und dem fiebrigen Wahnsinn des Suzuka Circuit in der japanischen Präfektur Mie entfernt ist. Einer der grossen Rennkurse.

Heute verbindet jedoch ein ganz besonderes Auto diese beiden Orte. Es handelt sich um ein ausserordentlich seltenes Wettbewerbsfahrzeug, das zuletzt beim Saisonauftakt der All Japan Grand Touring Car Championship 1995 in Suzuka unter Rennbedingungen bewegt wurde. Damals holte es die Pole-Position, verschwand anschliessend von der Bildfläche und rollt nun auf den ungeweihten Asphalt des Blyton Park. Verbaut sind noch immer der ursprüngliche Motor, das originale sequenzielle XTrac-Sechsganggetriebe und die originalen, wunderschönen SSR-Magnesiumräder mit Hohlspeichen. Seine Kampfspuren trägt es mit Stolz.

Vor mir steht der UNISIA JECS Nissan Skyline GT-R GT1 von Hasemi Motorsport. Das halbwerksseitige, von NISMO unterstützte Projekt sollte den unbesiegbaren Skyline GT-R aus seinen Group-A-Wurzeln für das neue GT1-Reglement von 1994 weiterentwickeln. Zugleich diente es als fahrendes Versuchslabor, dessen Erkenntnisse Nissans Angriff auf Le Mans 1995 prägen sollten. Man könnte sagen: So sah Godzilla aus, als er erwachsen wurde …

Fotografie: Mark Riccioni

Die Geschichte dieses Fahrzeugs ist vielschichtig und faszinierend, und sein Besitzer (sangfroid_shift auf Instagram) ist tief in den NISMO-/Hasemi-/Skyline-Kaninchenbau eingetaucht. Die komplette Geschichte lässt sich hier nicht erzählen, doch es wäre nachlässig, den Mythos der Skyline-Rennwagen im Allgemeinen und dieses Autos im Besonderen nicht zu beleuchten.

Nissan Skyline GT-R: Wie Godzilla zur Legende wurde

Sie erinnern sich an die Bezeichnung „unbesiegbar“? Das ist keineswegs übertrieben. Der Skyline GT-R der R32-Generation entstand, um die Vorschriften der Group A zu erfüllen, und zerlegte die Konkurrenz regelrecht. Über vier Saisons von 1990–1993 gewann das komplexe Coupé mit Allradantrieb und Allradlenkung, angetrieben von einem doppelt aufgeladenen Reihensechszylinder mit Graugussblock namens RB26DETT, jedes einzelne JTCC-Rennen und stand jedes Mal auf der Pole-Position. In Australien wurde er nochmals weiterentwickelt und verspeiste die heimische V8-Konkurrenz wie einen kleinen Snack. Bathurst erzitterte vor dem mächtigen japanischen Eindringling, und die lokalen Gegner – die den Skyline verabscheuten – prägten mit zusammengebissenen Zähnen den Namen Godzilla.

Auch bei seltenen Ausflügen nach Europa setzte sich die Vorherrschaft fort. Skylines fuhren Kreise um M3, Sierra Cosworth und den Rest, um 1991 die 24 Stunden von Spa zu gewinnen. Nissans Muskelpaket war entfesselt und unantastbar. In ikonischen Lackierungen stürmten die Skylines über die Kerbs, spuckten Flammen und lieferten mit ihrem brutalen Ballett ein schlicht hypnotisierendes Schauspiel. So entstand Mythos und Legende: durch eine derart physische, mechanische Wucht, wie sie die Welt zuvor nie erlebt hatte. Am Ende mussten der Skyline und die Group A sterben, damit Tourenwagen wieder leben konnten.

[Knoten: thematisches Karussell]

Der Hasemi Motorsport Skyline GT-R GT1 nach dem neuen Reglement

Die JGTCC von 1994 ging aus der Asche von JTCC (Japanese Touring Car Championship), JSPC (einer Prototypenmeisterschaft für Group-C-Fahrzeuge) und der Japan Supersport Sedan Championship, kurz JSS, hervor. Das Starterfeld war eine eigenartige Mischung: von Supras bis zu Ferrari F40 LM, einem einzelnen Porsche 962C und sogar einem Lamborghini Countach, den der japanische Lamborghini Owner’s Club gemeinsam mit Terai Engineering unter dem Namen KEN WOLF einsetzte.

Dazu kamen drei von NISMO unterstützte Skyline mit Breitbau. Einer stammte vom Calsonic-Team, ein weiterer von ZEXEL – beide nutzten modifizierte Group-A-Spenderchassis – und ein komplett neuer Herausforderer kam von Mr Skyline selbst, Masahiro Hasemi. Der legendäre Rennfahrer und inzwischen Teamchef beschloss, die Philosophie des GT-R grundlegend zu verändern, um die neuen Regeln bestmöglich auszunutzen und seine mechanische DNA zu vereinfachen. Hasemi entwickelte einen Skyline GT-R mit Hinterradantrieb, wodurch der Reihensechszylinder für eine bessere Gewichtsverteilung weiter nach hinten versetzt werden konnte; ausserdem erhielt das Fahrzeug eine vollständige Breitbaukarosserie aus Carbonfaser.

Das Auto wurde Zweiter in der Meisterschaft, siegte in einem zusätzlichen Programm bei den 24 Stunden von Tokachi und lieferte NISMO entscheidende Informationen, während man dort den R33 LM der nächsten Generation für das grosse Ziel Le Mans 1995 vorbereitete.

Zurück in Blyton Park: Bei meiner Ankunft steckt der Besitzer bereits mitten in einem ausgiebigen Testprogramm, nachdem Group A Fabrication das Fahrzeug mit akribischer Sorgfalt restauriert hat. Der GT1 wirkt riesig, hart und sehr, sehr wütend. Genau wie damals und bei seinem letzten Rennen 1995, dem ersten Lauf einer neuen Saison, weil das neue, von Hasemi gebaute R33-Modell noch nicht ganz fertig war. Seine Pole-Runde setzte ihn vor rivalisierende Allrad-Skylines, zwei F40 und unter anderem eine Handvoll neuer Porsche 993 GT2. Nach Problemen mit dem Reifenverschleiss kam er als Vierter ins Ziel. Kein schlechtes Ergebnis für den alten Kämpfer, der 1994 die Meisterschaft auf Rang zwei beendet hatte.

Fahreindruck im UNISIA JECS Nissan Skyline GT-R GT1

Für meine Fahrt gibt es keine grosse Zeremonie. „Also, er hat ein sequenzielles Getriebe, und damit musst du entschlossen umgehen“, wird mir erklärt. „Die Bremsen sind brandneu, exakte Nachbauten der ursprünglichen AP-Bremsen, also geh vielleicht etwas behutsam mit ihnen um. Aber bitte fahr ihn wirklich. Entwickle ein Gefühl für das Auto.“ Damals musste der Wagen mit einem 31-mm-Restriktor antreten und leistete vermutlich rund 450 PS. Heute sind es mehr als 500 PS; geplant ist, einen neuen Group-A-Motor einzubauen, um dieses wertvolle Original zu schonen, und die Leistung auf über 600 PS anzuheben. Der GT1 wiegt 1.200 kg.

Alles ist so schlicht, ja geradezu rudimentär. Ein Carbon-Armaturenbrett mit geraden Kanten, dazu eine grob gearbeitete, kantige Instrumentenhaube mit einem grossen Drehzahlmesser, dessen 6.800 U/min mit rotem Gewebeband markiert sind, einer Ladedruckanzeige und zwei roten Digitalanzeigen für Öl- und Wassertemperatur. Davor sitzt ein schlichtes, deutlich abgenutztes NISMO-Dreispeichenlenkrad. Links von mir ragt ein schwarzer Hebel mit rundem Knauf für das sequenzielle Getriebe auf. Mehr gibt es nicht. Ich lege den Zündschalter auf der Mittelkonsole um, drücke den Starterknopf, und der RB26 erwacht lautstark. Die Pumpe für das Getriebe einschalten, kräftig am Hebel ziehen, spüren, wie das Auto mit einem Ruck den Gang einlegt, und den Skyline dann behutsam auf die Strecke führen. Für einen JDM-Nerd wie mich gleicht dieser Moment einer Audienz beim Allmächtigen.

Die ersten Augenblicke werden davon bestimmt, die nötige Kraft für den perfekten Hochschaltvorgang zu erlernen, mich an Gewicht und Pedalweg der Bremsen zu gewöhnen – die ausgezeichnetes Gefühl vermitteln – und die überwältigende Unmittelbarkeit des Erlebnisses zu verarbeiten. Der GT1 scharrt nach Vortrieb, genau wie die alten Group-A-Allradfahrzeuge, die ich immer verehrt habe. Man meint beinahe zu spüren, wie sich die Hinterreifen in den Belag krallen, während Stossbelastungen durch das Chassis hämmern. Selbst über kleine Kerbs springt er hinweg und fühlt sich genauso monströs an, wie es die Legende verspricht.

Und doch ist er einfach zu fahren. Die Lenkung, eigentlich das gesamte Auto, steckt voller Rückmeldung und Sinneseindrücke. Man kann sich behutsam an die Haftgrenze herantasten und spürt, wie der Wagen reagiert, sobald auch nur geringster Schlupf auftritt. Weil der Motor im Chassis weiter nach hinten gerückt ist, scheint er Untersteuern stark zu widerstehen; die Übersteuerimpulse am Kurvenausgang sind aufregend, aber leicht einzufangen. Zu merken, wie das Auto seitlich ausschert, beinahe das heisse Aufflackern des flammenden Auspuffs zu fühlen und dann nach dem nächsten Gang zu greifen, damit der RB26 erneut seine unverkennbare Melodie singt, ist pure Magie.

Ringsum wird Godzilla wieder zum Leben erweckt, und seine Geschichte beginnt von vorn. Grosse Pläne liegen vor ihm, viele weitere Rennen werden folgen. Doch seine Legende steht bereits fest, und der beinahe mythische Status des Nissan Skyline GT-R GT1 ist völlig verdient.

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