Die beste Torquote dieses Jahrhunderts, nahezu voll besetzte Stadien und eine effektive Spielzeit, die über jener der Champions League liegt.
Die Fußball-WM 2026 endet morgen mit dem Finale zwischen Spanien und Argentinien und wird in die Geschichte eingehen. Mehrere von der FIFA eingeführte Änderungen – sowohl sportlicher Art als auch in der Organisationssteuerung – haben bereits neue Bestmarken hervorgebracht. Besonders ins Gewicht fällt die Stadionauslastung von 99,7%, ein Wert, der alle Weltmeisterschaften dieses Jahrhunderts übertrifft. Mehr als 6,6 Millionen Fans verfolgten das bislang größte Turnier mit 48 Nationalteams und 104 Spielen. Damit liegt der Zuschauerzuspruch sogar über den zusammengerechneten Besucherzahlen der Weltmeisterschaften 2018 (drei Millionen Zuschauer) und 2022 (3,4 Millionen) – obwohl die Tickets teurer sind.
Fußball-WM 2026: Dynamische Preise und Rekorde bei den Zuschauern
Dieser Erfolg der FIFA wurde jedoch erst durch ein neues Vertriebssystem möglich. Ein Algorithmus setzte den Preis jeder Eintrittskarte anhand von Nachfrage und verfügbarer Stadionkapazität fest. Mit diesen dynamischen Preisen konnte der Verband die Einnahmen maximieren, ähnlich wie Fluggesellschaften ihre Flugtickets verkaufen. Ergänzt wurde das Modell durch den FIFA-Marktplatz, über den Fans Karten kaufen und weiterverkaufen konnten. Pro Ticket wurde dabei sowohl Verkäufern als auch Käufern eine Gebühr von 15% berechnet. Allein der Kartenverkauf brachte der FIFA deshalb 2,75 Milliarden Euro ein. Tickets für das Endspiel werden teils für mehr als 30.000 Euro weiterverkauft.
Von den Partien an den 16 Austragungsorten zogen die fünf Begegnungen im Azteca-Stadion in Mexiko-Stadt die meisten Zuschauer an: Im Schnitt saßen dort 80.824 Fans auf den Rängen. Den höchsten Einzelwert gab es gleich beim Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika, das 89.824 Anhänger besuchten. Die englische Nationalmannschaft mobilisierte insgesamt mit 496.815 Fans das größte Publikum, das sie bis zum Halbfinal-Aus gegen Argentinien (1-2) begleitete.
Tore und effektive Spielzeit über Champions-League-Niveau
Obwohl die Spiele um Platz drei und vier sowie das Finale noch ausstehen, fielen in 102 Begegnungen bereits 297 Tore. Das entspricht einem Schnitt von 2,91 Toren pro Spiel. Für eine bessere Quote muss man bis zur Ausgabe von 1970 zurückgehen, die bei 2,97 lag. Zugleich bewiesen die führenden „Torjäger“ wie Mbappé, Haaland, Kane und Messi mit ihren Treffern ihre Klasse. Die Weltmeisterschaft stand außerdem für offensiven Fußball und gewann den Vergleich bei der effektiven Spielzeit. Diese stieg durch mehrere Maßnahmen, angefangen bei großzügiger ausgelegten Schiedsrichterkriterien, die zu weniger gepfiffenen Fouls, weniger Unterbrechungen für Behandlungen auf dem Platz und weniger Verzögerungen bei der Spielfortsetzung führten.
Trotz der umstrittenen Trinkpausen betrug die effektive Spielzeit 58:08 Minuten. Damit lag sie über dem Wert der Champions League (56:43) und auch über dem der fünf größten europäischen Ligen. In der vergangenen Saison der portugiesischen Liga wurde am 12. Spieltag mit durchschnittlich 55:45 Minuten die höchste effektive Spielzeit registriert. „Das Ziel war, Spielunterbrechungen so weit wie möglich zu beseitigen und Verhaltensweisen zu verändern“, erklärte Pierluigi Collina, Leiter des FIFA-Schiedsrichterwesens.
Auch einzelne Regelanpassungen trugen zu mehr effektiver Spielzeit bei. So wurde ein Abstoß im Spiel gegen die DR Kongo (1-1) durch den Fünf-Sekunden-Countdown zu einem Eckball für Portugal. Ersatzspieler durften mitunter nicht aufs Feld, weil der ausgewechselte Spieler zu lange für das Verlassen des Platzes benötigte: Auswechslungen mussten innerhalb von 10 Sekunden erfolgen. Ebenso kamen Behandlungen auf dem Rasen seltener vor, da der versorgte Spieler anschließend eine Minute außerhalb der Spielfeldbegrenzung bleiben musste.
Historisches Kap Verde
Die 48 teilnehmenden Nationalteams prägten auch die K.-o.-Phase. Der Afrikanische Fußballverband (CAF) stellte neun Mannschaften im Sechzehntelfinale, während er bei früheren Ausgaben nie mehr als zwei Teams in diese Runde gebracht hatte. Von den Debütanten Curaçao, Jordanien, Usbekistan und Kap Verde erreichten nur die „Blauen Haie“ die K.-o.-Runde. Sie blieben in der Gruppenphase ungeschlagen und forderten Argentinien alles ab, das sich erst in der Verlängerung mit 3-2 durchsetzte.
Neben Kap Verde erreichten auch Bosnien, Kanada, die DR Kongo, die Elfenbeinküste, Ägypten und Südafrika erstmals in ihrer Geschichte die K.-o.-Phase. Kanada schied erst im Achtelfinale gegen Marokko (0-3) aus. Ägypten unterlag in derselben Runde Argentinien (3-2), begleitet von viel Kontroverse. Nun entscheidet sich, wer neuer Weltmeister wird: Argentinien könnte zwei Titel nacheinander gewinnen und mit Brasilien (1958 und 1962) gleichziehen, während Spanien nach einem Pokal greift, der dem Team seit 2010 verwehrt geblieben ist.
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