Das ist eine Geschichte, die erst mit der Zeit gewachsen ist. Denn in den Jahren vor dem Internet, den 1980ern, verbreiteten sich Informationen nur schlecht. Toyota bot das Corolla Coupé GT einige Jahre lang in Grossbritannien an, doch wir bevorzugten Ford Capri und Vauxhall Manta – Autos mit etwas Auftreten und Selbstbewusstsein. Ein Toyota galt als Haushaltsgerät; wir betrachteten japanische Autos damals ähnlich, wie wir heute chinesische beurteilen.
Was wir nicht wussten: Das Corolla Coupé GT führte in Japan ein ganz anderes Leben. Dort trug es den Spitznamen Hachi Roku und war eine Legende im Driftsport und Rallyesport. Sein Ruf entstand ebenso auf illegalen Strassenrennen wie im offiziellen Wettbewerb. Erst lange nachdem das Coupé GT 1987 in Grossbritannien aus dem Verkauf verschwunden war, begriffen wir Europäer wirklich, worum es beim AE86 ging. Für mich eröffnete sich damit eine völlig neue Welt. Bis dahin drehten sich meine Begehrlichkeiten um französische Hot Hatches: 205, AX GT und 5 Turbo. Plötzlich gab es eine neue Karosserieform zum Anhimmeln – und einen neuen Helden: Keiichi Tsuchiya. Der Mann, der das Driften „erfunden“ hat.
Vor einem Dutzend Jahren durfte ich einen Tag mit ihm verbringen und GT86 um Fässer driften. Er war so cool, wie man nur sein kann: entweder fuhr er mit voller Wucht oder sass auf einem Stapel abgefahrener, ramponierter Reifen und rauchte ununterbrochen Zigaretten. Für den Ruhm des Hachi Roku war er ebenso verantwortlich wie der Wagen für seinen. Hachi Roku bedeutet übrigens auf Japanisch 86, und der GT86 wurde zu Ehren dieses Autos so benannt.
Keiichi Tsuchiya und die Drifting-Legende des AE86
Tsuchiya begann mit dem Driften, um überholen zu können: Er liess das Auto ohne zu bremsen quer in Kurven hineingleiten, um nach vorn zu kommen, und brachte das daraus entstandene Chaos erst hinter dem Scheitelpunkt wieder in Ordnung. Diese Technik machte ihn berühmt und setzte den gesamten Drifting-Boom in Gang. Möglich war sie, weil der AE86 so fabelhaft ausgewogen war.
Genau das stelle ich nun selbst fest. Meine Güte, wie süss dieses Auto ausbalanciert fährt. Die Karosserieneigung ist zum Lachen, doch die Verteilung des ohnehin bescheidenen Grips zwischen Vorder- und Hinterachse ist absolut perfekt. Es ist eines jener Autos, in denen man genau mittig sitzt und an beiden Enden gleichermassen spürt, was passiert. Und dann stellt es gerade genug Leistung bereit, um den vorhandenen Grip zu überwinden, wenn man sich mit genügend Nachdruck in die Kurve wirft. Ich bin kein Tsuchiya, und dieser Wagen ist zu kostbar; ehrlich gesagt wirkt er auch zu alt, selten und fragil, um ihn übermässig zu malträtieren. Aber was für ein Ding. Ein Ding, das geradezu nach Umbauten und Verbesserungen verlangt.
Toyota Corolla Coupé GT: Balance statt Luxus
Dies war die fünfte Corolla-Generation und zugleich die letzte mit Hinterradantrieb. Serienmässig besass sie einen 1,6-Liter-Twincam-Vierzylinder, der deutlich kerniger klingt, als man erwarten würde. Er leistete 128 PS und 149 Nm – zu einer Zeit, als das noch akzeptabel war. Weil der Wagen nur rund 950 kg wog, lag sein Leistungsgewicht nicht weit von dem eines 205 GTI 1.9 entfernt. Heute reicht das Tempo gerade so aus, um zu vermitteln, dass man sich nun ja, bewegt; 0 auf 97 km/h in 8,6 Sekunden lautete die Werksangabe. Zwar gibt es untenherum einen ordentlichen Drehmomentschub, doch dem Vorwärtsdrang steht mehr Geräusch als Beschleunigung gegenüber. Glücklicherweise ist dieses Geräusch grossartig.
Das Coupé GT in britischer Ausführung vermittelt nicht den Eindruck eines Sportwagens. Das Dreispeichenlenkrad liegt angenehm in der Hand, ist aber riesig. Der blaue Veloursbezug der breiten Sitze soll Luxus suggerieren, doch die harten Kunststoffe und das kantige Cockpitdesign können diesen Eindruck kaum aufrechterhalten. Die tatsächliche Sportlichkeit und Befriedigung stammen hier von den unsichtbaren Komponenten.
Nicht zum ersten Mal ging bei der Übertragung von Japan nach Europa etwas verloren. Europa erkannte nicht, was es mit diesem kleinen Coupé in Händen hielt. Für uns war der Corolla mit Schrägheck das ursprüngliche Haushaltsgerät, und das Coupé GT konnte ihm nur einen Anflug von Luxus hinzufügen. Doch als leere Leinwand betrachtet, entkernt und einsatzbereit gemacht, wird sofort verständlich, weshalb der AE86 ein Leben führte, das weit über seine natürliche Lebensdauer hinausging.
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