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FIFA und WM 2026: Das ökologische Desaster des Fussballs

Leerer Fußballstadionrasen mit trockener, rissiger Erde und einem Ball am Spielfeldrand, Flugzeug im Himmel.

Die FIFA lenkt die beliebteste Sportart der Welt und ignoriert dennoch ausgerechnet das einzige Problem, das ihre langfristige Zukunft gefährdet: ein eklatanter Widerspruch. Die diesjährige Weltmeisterschaft wird vorführen, wie Umweltpolitik keinesfalls aussehen sollte.

Hier geht es weder um Prognosen zum Favoriten noch um die Plattform, auf der die WM 2026 vom 11. Juni bis zum 19. Juli zu sehen sein wird. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein Thema, gegen das die FIFA offenbar immun zu sein scheint: die Umweltbelastung ihres wichtigsten Turniers. Angesichts eines Berichts des britischen, auf den ökologischen Wandel spezialisierten Thinktanks New Weather Institute scheint die Schweizer Organisation die Klimakrise kaum verstanden zu haben.

Die Studie mit dem Titel Der blinde Fleck der FIFA beim Klima entstand gemeinsam mit Scientists for Global Responsibility und dem Environmental Defense Fund. Beide unabhängigen wissenschaftlichen Institutionen geniessen international hohes Ansehen für ihre Sorgfalt und Expertise. Ihrem Dokument zufolge wird das morgen beginnende Turnier voraussichtlich die klimaschädlichste Veranstaltung in der Geschichte des internationalen Fussballs.

Die Weltmeisterschaft, für die der Planet lange bezahlt

Den Berechnungen der beiden Organisationen zufolge verursacht die WM 2026 allein 9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent – doppelt so viel wie der Durchschnitt der vier vorherigen Austragungen (2010–2022), der bei 4,7 Millionen Tonnen lag. Über die 39 Turniertage entspricht das in etwa dem vollständigen jährlichen CO₂-Fussabdruck – Wohnen, Mobilität, Ernährung und Einkäufe – von knapp einer Million Menschen in Frankreich.

Anders als in anderen Jahren liegt der entscheidende Faktor nicht im Bau neuer Stadien: Die USA, Kanada und Mexiko verfügen bereits über ausreichende Infrastruktur, und für dieses Turnier wurde keine neue Arena errichtet. Der eigentliche Hauptverursacher ist der Flugverkehr, dessen Emissionen 7,72 Millionen Tonnen erreichen und damit mehr als das Vierfache des historischen Durchschnitts betragen.

Flugverkehr als zentraler Klimafaktor der WM 2026

Statt 32 treten diesmal 48 Teams an, wodurch sich die Gesamtzahl der Spiele von bisher 64 auf 104 erhöht. Dieses XXL-Format wird die Reisen der Fans massiv ausweiten. Auf einem Kontinent ohne Hochgeschwindigkeitsbahn, die Vancouver mit Miami oder Guadalajara mit Toronto verbindet, bleibt ihnen für die Verfolgung der Spiele praktisch nur das Flugzeug.

Die FIFA offenbart damit ihr wahres Gesicht: das eines opportunistischen Unternehmens, das sich vom ökologischen Kontext reinwäscht. Dieser Ausbau ist keineswegs ein „inklusiver“ Akt, um kleineren Nationen die Teilnahme zu ermöglichen. Sein einziger Zweck besteht darin, immer grössere Mengen zu erzeugen. Mehr Begegnungen bedeuten mehr verkaufte Tickets und höhere Einnahmen aus Fernsehrechten – selbst wenn der gesamte CO₂-Fussabdruck damit das Niveau von Ländern wie Estland, Kroatien, Jordanien oder Bolivien erreicht.

Stadien am Rand des Klimakollapses

Der Bericht untersucht zudem die Klimarisiken für die 16 Stadien, in denen zwischen Juni und Juli gespielt wird – mitten in der nordamerikanischen Hitzeperiode. Vier Arenen befinden sich laut Studie im „Klimanotstand“: das AT&T Stadium in Dallas, das NRG Stadium in Houston, das SoFi Stadium in Los Angeles und das Hard Rock Stadium in Miami. Den höchsten WBGT-Wert (Wet Bulb Globe Temperature, ein Indikator für Hitzestress, der Temperatur und Luftfeuchtigkeit kombiniert) weist das NRG Stadium mit 28,96 °C im Juli auf.

Obwohl das American College of Sports Medicine empfiehlt, sämtliche Wettbewerbe ab 27,78 °C abzusagen, scheint dieser Grenzwert die FIFA kaum zu beunruhigen.

Am AT&T Stadium werden jährlich 37 Tage mit Temperaturen von über 35 °C verzeichnet. Das Hard Rock Stadium liegt inmitten von Überschwemmungsgebieten, während die Spiele direkt in der atlantischen Hurrikansaison stattfinden sollen – einer Zeit, in der Küstenüberflutungen besonders häufig auftreten. Das SoFi Stadium ist gleich doppelt bedroht: durch sommerlichen Hitzestress, der Leistung und Gesundheit der Spieler unmittelbar beeinträchtigt, sowie durch die Megabrände, die Kalifornien jeden Sommer verwüsten. Die FIFA hat damit katastrophale Entscheidungen getroffen und zeigt neben unverhohlenem Kommerzdenken, dass sie sich überhaupt nicht um die Gesundheit der Spieler kümmert.

Insgesamt müssten acht der 16 Stadien dringend umgebaut werden, bevor dort Spiele unter klimatisch vertretbaren Bedingungen stattfinden können. Die Studie beziffert die notwendigen Arbeiten auf 171 Millionen US-Dollar – 1,5 % des FIFA-Budgets von 11 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2023–2026. Ausgegeben hat sie davon keinen einzigen Dollar; offenbar sollte das fehlende Geld sorgfältig für einen absoluten Notfall zurückgehalten werden, etwa für Bewirtung und Fünf-Sterne-Hotels der Komiteevertreter.

Sponsoren und die ungenutzten Mittel der FIFA

Noch düsterer wird das Bild beim Blick auf die Sponsoren: Unter den 14 diesjährigen Partnern befindet sich ausgerechnet Aramco, das staatliche saudische Ölunternehmen und weltweit grösster industrieller CO₂-Emittent. Je mehr Fans fliegen, desto mehr Treibstoff des offiziellen Sponsors wird verbrannt. Damit schliesst sich der Kreis, und der Geschäftsplan geht vollständig auf: Die Verschmutzung des Turniers steigert die Profite eines seiner wichtigsten Förderer. Allein dieser Sponsoringvertrag wird der Studie zufolge rund 30 Millionen Tonnen zusätzliche Emissionen verursachen – mehr als dreimal so viel wie das Turnier selbst.

Die FIFA ist schlicht nicht zu verteidigen, denn sie besass sämtliche Mittel, um diesen Umweltbericht überflüssig zu machen, hat sie jedoch nicht genutzt. Sie verfügt über einen unanständig grossen Finanzschatz, um den sie zahlreiche Sportorganisationen beneiden. Ihre eigenen wissenschaftlichen Partner haben ihr detaillierte Daten zu den Risikobewertungen für jedes einzelne Stadion geliefert. Sie besitzt die Legitimität: Keine andere Organisation bündelt so viel Einfluss auf die meistverfolgte Sportart der Welt. Seit 2021 hat sie zudem einen offiziellen Klimaplan, von dessen versprochenen Massnahmen sie lediglich 11 % umgesetzt hat. Jahr für Jahr gibt sie sich als Hüterin des Fussballs aus, während sie immer deutlicher zeigt, dass sie diesem Sport nicht mehr dient. Stattdessen nutzt sie ihn als rücksichtslos ausgeschlachtete Einnahmequelle – zum Nachteil von Spielern, Fans und dem Planeten. Die Verfasser des Berichts sind eindeutig: Ihren Prognosen zufolge werden die Wetterbedingungen, die für eine Sommer-Weltmeisterschaft erforderlich sind, bis zum Ende des Jahrhunderts in der Mehrheit der heute vorgesehenen Gastgeberländer vermutlich schlicht nicht mehr existieren.

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