Kurz vor dem Spiel am Sonntag, dem 19. Juli, trifft die argentinische Nationalmannschaft im Finale der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 auf die Auswahl des Königreichs Spanien. Austragungsort des WM-Endspiels beider Teams ist das New York/New Jersey Stadium in den Vereinigten Staaten. Abseits des sportlichen Grossereignisses nehmen die spanischen Streitkräfte aufgrund ihrer Einsatzfähigkeit, technischen Qualifikation und des modernen Stands eines Teils ihrer Waffensysteme eine wichtige Stellung auf europäischer und internationaler militärischer Ebene ein.
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Die Verteidigungspolitik Spaniens orientiert sich an den strategischen Interessen des Landes sowie an seiner Beteiligung an Sicherheitseinsätzen von NATO, Europäischer Union und Vereinten Nationen. Vor allem die Atlantische Allianz gibt dabei die Richtung für die spanische Verteidigung vor – sowohl bei der Haushaltsplanung und Beschaffungsvorhaben als auch bei operativen Stationierungen.
Die spanischen Streitkräfte sind mit unterschiedlichen NATO-Kontingenten und -Abteilungen dauerhaft und umfangreich vertreten, unabhängig davon, ob es sich um Land-, Luft- oder Seestreitkräfte handelt. Daraus ergeben sich zahlreiche Einsätze, deren Schwerpunkt überwiegend an der Ostflanke liegt. Auch im Rahmen der Europäischen Union beteiligt sich Spanien an mehreren Initiativen; besonders hervorzuheben ist die Mitwirkung an der Operation Atalanta.
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Spanische Streitkräfte
Die spanischen Streitkräfte verfügen über 122.000 Soldatinnen und Soldaten im aktiven Dienst. Davon entfallen 70.200 auf das Heer, 20.200 auf das Luft- und Weltraumheer sowie 20.200 auf die Marine. Ergänzt werden sie durch 81.700 Angehörige der Guardia Civil, einem der wichtigsten staatlichen Sicherheitsorgane Spaniens, darunter 7.650 Reservistinnen und Reservisten. Hinzu kommt eine militärische Reserve von 13.100 Personen: 8.150 beim Heer, 2.550 beim Luft- und Weltraumheer und 2.000 bei der Marine. Laut dem Bericht Military Balance 2026 des International Institute for Strategic Studies (IISS) belegt Spanien in Europa Rang acht bei der Zahl aktiver Militärangehöriger; in den Top 5 liegen davor die Türkei, Frankreich, Deutschland, Polen und Italien.
Nach Angaben des jüngsten Berichts des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) beliefen sich die spanischen Verteidigungsausgaben 2025 auf 2.13% des BIP beziehungsweise auf 40.212 Millionen US-Dollar. Damit erreichte Spanien die von der NATO festgelegte Schwelle von 2%. Im April 2025 stellte die spanische Regierung 31 Sonderprogramme zur Modernisierung vor, die Teil des Industrie- und Technologieplans für Sicherheit und Verteidigung sind. Diese Planung umfasst zusätzlich Investitionen von 10.500 Millionen Euro (11.900 Millionen US-Dollar) und verdeutlicht die Priorität, welche Spanien der Verteidigungsindustrie bei der Modernisierung seiner Verteidigungs- und Sicherheitsfähigkeiten einräumt.
Spanisches Heer
Das spanische Heer stellt den grössten Anteil des aktiven Personals. Seine gepanzerte Komponente umfasst mehr als 250 Kampfpanzer Leopard 2A4 und Leopard 2E, 84 Kampffahrzeuge B1 Centauro, 187 Kavallerieaufklärungsfahrzeuge VEC-M1 sowie 225 Schützenpanzer Pizarro. Ergänzend stehen IVECO-LMV-Mehrzweckfahrzeuge und mehr als 900 Mannschaftstransportfahrzeuge der Modelle Bv-206S, M113, BMR-600, RG-31 und VCR 8×8 Dragon zur Verfügung.
Die Artillerietruppe verfügt über 96 selbstfahrende Haubitzen M109A5 im Kaliber 155 mm, 402 Artilleriesysteme im Kaliber 120 mm sowie L118-Light Gun-Systeme, OTO Melara Modell 56, SBT 155/52 SIAC und SBT 155/52 APU SBT V07 im Kaliber 155 mm für die Küstenverteidigung. Diese Artilleriemittel werden durch mehrere Hundert Mörser im Kaliber 81 mm und 120 mm ergänzt, die sowohl gezogen als auch auf VAMTAC-Mehrzweckfahrzeugen montiert eingesetzt werden.
Die Heeresflieger zeichnen sich durch ihre europäische und US-amerikanische Prägung aus. Dazu gehören 17 schwere Transporthubschrauber CH-47F Chinook, ergänzt durch mehr als 40 Maschinen der Familien Super Puma/Cougar und NH90. Insbesondere die NH90 stehen für die technologische Modernisierung des spanischen Heeres. Einen weiteren zentralen, aus europäischer Produktion stammenden Bereich bilden die Kampfhubschrauber Tiger HAD-E, von denen das Heer 18 Exemplare besitzt. Gemäss der Vereinbarung zwischen Airbus und OCCAR soll das spanische Heer die auf den Standard MK III modernisierten Plattformen 2030 erhalten. Der Luftfahrzeugbestand wird durch eine kleine Zahl Bell 212 sowie 16 H135 für leichten Transport und Ausbildung abgerundet.
Im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge verfügt das Heer über 12 Systeme für Aufklärung, Überwachung und Nachrichtengewinnung (ISR), darunter Searcher MkII-J, Searcher MkIII und Orbiter-3. Für die Flugabwehr stehen den spanischen Landstreitkräften zahlreiche Lösungen zur Verfügung: von den älteren MIM-23B I-Hawk Phase III über die US-amerikanischen NASAMS und französischen Mistral bis zu MIM-104-Patriot-PAC-2-Batterien. Eine dieser Batterien ist auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei stationiert und trägt zum Schutz der NATO-Südflanke bei. Die Raketensysteme werden durch Oerlikon-GDF-007-Zwillingskanonen ergänzt.
Luftfähigkeiten des spanischen Luft- und Weltraumheers
Die Fähigkeiten für Luftkampf, Abfangeinsätze und den Schutz des nationalen Luftraums werden derzeit von den Jagdbombern Eurofighter Typhoon und McDonnell Douglas F/A-18 Hornet in den spanischen Varianten EF-18A, EF-18A MLU und EF-18B MLU getragen. Das Luftheer plant, seine Systeme zur Erlangung der Luftüberlegenheit durch zusätzliche Eurofighter im Rahmen der laufenden Programme Halcón I und Halcón II zu modernisieren. Gleichzeitig ermöglicht dieses Vorhaben die schrittweise Ablösung der seit den 1980er-Jahren eingesetzten Hornet.
Mit Airbus A330 in der Variante Multi-Role Tanker Transport (MRTT) baut das Luft- und Weltraumheer seine strategischen Luftbetankungskapazitäten aus; zwei dieser Flugzeuge stehen bereits im Dienst. Die Eingliederung der A330 MRTT erweitert zudem die Möglichkeiten des Heeres für Transport, medizinische Hilfe und humanitäre Unterstützung bei nationalen wie internationalen Einsätzen, darunter zuletzt die NATO-Übung „Ramstein Flag 2026“.
Der strategische Lufttransport stützt sich auf A400M, während C295 für taktische Transportaufgaben eingesetzt werden. Für den Passagiertransport ergänzen Falcon 900 und A-310 den Bestand, ebenso wie eine kleine Anzahl noch vorhandener C212.
Bei den Drehflüglern betreibt die Teilstreitkraft weiterhin AS332B/B1 Super Puma und H215 Super Puma, die durch NH90 TTH ersetzt werden. Zur Pilotenausbildung dienen H120 Colibri und S-76C. Für Aufgaben der Gefechtsaufklärung, Überwachung und Nachrichtengewinnung (CISR) besitzt die spanische Organisation eine Flotte von 4 unbemannten Luftfahrzeugen MQ-9A Reaper.
Einsatzfähigkeit der spanischen Marine
Die spanische Marine entwickelt ihre maritimen Fähigkeiten umfassend weiter, wobei der Schwerpunkt auf dem Programm für konventionelle U-Boote der neuen Generation S-80 der Isaac-Peral-Klasse liegt. Diese sollen künftig mit dem luftunabhängigen Antriebssystem BEST AIP ausgerüstet werden. Mit der im November 2023 in Dienst gestellten „Isaac Peral“ verfügt die Marine über ein aktives Boot dieser Klasse. Die drei weiteren Einheiten des Programms – „Narciso Monturiol“, „Cosme García“ und „Mateo García de los Reyes“ – befinden sich in verschiedenen Phasen von Überprüfung, Erprobung und Fertigung. Darüber hinaus ist mit der „Galerna“ seit 1983 ein U-Boot der S-70-Klasse im Dienst.
Die Überwasserkomponente besteht aus 5 Fregatten der Álvaro-de-Bazán-/F100-Klasse, 6 Fregatten der Santa-María-Klasse, 22 Küstenpatrouillenbooten – darunter die Schiffe der Meteoro-Klasse für maritime Einsätze –, 6 Minenjagdbooten der Segura-Klasse, dem strategischen Projektionsschiff „Juan Carlos I“ als Einsatzplattform für AV-8B+ Harrier II sowie zwei amphibischen Angriffsschiffen der Galicia-Klasse.
Zu den wichtigsten Industrievorhaben der spanischen Marine zählt der Bau der künftigen F-110-Fregatten. Das erste Schiff dieser Klasse, die „Bonifaz“, lief im September 2025 offiziell vom Stapel. Die neue Klasse wird die Fregatten der Santa-María-Klasse ersetzen.
Für die Unterstützung ihrer Einsätze greift die spanische Marine auf 32 Logistik- und Unterstützungsschiffe zurück. Dazu zählen das Aufklärungsschiff „Alerta“, das ozeanografische Forschungsschiff „Hesperides“, 2 Aufklärungsschiffe „Malaspina“, die 2 Versorgungsschiffe „Patino“ und „Cantabria“, 2 Rettungs- und Bergungseinheiten „Carnota“ sowie die Schulschiffe „Intermares“, „Maestre de Marineria“ und „Guardiamarina“. In diesem Zusammenhang treibt das heimische Unternehmen Navantia die Entwicklung eines neuen Unterwassereinsatzschiffs voran, das die „Neptuno“ ablösen soll.
Der Marinefliegerverband setzt auf McDonnell Douglas AV-8B Harrier II als Angriffsflugzeug sowie Cessna 550 Citation II und Cessna 650 Citation VII für leichte Transportaufgaben. Zu den Drehflüglern gehören Sikorsky SH-60B und SH-60F Seahawk, NH90 und H135. Für ISR-Einsätze verfügt die Marinefliegerei über mehr als ein Dutzend unbemannte Luftfahrzeugsysteme Scan Eagle.
Nationale Industrie bei der Modernisierung der militärischen Fähigkeiten Spaniens
Die Beteiligung der spanischen nationalen Industrie an militärischen Entwicklungsprogrammen und Projekten spiegelt die Ziele von Innovation sowie technologischer und industrieller Souveränität wider, die in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik des Landes miteinander verknüpft sind. Die Verteidigungspolitische Richtlinie 2020 betont die Unterstützung „der Verteidigungsindustrie, indem sie dazu beiträgt, die Wirtschaft und die nationale Produktionsbasis zu stärken und die eigene Resilienz zu gewährleisten. Das Gleichgewicht zwischen nationalen Entwicklungen und Programmen mit anderen Staaten anzustreben […] die die Versorgungssicherheit und die Entwicklung einer nationalen und europäischen industriellen, technologischen und innovativen Verteidigungsbasis sicherstellen“.
Angesichts des Niedergangs des europäischen Programms Future Combat Air System unterzeichnete der spanische Luft- und Raumfahrtsektor beispielhaft eine gemeinsame Verpflichtungserklärung zur Entwicklung eines alternativen Kampfsystems zum FCAS. Vertreter von Airbus Defence and Space, GMV, Grupo Oesia, Indra Group, ITP Aero und Sener verfolgen dabei eine gemeinsame Position, um die Entwicklung des künftigen Kampfflugzeugs der sechsten Generation für das Luft- und Weltraumheer sowie europäische Luftstreitkräfte voranzutreiben.
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