Während sich die Rallye-Weltmeisterschaft auf einen neuen Promoter vorbereitet und Kostendisziplin als „oberstes Gebot“ gilt, hat die WRC (World Rally Championship) weitere Details zu einer der weitreichendsten Veränderungen ihrer jüngeren Geschichte vorgestellt.
Nach monatelangen Beratungen hat die FIA das technische Regelwerk verabschiedet, das die nächste Fahrzeuggeneration in der Topklasse der Rallye-Weltmeisterschaft bestimmen wird. Damit soll die Meisterschaft zugänglicher werden, neue Hersteller anziehen und wirtschaftlich tragfähig bleiben.
Die Zielsetzung ist eindeutig: Die Kosten sollen sinken, die Zahl der Teilnehmer wachsen und die Relevanz der WRC für Hersteller sowie Privatteams gesichert werden. Dennoch ist die beschlossene Strategie keineswegs unumstritten.
WRC27: eine neue Philosophie im Rallyesport
Das von der FIA 2024 genehmigte WRC27-Reglement wurde entwickelt, um die höchste Rallye-Kategorie zugänglicher und nachhaltiger zu machen. Kern der neuen Vorschriften ist eine einheitliche Sicherheitszelle in Rohrrahmenbauweise, die einfacher und kostengünstiger hergestellt werden kann.
Zugleich gewährt das Regelwerk bei der Karosseriegestaltung eine bislang ungeahnte Freiheit. Statt Serienmodelle zwingend als Basis vorzuschreiben, legt die FIA lediglich eine Reihe maximaler Abmessungen fest.
Darauf aufbauend dürfen Hersteller sowohl Fahrzeuge entwickeln, die von Serienautos inspiriert sind, als auch Prototypen, die ausschließlich für den Wettbewerb konzipiert werden.
Eine weitere Neuerung ist die Öffnung der Topklasse für zusätzliche Akteure. Neben den etablierten Herstellern können auch Tuning- und Ingenieurunternehmen Fahrzeuge entwickeln und homologieren; sie treten dabei alle unter der gemeinsamen Bezeichnung Hersteller an.
Technisch setzen die WRC27 zunächst auf 1,6-Liter-Turbomotoren mit nachhaltigem Kraftstoff, rund 290 PS, Allradantrieb und einem Fünfganggetriebe.
Der Preis eines einsatzbereiten Fahrzeugs für Asphalt-Rallyes wird auf 345.000 Euro begrenzt. Das liegt etwa 50 % unter dem Preis der aktuellen Rally1-Fahrzeuge und soll zusätzliche Teilnehmer für die Meisterschaft gewinnen.
Die Übergangslösung
Die FIA räumt allerdings ein, dass der Wechsel zu den WRC27 nicht zwangsläufig sofort erfolgen wird. Deshalb wurde für die Saisons 2027 und 2028 eine Übergangsregelung geschaffen. Sie erlaubt Rally2-Fahrzeugen, die bis Ende 2026 homologiert wurden, mit einem von der FIA genehmigten Kit in der Topklasse anzutreten.
Das sogenannte Rally2-WRC-Kit darf höchstens 7500 Euro kosten. Es umfasst aerodynamische Änderungen und weitere technische Anpassungen, die diese Fahrzeuge leistungsmäßig an die künftigen WRC27 heranführen sollen, sodass sie um Gesamtsiege kämpfen können.
Unterschiedliche Positionen zu Rally2 in der WRC
Über die Notwendigkeit, Kosten zu kontrollieren, und selbst über die Übergangslösung besteht weitgehend Einigkeit. Bei der Frage, wie Rally2-Fahrzeuge an die Topklasse angepasst werden sollen, gehen die Ansichten jedoch auseinander.
Die FIA und Toyota plädieren für größere aerodynamische Freiheiten. Ihrer Auffassung nach lässt sich damit die Leistung der Rally2-Fahrzeuge leichter an jene der zukünftigen WRC27 angleichen.
Škoda, Lancia und Citroën – prägende Marken der Rally2-Kategorie – äußern sich dagegen deutlich kritischer. Alle drei fürchten steigende Kosten und die Folgen umfassender Änderungen für eine Klasse, die von Privatteams sowie in nationalen und internationalen Meisterschaften intensiv genutzt wird.
Unter den Fans sehen einige die Zulassung von Rally2-Fahrzeugen in der Topklasse als Chance, das Teilnehmerfeld zu vergrößern und den sportlichen Wettbewerb attraktiver zu machen.
Andere bezweifeln hingegen, ob das Nebeneinander von Autos, die nach unterschiedlichen Konzepten entwickelt wurden – und die Möglichkeit, dass angepasste Rally2-Fahrzeuge Gesamtsiege erzielen –, nicht Ungleichgewichte schaffen und das Interesse der Hersteller an Investitionen in die kommenden WRC27 mindern könnte.
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