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Live-Sport kann Oxytocin erhöhen und Herzschläge synchronisieren

Junge Fans mit Hand aufs Herz singen Nationalhymne im Stadion, viele halten Fahnen und singen mit Enthusiasmus.

Wenn Menschen in einer Menge sitzen und dieselbe Mannschaft anfeuern, passiert im Körper mehr als nur ein Adrenalinschub.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bereits ein einziges Live-Sportspiel den Oxytocinspiegel erhöhen kann. Dieses Hormon wird mit sozialer Bindung in Verbindung gebracht. Zudem können sich die Herzschläge von Zuschauenden auf eine Weise angleichen, die damit zusammenhängt, wie verbunden sie sich den Menschen in ihrer Umgebung fühlen.

Geleitet wurde die Studie von der Universität Tsukuba in Japan. Das Forschungsteam wollte herausfinden, ob das Anschauen eines einzigen Basketballspiels im Hochschulsport das körpereigene Oxytocinsystem tatsächlich aktivieren kann.

Der Ansatz könnte eine Alternative zu nasalen Oxytocin-Sprays eröffnen. Diese werden seit Jahren als Behandlung sozialer Funktionsstörungen untersucht, lieferten in klinischen Studien bislang jedoch schwache und uneinheitliche Ergebnisse.

Eine Gruppe gewöhnlicher Fans

Die Forschenden begleiteten 60 erwachsene Zuschauende, darunter 21 Frauen, bei einem Heimspiel der Universität Tsukuba innerhalb der Veranstaltungsreihe „TSUKUBA LIVE!".

Dabei handelte es sich keineswegs um eine Gruppe eingefleischter Fans. Die meisten Teilnehmenden waren Studierende und Anwohnerinnen sowie Anwohner ohne eine tief verwurzelte, langjährige Bindung an das Team.

Um Oxytocin und Cortisol zu erfassen, entnahmen die Forschenden Speichelproben vor dem Spiel, in der Halbzeitpause und nach dem Spiel.

Während der gesamten Partie trugen alle Beteiligten zudem Sensoren zur Messung der Herzfrequenz.

Zu mehreren Zeitpunkten bewerteten sie, wie sehr ihnen das Erlebnis gefiel, wie verbunden sie sich den Spielern und anderen Fans fühlten und wie stark sie in das Spielgeschehen eintauchten.

Außerdem gaben sie an, ob sie ein weiteres Spiel besuchen möchten.

Ausgangswerte von Oxytocin sind entscheidend

Besonders interessant war, dass sich Oxytocin während des Spiels je nach Ausgangswert sehr unterschiedlich veränderte.

Bei Personen mit vergleichsweise niedrigen Oxytocinwerten vor dem Spiel stieg der Spiegel bis zum Ende deutlich an. Menschen, die bereits vor Beginn hohe Werte aufwiesen, blieben dagegen während der gesamten Veranstaltung auf diesem erhöhten Niveau.

Gleichzeitig sank Cortisol, das klassische Stresshormon, während das Verhältnis von Oxytocin zu Cortisol im Verlauf des Spiels kontinuierlich zunahm.

Dieses Muster ähnelt deutlich stärker einer entspannten sozialen Beteiligung als einer stressbedingten Erregung.

Um dies einzuordnen, bestimmten die Forschenden einen konkreten Schwellenwert von etwa 26.5 Picogramm pro Milliliter Oxytocin vor dem Spiel. Dieser markierte einen klaren Wendepunkt dafür, wie die Hormone der Teilnehmenden reagierten.

So konnten sie die Teilnehmenden für den Vergleich in eine Gruppe mit niedrigen und eine mit höheren Ausgangswerten aufteilen.

Herzschläge im Gleichklang beim Live-Sport

Neben den Hormonen untersuchte das Team auch, wie eng die Herzschläge der Menschen im Verlauf des Spiels miteinander abgestimmt waren.

Diese Synchronität nahm während und nach dem Spiel deutlich zu.

Um auszuschließen, dass dies lediglich Zufall war, führten die Forschenden eine gezielte Kontrollanalyse durch.

Sie verglichen Herzfrequenzen von Personen, die dasselbe Spiel besucht hatten, mit denen von Menschen bei völlig anderen Spielen. Zusätzlich stellten sie Besucherinnen und Besucher aus demselben Sitzbereich Personen gegenüber, die an anderen Stellen saßen.

Wie erwartet war die Synchronisierung bei Menschen, die dasselbe Spiel gemeinsam erlebt hatten und nahe beieinandersaßen, durchgehend stärker.

Die Oxytocinwerte zeigten einen moderaten, aber signifikanten Zusammenhang damit, wie eng sich die Herzschläge anglichen.

Damit verband das Ergebnis chemische Veränderungen im einzelnen Körper mit einer gemeinsamen physiologischen Reaktion von Menschen, die nebeneinandersaßen.

Ein stärkeres Gefühl der Verbundenheit

Sowohl höhere Oxytocinwerte als auch eine stärkere Synchronisierung der Herzfrequenz gingen mit einem positiveren Gesamterlebnis einher.

Menschen mit hohen Werten bei beiden Faktoren berichteten, das Spiel mehr genossen zu haben. Sie fühlten sich den Spielern und anderen Fans stärker verbunden, gingen intensiver im Geschehen auf und wollten eher künftige Spiele besuchen.

Bei einer genaueren Analyse identifizierten die Forschenden eine konkrete Kette, die körperliche Prozesse mit dem tatsächlichen Empfinden der Menschen verknüpfte.

Während der aktiven Spielphasen stand eine engere Herzsynchronisierung mit einem stärkeren Gefühl der Einheit mit den Spielern in Zusammenhang. Dieses Gefühl sagte wiederum voraus, wie sehr eine Person in das Spiel eintauchte.

Außerhalb der aktiven Spielzeit, also in Pausen und nach der Schlusssirene, war eine stärkere Synchronisierung hingegen mit einem Verbundenheitsgefühl gegenüber anderen Fans verbunden. Dieses wiederum sagte voraus, ob jemand wiederkommen wollte.

In beiden Fällen schien dieses Einheitsgefühl der entscheidende Faden zu sein, der die Physiologie einer Person mit ihrem tatsächlichen Verhalten verknüpfte.

Eine einfache Möglichkeit, Oxytocin zu erhöhen

Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass abgestimmte Veränderungen des Oxytocins und die Synchronisierung der Herzfrequenz reale, messbare Bestandteile sozialer Bindung bei Live-Sportveranstaltungen sind.

Da diese Effekte bei gelegentlichen Fans eines kleinen Hochschulspiels auftraten und nicht bei hingebungsvollen Anhängern in einem großen Stadion, vermuten die Forschenden, dass dieser soziale Nutzen nicht auf Spitzensport oder eng verbundene Fangemeinschaften beschränkt ist.

Möglicherweise ist er schlicht ein fester Bestandteil der Erfahrung, gemeinsam mit anderen etwas live zu verfolgen.

Das ist besonders hilfreich, weil medikamentöse Ansätze zur Steigerung von Oxytocin bisher mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden waren.

Live-Sport könnte eine wesentlich einfachere und leichter zugängliche Möglichkeit bieten.

Allein in einer Menge zu sitzen, ein Spiel zu genießen und Teil eines gemeinsamen Erlebnisses zu sein, könnte echte soziale Bindung fördern – ganz ohne Medikamente.

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