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Porsche und Sebastian Steudtner: Das Caçador RS für Riesenwellen

Surfer in schwarzem Neoprenanzug reitet große Welle mit Leuchtturm im Hintergrund bei Tageslicht.

Sebastian Steudtner ist Profisurfer, hält derzeit den Weltrekord im Big-Wave-Surfen und arbeitet seit einigen Jahren mit Porsche zusammen. Doch wie bei vielen Spitzensportlern kommt irgendwann der Moment, in dem das vorhandene Material keine weiteren Fortschritte mehr ermöglicht.

Dank der Partnerschaft mit Porsche wurde in den vergangenen Jahren gemeinsam an einer Lösung gearbeitet. Mit Methoden, die stark an die Entwicklung von Automobilen angelehnt sind, entwickelten Porsche Engineering und Sebastian Steudtner ein sportlicheres Surfbrett: das Caçador RS.

Wir reisten nach Nazaré, um die Atmosphäre am Praia do Norte zu erleben, wo sich das gesamte Geschehen abspielt, und Sebastian Steudtner zu treffen. Anschliessend ging es für die Präsentation des neuen Surfbretts zurück ins Porsche Studio in Cascais.

Die Bezeichnung „Caçador“ mag im Zusammenhang mit Porsche zunächst ungewohnt wirken. Die Abkürzung RS beziehungsweise RennSport hingegen nicht. Genau darin liegt die passende Analogie: Dieses Surfbrett ist tatsächlich die sportlichste Ausführung seiner Art.

Hat Porsche das perfekte Surfbrett entwickelt?

Um eine Riesenwelle möglichst gut „hinunterzufahren“, muss das ideale Gleichgewicht zwischen Tempo und Stabilität gefunden werden. Das ist die entscheidende Herausforderung. Steudtner zufolge lässt sich mit seinem bisherigen Brett schlicht nicht schneller fahren.

Deshalb untersuchten Porsche Engineering und Steudtner neue Ansätze in der Aerodynamik und Hydrodynamik. In einem Windkanal, in dem der Surfer auf dem Brett stand, wurde ermittelt, an welchen Stellen Verbesserungen möglich waren. Die Daten aus dem Windkanal gaben Steudtner zudem die Möglichkeit, seine Körperhaltung zu optimieren.

Wie der aktuelle Guinness-Rekordhalter erklärt, sind Wellen nicht mit Strassen vergleichbar, auf denen man dieselbe Kurve immer wieder fahren und die eigene Technik schrittweise verfeinern kann. Keine zwei Wellen gleichen einander. Das erschwert die Entwicklung jeglicher Ausrüstung.

Die Form des Caçador RS sorgt jedoch für mehr Stabilität – und zwar auch bei höheren Geschwindigkeiten. Hinzu kommen Details wie ein neuer Heckspoiler. Schliesslich handelt es sich um ein RS-Modell. Seine Wirkung ähnelt der eines Flügels an einem Auto: Er erzeugt gewissermassen Abtrieb.

Auch im vorderen Bereich fällt die Neigung etwas stärker aus. Darüber hinaus besitzt das Caçador RS auf der Oberseite einen Spoiler, der ebenfalls zur Verringerung des Widerstands beiträgt.

Nach der Präsentation wollten wir unbedingt sehen, was Sebastian Steudtner mit dem Caçador RS leisten kann. Bis die Saison der grössten Wellen beginnt, bleibt jedoch das Video seines aktuellen Rekords. Es zeigt eine Welle mit einer Höhe von 26,21 Metern.

Technologie im Dienst des Surfens

Obwohl Surfen eine sehr alte Sportart ist und seit Langem mit grosser Ernsthaftigkeit betrieben wird, war sie bislang nie mit besonders fortschrittlicher und präziser Technologie verbunden. Die Entwicklungsprozesse moderner Bretter wie des „Caçador RS“ zeigen jedoch, dass sich dies inzwischen verändert hat. Und das Beste daran: Dieses Projekt wird nicht das letzte von Porsche Engineering bleiben.

Die nächste Entwicklung der Porsche-Technologietochter für die Surfwelt entstand ebenfalls gemeinsam mit Steudtner. Das bereits im Prototypenstadium befindliche Projekt soll die Höhe von Wellen mit hoher Genauigkeit messen.

Optisch handelt es sich „nur“ um eine professionelle Drohne einer der bekanntesten Marken dieser Branche. Zusätzlich zu den üblichen Kameras sowie Steuerungs- und Speichereinheiten erhält sie jedoch weitere Komponenten. Konkret ist ein Sensorpaket vorgesehen, das den Systemen der Fahrerassistenz sehr ähnlich ist, die Porsche aktuell in seinen Modellen verbaut.

Mithilfe dieser Sensoren und Radare soll die Drohne unterschiedliche Informationen über die Welle und den Surfer innerhalb eines Radius von 100 Metern erfassen, aufzeichnen und messen können.

Auf der Suche nach verlässlicheren Daten

Derzeit befindet sich das System noch als Prototyp in der Erprobung, doch die Marke erklärt, dass es bereits in der nächsten Big-Wave-Saison in Nazaré eingesetzt wird. Damit können ab dem kommenden Herbst Wellendaten mit einer bisher unerreichten Zuverlässigkeit erfasst werden.

Bislang wurden sämtliche Messungen anhand von Fotos und Videos vorgenommen. Einige Wellen konnten gerade wegen fehlender Mittel und Technologien nie offiziell bestätigt werden.

Zu den zahlreichen Beispielen im Internet gehört „Big Mama“, die Welle, die der Portugiese Hugo Vau am 17. Januar 2018 surfte. Nach den damals mit grösstmöglicher Sorgfalt berechneten Messdaten war „Big Mama“ rund 35 Meter hoch. Damit wäre sie fast neun Meter höher als die Rekordwelle von Steudtner gewesen. Da jedoch lediglich Videoaufnahmen aus einem Blickwinkel vorlagen, liessen sich diese Daten nicht bestätigen.

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